Die Sonne hängt wie ein Feuerball am Horizont und taucht alles in ein orangefarbenes Licht. Unser Nachmittagsflug von München nach Boston wird von einem nicht enden wollenden Sonnenuntergang begleitet. Doch kaum jemand nimmt von dem Naturschauspiel Notiz: Die Mehrheit der Passagiere des Businessjets sind Geschäftsleute, die den neunstündigen Flug dazu nutzen, um am Laptop zu arbeiten und sich auf Termine vorzubereiten. Die Sitzplätze sind mit Stromanschluss und Leselampe ausgestattet.
Die Boeing 737-700, die seit Beginn des Winterflugplanes im Auftrag der Lufthansa sechsmal in der Woche von Terminal 2 am Flughafen München nach Boston startet, hat nur vierundvierzig Business-Sitze. Die Fluggesellschaft hat den Jet im Wet-Lease, das heißt inklusive der vier Flugbegleiter und den zwei Piloten, von Privat Air, einem auf VIP-Kunden und privaten Geschäftsreiseverkehr spezialisierten Anbieter aus der Schweiz, gechartert. Die Abflugzeit des Fluges LH 424 in München um 15.40 Uhr ist so terminiert, dass Fluggäste aus ganz Europa die Maschine bequem erreichen und abends nach der Landung noch ein Geschäftsessen in Boston wahrnehmen können. Der Rückflug nach München startet um 20.25 Uhr - die Reisenden können sich also tagsüber noch ganz auf ihre Geschäftstermine konzentrieren. Die morgendliche Ankunft im Erdinger Moos ermöglicht es ihnen, ausgeruht in den nächsten Arbeitstag zu starten oder einen frühen innereuropäischen Anschlussflug zu nehmen.
Sehr persönlicher Service an Bord
Wie erholsam die Nacht wird, hängt davon ab, wie gut jeder Einzelne mit den "Lie-Flat-Sitzen" umgehen kann. Der Sitzabstand ist mit 152 Zentimetern großzügig bemessen. Für eine entspannte Liegeposition fährt der Sitz jedoch so tief nach unten, dass die Nutzung des Tisches zum Arbeiten oder Essen kaum mehr möglich ist. Da sich der Sitz im Schlafmodus zudem nur auf 170 Grad und nicht flach ausfahren lässt, haben viele Passagiere Mühe, eine Schlafposition zu finden. Die Business Class-Sitze auf der täglich von Frankfurt nach Boston abhebenden Lufthansa-Maschine bieten mehr Komfort. Doch in Zukunft sollen engere Kooperationsverträge mit Privat Air der Lufthansa ermöglichen, mehr Einfluss auf das Bordprodukt und auch die Gestaltung des bislang eher schwachen Unterhaltungsprogramms zu nehmen. Entwickelt sich die Strecke weiterhin gut, dann wird Lufthansa möglicherweise eine neue Boeing 737-800 mit sechsundfünfzig Sitzen auf der Strecke einsetzen.
Doch es ist nicht unbedingt die Bordausstattung, die die reinen Busines Class-Flüge attraktiv macht. Viele Geschäftsreisende schätzen den sehr persönlichen Service an Bord: Elf Passagiere werden von einem Flugbegleiter betreut. Da es nur einen Korridor zwischen den in Zweierreihen angeordneten Sitzen gibt, ist der Kontakt zwischen Bordpersonal und Passagieren sehr eng. Maja, die Purserette, rät uns, den französischen Rotwein zu testen. Beim Menü können wir zwischen Gänsebraten und Zander aus der Küche des kanadischen Sternekochs Susur Lee wählen.
Schnelle Abfertigung
Ein weiterer wichtiger Vorteil der reinen Business Class-Flüge ist die niedrige Anzahl der Passagiere. Die Ein- und Aussteigezeiten sind dadurch deutlich reduziert. Das wird schon vor dem Einsteigen in das Flugzeug durch die kurzen Wartezeiten bei der zweiten Sicherheitskontrolle auf dem Flughafen München deutlich und macht sich nach der Landung bei der Einreisekontrolle in Boston bemerkbar. Die kleine Boeing 737 kommt zehn Minuten vor einem Jumbo von British Airways aus London an. Läuft alles nach Flugplan, dann haben die Business Class-Passagiere die Kontrollen der amerikanischen Einreisebehörden schon hinter sich, bevor die ersten British-Airways-Passagiere den Immigrationsschalter erreicht haben.
Den Sommer über bedient Lufthansa die Route von München nach Boston mit einem Airbus A330, der neben achtundvierzig Business Class-Sitzen und acht First Class-Sesseln auch einhundertsechsundfünfzig Economy-Sitze bietet. In den übrigen Monaten lohnte sich der Einsatz des großen Flugzeugs auf der Strecke bisher nicht, da Touristen den Besuch Bostons im Winter wegen der kalten Temperaturen dort scheuen. Nur aus Frankfurt wurde bisher eine Ganzjahresverbindung in die Hauptstadt des amerikanischen Bundesstaates Massachusetts angeboten. Für Geschäftsreisende aus Süddeutschland, Italien und Osteuropa war dies eine schwerwiegende Lücke im Angebot der Fluggesellschaft. Wer regelmäßig nach Bosten reisen muss, fliegt lieber mit einer Fluggesellschaft, die einen ganzjährigen Service bietet.
Nordatlantik-Strecke im Visier
Eine entsprechend große Resonanz verspricht sich Lufthansa deshalb von der neuen Businessjet-Verbindung. Die Vorausbuchungen scheinen die Erwartungen zu bestätigen: Die Auslastung in den ersten Wochen lag bei neunzig Prozent. Trotz der Finanzkrise haben sich bisher kaum Rückgänge im Geschäftsreiseverkehr von und nach München abgezeichnet. Anders als Frankfurt oder London sei die bayerische Landeshauptstadt nicht so stark vom Bankengeschäft geprägt und dadurch weniger betroffen, glaubt man bei Lufthansa. Hinzu kommt, dass München vielen zahlungskräftigen Geschäftsreisenden aus Osteuropa als Drehkreuz für Flüge in die Vereinigten Staaten dient. Immer mehr deutsche Firmen unterhalten in Boston ein eigenes Büro. Intensiv ist außerdem der deutsch-amerikanische Austausch mit der Harvard-Universität, dem Massachusetts Institute of Technology und Boston Consulting sowie mit führenden Biotechnologie-, Hightech- und IT-Unternehmen, die in Boston ansässig sind.
Mit dem Businessjet baut Lufthansa ihren Service um ein besonders geschäftsreisefreundliches Angebot aus. Gleichzeitig soll mit dem Angebot die Nachfrage getestet werden, ob sich möglicherweise der Einsatz eines größeren Flugzeugs auf der Route lohnt. So wurden zum Beispiel die Strecken von München und Düsseldorf nach Newark sowie von Düsseldorf nach Chicago zunächst von einem Businessjet bedient. Heute fliegen auf der Route Drei-Klassen-Flugzeuge. Im Moment hat Lufthansa neben der Verbindung von München nach Boston einen Abendflug von Frankfurt nach Dubai und einen ins indische Pune mit einem Airbus A319, der über achtundvierzig Business Class-Sitze verfügt, im Angebot. Trotz der höheren Betriebskosten machen geringere Abfertigungsgebühren, niedrigere Landeentgelte und schnellere Umkehrzeiten den Betrieb der Businessjets in der Gesamtkalkulation der Fluggesellschaft attraktiv. Lufthansa will deshalb eventuell die Kooperation mit Privat Air von bislang drei auf bis zu fünf Businessjets ausbauen. Dabei hat sie nicht nur Nordatlantik-Strecken im Visier. Auch innereuropäisch könnte das Premium-Produkt Sinn machen.
Nach Boston: Der Hin- und Rückflug von München nach Boston kostet ab 2299 Euro inklusive Steuern, Gebühren und Service Charge. Er ist genauso teuer wie ein gewöhnlicher Business Class-Flug. Zu stark nachgefragten Zeiten kann der Preis für ein Ticket aber auf bis zu 5000 Euro steigen. In München startet der Flug täglich außer dienstags um 15.40 Uhr. Der Rückflug ist um 20.25 Uhr.
Nach Pune: Der Hin- und Rückflug von Frankfurt nach Pune kostet ab 3199 Euro (bis maximal 3829 Euro). In Frankfurt startet der Flug täglich außer samstags um 16.15 Uhr. Zurück geht es von Pune aus täglich außer sonntags um 5.29 Uhr.
Nach Dubai: Der Hin- und Rückflug von Frankfurt nach Dubai kostet ab 2249 Euro (bis maximal 2999 Euro). Der Flug von Frankfurt aus startet täglich um 20.35 Uhr. Der Rückflug von Dubai aus startet ebenfalls täglich, um 07.15 Uhr.
Buchung und Information: Im Internet unter www. lufthansa.com.
Kerngeschaeft der Lufthansa ??
thomas vogel (t.u.vogel)
- 05.12.2008, 12:30 Uhr
Oh wie schön ist HildegardsWelt
Sebastian Seyfert (sejose)
- 05.12.2008, 21:59 Uhr
Steht da wirklich Purserette als Bildunterschrift???
Thomas Spaniel (Echnaton1970)
- 06.12.2008, 05:22 Uhr
Verschwendung
Hans-Helge Hansen (Nordmensch)
- 06.12.2008, 11:32 Uhr
Eine Boeing 737-800 ist kein Langstreckenjet ...
Andreas Neubert (Citizen_Kane)
- 06.12.2008, 12:25 Uhr