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Gnadenlos günstig (5): Paris in dreißig Stunden : Nächste Ausfahrt Croissant

  • -Aktualisiert am

Am Eiffelturm kommt kein Paris-Besucher vorbei. Bild: Marcus Jauer

Wer sich mit Rainbow Tours auf einen Kurztrip in die Stadt der Liebe begibt, erlebt für einen winzigen Augenblick noch einmal den Glanz früherer Klassenfahrten - dann aber siegt die Müdigkeit.

          Es ist Freitagabend, und man hat, überstürzt und im Grunde unverrichteter Dinge, das Büro und den Arbeitsplatz verlassen, hat unterwegs in einem Imbiss ein paar Hähnchenteile gekauft, die wie ihre eigene Verpackung schmecken, war schließlich, es hatte inzwischen und aus heiterem Himmel wie aus Eimern zu schütten begonnen, quer durch den Regen zum vereinbarten Treffpunkt gerannt, um nur ja unter allen Umständen pünktlich zu sein, und dann geht es damit los, dass es nicht losgeht.

          Seit einer Dreiviertelstunde steht man auf Hamburgs Zentralem Omnibusbahnhof herum, allein zwischen Mitreisenden, die sich wie von selbst zu Gruppen zusammengefunden haben, in denen alle entweder die gleiche Hose haben, die gleiche Tasche oder die gleiche Frisur, und während von den anderen Haltestellen ständig Busse auf die Minute genau nach Warschau, Riga, Kaunas, Tallinn oder Bialystok aufbrechen, ist der Bus, der einen nach Paris bringen soll, immer noch nicht da.

          Dieter und Norbert

          Nun wäre eine Verspätung um eine Dreiviertelstunde noch kein Grund, sich aufzuregen, würde es sich bei dieser Reise nicht um einen Kurztrip handeln, bei dem einem weniger als dreißig Stunden bleiben, um "Paris mit allen Sinnen zu genießen", wie es in der Anzeige von Rainbow Tours hieß. Man werde eine Stadtrundfahrt machen, eine Bootsfahrt auf der Seine, einen Ausflug nach Versailles und Sonntagnacht wieder zu Hause ankommen, "ohne einen Urlaubstag geopfert zu haben". Es hätte den Kurztrip auch noch kürzer gegeben. Dann wäre man nach achtzehn Stunden wieder abgefahren, hätte zwei Nächte im Bus verbracht und keine im Hotel, was die Reise noch etwas günstiger, aber auch gnadenloser gemacht hätte. Aber erstens war dieser Trip ausgebucht, und zweitens fragt man sich ja jetzt schon, ob man sich wegen dieser Dreiviertelstunde aufregen soll oder besser freuen. Einerseits hat man sie bezahlt, andererseits sie aber irgendwie auch schon gespart.

          Glücksversprechen
          Glücksversprechen : Bild: Marcus Jauer

          Als der Bus endlich kommt, sieht es wenigstens so aus, als gebe es mehr Platz als Gäste, so setzt man sich allein und ans Fenster. Nachdem jedoch die Reiseleiterin die Busfahrer vorgestellt hat ("Das ist der Dieter. Das ist der Norbert.") und erklärt, dass die Bordtoilette nur im Notfall zu benutzen sei ("Wir können sie nicht ablassen"), stellt sich heraus, dass wir auf dem Weg nach Paris noch in Bremen halten, in Osnabrück, Essen und Köln, wo wir dann ("so gegen eins") die letzten Gäste aufnehmen. Der Bus ist ausgebucht, und da viele der Reisenden Paare sind, die gern nebeneinandersitzen wollen, setzt einen die Reiseleiterin zu dem anderen alleinreisenden Herrn um, einem Frührentner aus Hamburg, der von Rainbow Tours nur als dem "Rambo" spricht, es aber nicht ironisch meint. Er sei "mit dem Rambo" dreimal in Paris gewesen, sagt er, und jedes Mal sei es derart günstig gewesen, dass er sich frage, "wie der Rambo das macht".

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