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Hotelbranche Die Pharmabranche will auf Luxus verzichten

03.02.2007 ·  Die Pharmaindustrie hat sich entschlossen, Kongresse nicht mehr in Fünf-Sterne-Hotels abzuhalten. Wenn weitere Branchen diesem Beispiel folgen, sind dann die deutschen Luxustempel in Gefahr?

Von Brigitte Scherer
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Sind Luxushotels eine aussterbende Spezies? Fallen Fünf-Sterne-Häuser demnächst unter Artenschutz? Sollen wir mit einem Notopfer Geld für Freilichtmuseen sammeln, in denen der Beherbergungstyp „Luxus“ als Antiquität für die Nachwelt überlebt? Was jetzt im führenden Fachorgan „Allgemeine Hotel- und Gastronomiezeitung“ zu lesen war, legt diesen Verdacht nahe. Wir, die Reisenden, haben offensichtlich eine Revolution verschlafen, deren Speerspitze Deutschland ist.

Für Pharmakongresse, so lesen wir, sind Luxushotels schon eine ganze Zeit lang tabu. Die Branche hat sich, ohne dass es öffentlich groß aufgefallen wäre, mit der freiwilligen Unterwerfung unter einen „Pharmakodex“ verpflichtet, bei ihren Veranstaltungen gänzlich auf Fünf-Sterne-Häuser „wie zum Beispiel das Adlon oder das Kempinski Grand Hotel Heiligendamm“ zu verzichten.

Pharmakodex und Luxusverdacht

Stattdessen sind Vier-Sterne-Hotels mit Arbeitsatmosphäre innen und außen zu buchen, also Autobahnausfahrt statt Strand oder City. Bei Zuwiderhandlung werden Geldstrafen verhängt. Rat und Hilfe finden sich unter der Internetadresse www.kodexkonform.de, auf deren Website sich die Großketten Accor, NH, Ramada und Marriott in geballtem Auftritt empfehlen dürfen, Marriott mitsamt einem „Überblick über unsere Hotels in Deutschland, die nicht unter die Klassifizierung Luxushotels fallen“. „Vier-Sterne-Häuser gehören zu den Profiteuren der Regelung“, konstatiert das Fachblatt der Hotelbranche trocken.

Welche Wirkungen der Pharmakodex auf die Spezies der Fünf-Sterne-Hotels in Europa, vor allem aber im besonders strengen Deutschland haben wird, ist die viel interessantere Frage. Denn diese Spitzenprodukte der Reiseindustrie leben nicht vom Jetset, ihr Brot-und-Butter-Geschäft besteht vielmehr - außer in Feriengebieten - im Markt der gehobenen Dienstreisenden. Selbst im legendären Brenner's Parkhotel in Baden Baden mit seiner glanzvollen Privatklientel macht ihr Anteil noch dreißig Prozent aus.

Gefährliches Thema Luxus

Wenn ein bedeutender Industriezweig wie die Pharmabranche eine ganze Sparte der Hotellerie auf den Index setzt, hat das wirtschaftliche Konsequenzen. Und was wäre, wenn andere Branchen diesem Beispiel folgten? Noch sei es möglich, das rückläufige Geschäft mit Pharmafirmen durch mehr Kunden aus den Branchen Automobil, IT und Consulting aufzufangen, heißt es dazu bei Ritz-Carlton. Aber so offen wollen die wenigsten Betroffenen reden. Nur Frank Marrenbach, Chef von Brenner's Parkhotel, dem Flaggschiff der deutschen Grandhotellerie, wagt es, die Aussperrung im Pharma-Kodex öffentlich als Diskriminierung und „plakative Beruhigungspille in Zeiten der Gesundheitsreform“ anzuprangern, bei der Symptom (Wohnen im Luxushotel) und Ursache (verdeckte Vorteilsgewährung) verdreht würden.

Nur die Kosten zu senken ist die Intention des Pharmakodex nicht. Oft, etwa in Berlin, käme der Aufenthalt in einem Fünf-Sterne-Hotel sogar billiger als der in einem Vier-Sterne-Haus in Italien oder Frankreich. In Wahrheit geht es um etwas ganz anderes: Es geht um das gefährliche Thema Luxus, um Lebensstil, Anspruch und die Frage, was politisch korrekt ist. Für die, die davon leben, geht es um die Existenz.

Quelle: F.A.Z., 01.02.2007, Nr. 27 / Seite R1
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Jahrgang 1943, freie Autorin im „Reiseblatt“.

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