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Samstag, 11. Februar 2012
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Fünf Ringe im Schnee (5): Sarajevo Goldmedaillen gegen das Vergessen

05.02.2010 ·  In Sarajevo sind die Erinnerungen an die Olympischen Winterspiele untrennbar mit dem Krieg verbunden. Doch die Menschen haben sich geschworen, dass Olympia über das Trauma siegen wird.

Von Karen Krüger
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Ach Katarina, was haben wir Dich geliebt, damals, als wir Kinder uns eigentlich nur deshalb zu den Erwachsenen ins Wohnzimmer setzten, weil wir sehen wollten, wie Vucko, der kleine Wolf und das Maskottchen der Olympischen Winterspiele von 1984, mit einem heulenden "Sarajevooo!" jeden Nachmittag im Fernsehen den Beginn der Wettkampfübertragung ankündigte. Doch dann hast Du das Eis betreten, und sofort fanden wir Dich strahlend und wunderschön, blieben hängen vor dem Fernseher, sahen zu, wie Du in Deiner Kür ,Puztamädchen', mit Pluderärmeln und einem Röckchen, das so kurz war, dass wir uns fragten, ob das nicht kalt sei auf dem Eis, einen Csardas, den ungarischen Nationaltanz, tanztest - seine Herkunft hatten uns die Erwachsenen erklärt. Das Eis schien zu beben, und wir bebten auch. Auf dem Schulhof am nächsten Morgen diskutierten wir, ob man nun zu Dir halten könne, obwohl die drei Buchstaben DDR auf Deiner Trainingsjacke standen. Das war nicht so einfach zu entscheiden - auch das hatten die Erwachsenen erklärt. Mit Moonboots an den Füßen versuchten wir dann Deine Sprünge nachzuahmen und waren uns schnell einig: Katharina Witt soll Gold bekommen. Die Punktrichter schlossen sich unserer Meinung an. Auf dem Gymnasium lernten wir ein paar Jahre später, dass in Sarajevo mit dem Attentat auf den österreichisch-ungarischen Thronfolger Franz Ferdinand und dessen Gattin die ersten Schüsse des Ersten Weltkriegs gefallen waren. Doch das war uns irgendwie egal. Sobald wir den Namen Sarajevo hörten, dachten wir auch weiterhin an Vucko und an Deinen Eiskunstlauf. Das ging so, bis der Krieg die Stadt abermals gefangen nahm. Seitdem hat die Erinnerung an ihn die Oberhand.

Ach, Katarina Witt, sagt Edin Numankadic und rollt das R dabei mit einer männlichen Inbrunst, die wir als Kinder noch nicht verstanden hätten. "Sie war so charmant, gerade achtzehn Jahre, und dann die erste Goldmedaille ihrer Karriere. Auf dem Eis gesehen habe ich sie jedoch nie", sagt er und hebt bedauernd die Hände. Edin Numankadic ist Künstler, einer der bedeutendsten Bosnien-Hercegovinas, und der Direktor des Olympischen Museums von Sarajevo. Das war er damals schon, im Jahr 1984, als plötzlich die ganze Welt auf diesen kleinen Ort in Jugoslawien blickte, der, umgeben von mächtigen Bergen, in einer Talsenke liegt, in dem sich Synagogen, Moscheen und Kirchen drängen, als habe hier ein Architekt für Multikulturalismus seine Phantasien ausgelebt, und in dem jahrhundertelang Serben, Bosnier, Slowenier und Kroaten einander heirateten, so dass die Menschen, wenn man sie nach ihrer Herkunft fragte, einfach antworteten: aus Sarajevo. Dass die internationale Aufmerksamkeit durch die Olympischen Winterspiele einmal vielen Stadtbewohnern das Leben retten würde, ahnte damals niemand. In den Straßen und Gassen war ein Stolz und eine Freude, die von nun an für alle Zeiten über der Stadt zu schweben schien. Dabei hielt Jugoslawien nur den Atem an vor seinem endgültigen Zerfall.

Goldmedaille in den Trümmern

Edin Numankadic eilt von Vitrine zu Vitrine, erklärt, gestikuliert, freut sich über den Besuch. Meistens begrüßt er hier bosnische Schulklassen. Sie sollen sehen, dass Sarajevo noch von einer anderen Vergangenheit als dem Krieg zu erzählen hat. Er zeigt ein Foto der Eröffnungsfeier: Lächelnde Menschen in Trachten sind darauf zu sehen; die Repräsentanten der sechs Republiken und zwei Provinzen Jugoslawiens halten sich an den Händen; im Hintergrund brennt das olympische Feuer. Der Traum von jugoslawischer Brüderlichkeit und vom Aufschwung, den man wie in allen Olympiaorten auch in Sarajevo mit den Spielen verband, währte nur noch acht Jahre. Danach leerten sich die Skihänge. Dann kam der Krieg. Auf den olympischen Bergen rings um die Stadt verschanzte sich das serbische Militär. Zwei Millionen Granaten feuerte es in den 1425 Tagen der Belagerung auf Sarajevo ab, elftausend Menschen wurden dadurch getötet, sechzigtausend verwundet. Weil die Menschen nicht mehr wussten, wo sie ihre Toten beerdigen sollten, verwandelten sie das Kosovo-Stadion und die Fläche vor der Zetra-Eishalle zu einem Massengrab. Ein Meer aus weißen Stelen breitet sich jetzt vor ihr aus. Schulkinder, Alte, Junge wurden hier zur Ruhe gebettet. Die Todesdaten aber beschränken sich auf vier Jahre: 1992-1996.

Der olympische Eispalast zerbarst unter Hunderten von Granaten. Es war der 21. Mai 1992, die Belagerung hatte gerade begonnen. "Tötet ihr Gehirn", soll der serbische General Mladic gesagt haben, bevor er das Signal für den Angriff auf die olympische Stätte gab. Die Halle verschmolz zu einem Haufen aus Metall und Beton. Dann nahmen sich die Serben das olympische Zentrum Skenderia, die Nationalbibliothek und das Orientinstitut vor, schließlich das Olympische Museum von Edin Numankadic. Ganz gezielt sollte all das zerstört werden, was für die Identität von Bosnien-Hercegovina wichtig war, meint der Direktor. Am Morgen nach dem Angriff durchstreifte er mit seinen Freunden die rauchenden Trümmer, in der Hoffnung, Objekte zu bergen. Viel hatten die Granaten nicht übrig gelassen. Doch dann hielt Numankadic plötzlich eine Goldmedaille in der Hand. In diesem Augenblick habe er sich geschworen, sie eines Tages in ein neues Museum zu legen. Und da liegt sie jetzt. Es ist in einem großen Raum im Olympiastadion untergebracht, das ebenfalls wieder aufgebaut wurde. Numankadic empfiehlt uns, auch die Ruine des alten Museums zu besuchen. "Schauen Sie auf die Berge", sagt er. "Und dann auf das schöne Haus. Wir waren so europäisch."

Das ungleichste Paar der Welt

Wir machen es umgekehrt. Das Gebäude ist ein Schmuckkästchen, errichtet um die Jahrhundertwende oberhalb des Stadtzentrums. Nymphen stützen das Eingangsportal, auf den Fenstersimsen turnen steinerne Engel. Das Dach ist repariert, die zersplitterten Scheiben ausgetauscht. Und doch hat der Krieg wie fast überall in Sarajevo hässliche Narben hinterlassen. Dort wo die Flammen schlugen, ist der Putz abgeplatzt, gibt den Blick frei auf das nackte Mauerwerk. An einer Stelle kann man das Einschlagloch einer Granate sehen: ein grauer Fleck, drumherum Spritzer, als habe jemand voller Wut einen Eimer Farbe an die Wand geklatscht. Eine Frau bleibt stehen und schließt sich unseren Blicken an. „Ich habe damals das erste Mal Ananas gegessen“, sagt sie unvermittelt. „Aber dann kamen die.“ Mit dem Kopf deutet die Frau auf den gegenüberliegenden Berg. Es ist der Trebevic, der Hausberg Sarajevos, dort wurden die Rodel- und Bobwettkämpfe ausgetragen. Im Krieg herrschten vom Berg aus die Serben über Leben und Tod. „Ich kann den Berg nicht mehr ansehen, ohne an den Krieg zu denken“, sagt die Frau und geht. Olympia und der Krieg, das ungleichste aller Paare, wurden in Sarajevo zwangsvermählt.

Wir steigen in ein Taxi, das aussieht wie von Kinderhand gezeichnet, wollen die Bobbahn und was von ihr übrig blieb, sehen. Der Fahrer hebt die Augenbrauen, als wir unser Ziel nennen, und fängt an, von damals zu erzählen. Er habe die Journalisten von einer Olympiastätte zur nächsten chauffiert, sagt er, bremst scharf, weil uns auf unserer Spur ein Auto entgegenkommt, und denkt die Zerstörung gleich mit. Zerstört die Skischanze auf dem Berg Igmann, auf der Jens Weißflog olympisches Silber errang - die Bosniaken lieferten sich dort mit den serbischen Angreifern die heftigsten Gefechte, es ging um den einzigen Zugang zur Stadt. Dann der Herrenberg, der Bjelasnica, inzwischen entmint, dort wird wieder Ski gefahren, dort gewann Frank Jure im Riesenslalom zum ersten Mal in der Geschichte der Olympischen Winterspiele mit seiner Silbermedaille eine Auszeichnung für Jugoslawien. Unangetastet von den Kämpfen blieb nur der Damenberg, die Jahorina - an den Hängen hatte sich der Serbenführer Karadzic seinen Präsidentensitz eingerichtet. Der Berg gehört heute zur Republik Srbska, schnaubt der Fahrer. Er zeigt durch die schmierige Windschutzscheibe in den Himmel auf einen unsichtbaren Punkt: Dort sei früher die Seilbahn auf Trebevic gefahren. Auch sie wurde zerstört. Man könnte sie wieder in Betrieb nehmen, doch offensichtlich hätten die Menschen noch immer Angst, dass eines Tages wieder jemand auf die Gondeln schießen könne, meint er. Kein Lächeln huscht über sein Gesicht.

Gespenster des Krieges

In rasantem Tempo geht es die Serpentinen den Berg hinauf. Da saßen die Serben, sagt der Fahrer und deutet in eine Kurve, und da auch, in der folgenden. Die Angreifer hatten sich mit ihren Granatwerfern und Scharfschützen in einer Zickzacklinie auf den Hängen der Stadt verteilt. Wir blicken aus dem Fenster in den wintergrauen Nachmittag und versuchen uns das alles vorzustellen: Das Stadtzentrum ist erschreckend nah. Deutlich sind Häuser, sind Kreuzungen und auf den Straßen sogar, ameisenklein, Menschen zu erkennen. Während sie hier oben an der Front Slibowitz tranken, trauten sich die unten kaum zum Wasserholen aus dem Haus - die Serben hatten es abgestellt. Wagten es die Menschen dennoch, mussten sie rennen, um den Kugeln der Scharfschützen zu entgehen. Das gelbe Gebäude des „Holiday Inn“ ist zwischen den Häusern im Talkessel zu erkennen - für die Winterspiele gebaut, beherbergte es den damaligen Präsidenten des Olympischen Komitees, Juan Antonio Samaranch, und dessen Gefolge. Während des Krieges quartierte sich die internationale Presse dort ein, wegen der Scharfschützen wurden die Fenster mit Matratzen verbarrikadiert - der Film „Welcome to Sarajevo“ von Michael Winterbottom erzählt die Geschichte. Noch heute frühstückt man in dem Hotel von Tellern, die mit den olympischen Ringen verziert sind. Auch ins Besteck ist das Zeichen graviert. Andernorts ist Olympia nur noch als Schrecken zu erkennen.

Wenige Meter unterhalb der Bergspitze hält das Taxi. Wir steigen aus. Es ist still. Sehr still. Es geht entlang eines Pfades, der sich zwischen den Bäumen des Waldes verliert. Die Äste hängen tief, beladen mit Schnee. Vor uns in der Abenddämmerung taucht plötzlich die Schleife eines riesigen rostroten Wurms auf, gestützt und eingefasst von mächtigen Betonklemmen, als bändige hier jemand ein hungriges Ungeheuer auf seinem Weg ins Tal. Wir klettern in die Fahrrinne und gehen darin den Berg hinab. An den Wänden der Bobbahn sind bunte Graffiti, in den Wänden Löcher, die aussehen wie Schießscharten, doch das kann nicht sein, denken wir, die Stadt ist zu weit weg. Wir lauschen unserem Atem und wenden bei jedem Knacken im Wald den Kopf. Die Geister des Krieges scheinen hier unmittelbar zu sein. Mit Gedanken an die bayerischen Rodler Hans Stangassinger und Franz Wembacher versuchen wir uns abzulenken. Dort, wo wir gerade gehen, sausten die beiden ins Tal, direkt nach der Überreichung der Goldmedaillen gaben sie ihren Rücktritt bekannt - der Werkzeugmacher Stangassinger wollte sich wieder um seinen Beruf kümmern, der Elektriker Wembacher ins elterliche Geschäft einsteigen. Was sie wohl gerade machen? Licht aus in der Werkstatt und nach Hause gehen? Da, wieder ein Knacken. Unser Ablenkungsmanöver misslingt, die Gespenster rücken uns auf die Pelle. Auf einmal glauben wir dumpfe Schüsse zu hören und das Schreien der serbischen Männer, die hier lagerten, insgesamt vier Jahre lang. Schemenhaft taucht ein Häusergerippe zwischen den Bäumen auf, vielleicht ein Observatorium. Dort stand ein Artilleriegeschütz und zielte auf die Stadt, hatte der Taxifahrer gesagt. Dann die Überreste der Zuschauertribüne, das Ende der Bobbahn ist erreicht. Wir atmen auf, wollen zurück ins Leben, dorthin, wo die Häuser keine Ruinen sind und in den Fenstern echte und keine Irrlichter brennen.

Tränen des Glücks

Als wir die Altstadt erreichen, schließen die Händler gerade ihre Läden. Von hier unten aus waren die Geschütze in den Bergen nicht zu sehen. Nur das Pfeifen der Granaten war zu hören und ihr Einschlag. Eine Granate, die man pfeifen hört, ist ungefährlich, denn sie fliegt weit genug entfernt, jede andere war tödlich, erklärt Tomo Pocanic und rückt seine Brille mit den dicken Gläsern und dem Goldrand zurecht. Der pensionierte Sportreporter sitzt in einem Café und will eigentlich nicht über den Krieg reden. Sondern über Olympia. Doch das zu trennen gelingt auch ihm nicht. Für viele Menschen in Bosnien-Hercegovina ist der Vierundsiebzigjährige eine Legende: Es gibt nur sechs mit seinem Namen gezeichnete Artikel, in denen es nicht um eine Sportart geht; Tomo Pocanic war sogar bei dem legendären WM-Spiel von Bern im Jahr 1954 mit dabei. Als das Olympische Komitee bekanntgab, die vierzehnten Winterspiele in Sarajevo auszutragen, weinte er vor Freude. Auch, als die Jugoslawin Sandra Dubravcic am 8. Februar 1984 das olympische Feuer entzündete. Tränen des Schmerzes und der Verzweiflung vergoss er, als die Eissporthalle Zetra in Schutt und Asche fiel. „Es war, als brenne mein eigenes Haus. Die Menschen hier hatten für Olympia gelebt. Alle jugoslawischen Sportler waren von ihnen bejubelt worden, als seien sie in Sarajevo geboren. Wir unterschieden da noch nicht nach ethnischer Zugehörigkeit.“ Von nun an sollte es anders sein.

Nur eine Handvoll Sportler aus Bosnien-Hercegovina konnte zu den Winterspielen 1994 nach Lillehammer fahren. Auch Pocanic, der als Reporter berichten wollte, verweigerte man die Ausreise aus der belagerten Stadt - zu viele Journalisten hatten vor ihm einen Auslandseinsatz genutzt, um nicht wiederzukommen. Ein Mann jedoch kehrte zurück: Juan Antonio Samaranch unterbrach im Februar seinen Aufenthalt in Lillehammer, um der Zehnjahresfeier der Olympischen Spiele in Sarajevo beizuwohnen. Trotzig, als würde es den Feind auf den Bergen nicht geben, hatten der Museumsdirektor Numankadic und seine Kollegen sie organisiert. Als ein Zeichen, dass die Stadt sich ihre Identität nicht rauben lässt. Sichtlich berührt - das zeigt ein Film im Olympia-Museum - stellte Samaranch sich in den Ruinen der Zetra-Halle an genau jene Stelle, an der er zehn Jahre zuvor die Spiele für beendet erklärt hatte. "Wir waren wie verrückt, jeder wollte ihn berühren, er musste sich einen Weg durch die Menschen bahnen. Samaranch war ein Symbol der Freiheit und ein Zeichen, dass man uns nicht vergessen hat in der freien Welt", sagt Pocanic. Tatsächlich war der Besuch der Beginn eines großartigen Solidaritätsprogramms. Das Internationale Olympische Komitee schickte Lebensmittel, die in den Kellern unter den Olympiaruinen gelagert wurden. Aus dem „Gehirn“ Sarajevos wurde ein Bauch - Tomo Pocanic erinnert sich noch heute an sein Paket mit Reis, Zucker und Fleischkonserven. Nach dem Krieg, im Jahr 1999, konnte Zetra wiedereröffnet werden, renoviert mit Mitteln des Internationalen Olympischen Komitees. Fünf Jahre später öffnete das Museum in der wieder aufgebauten Zetra-Halle wieder seine Türen. Die Bewohner von Sarajevo kamen und spendeten ihre Olympia-Andenken der Sammlung, zu neunundneunzig Prozent sei sie wiederhergestellt. Samaranch schickte den silbernen Mantel, den er bei seinem Besuch in der belagerten Stadt getragen hatte - das Kleidungsstück ist ebenfalls ausgestellt. Und noch jemand kam zurück und zerschnitt bei der Eröffnung des Olympia-Museums am 2. Februar 2004 das rote Band: Katarina Witt. „Sie war grandios. Als Eisläuferin fand ich sie schon phantastisch. Jetzt fand sie für jeden, der ein Autogramm wollte, ein freundliches Wort“, sagt Tomo Pocanic.

Zeichen der Versöhnung

Es zieht uns noch einmal nach Zetra, dorthin, wo Katarina Witt ihre erstes Olympiagold errang. Verlassen liegt der riesige Friedhof vor uns. Seine weißen Stelen sind dem Stadion zugewandt, in der Dunkelheit sieht es aus, als hätten dort auf Zuschauerrängen Hunderte von weißgekleideten Menschen Platz genommen, damit jeder von ihnen einen Blick auf die Eislaufhalle erhaschen kann. Sie ist hell erleuchtet, Fetzen von Musik und fröhliche Stimmen wehen durch die kalte Nacht herüber. Am Eingang begrüßt uns Vucko. Wir leihen uns Schlittschuhe aus. Es sind steife Lederungeheuer, die noch aus den Jahren der Olympischen Spiele zu stammen scheinen, und reihen uns auf wackeligen Kufen in die Menschen auf der Eisfläche ein: ausgelassene Teenager, die den Krieg und Olympia nur aus Erzählungen kennen und für die Vucko dennoch viel mehr als ein Maskottchen ist; Väter und Mütter, die beides erlebten, mit kleinen Kindern an der Hand. Wir denken an die Worte Numankadics zurück - dass die Erinnerung an die Olympischen Spiele vielleicht irgendwann Oberhand über jene an den Krieg gewinnen kann, dass sie etwas sein könnte, was die Menschen vereint und ihnen Hoffnung gibt - und sind uns auf einmal sicher, dass auch wir in diese Stadt zurückkehren werden. Gerade weil sie so gezeichnet ist. Vor unserem inneren Auge sehen wir noch einmal die achtzehn Jahre alte Katarina Witt ihre Pirouetten drehen, aus den Lautsprechern dröhnt ein Lied aus den achtziger Jahren. Wir nehmen Schwung, das Eis spritzt von den Kufen. Und auf einmal klappt es auch mit dem Rückwärtsfahren. Bremsen lernen wir das nächste Mal.

Informationen: Über Reisen nach Sarajevo informiert die Botschaft Bosnien und Herzegowina, Ibsenstr. 14, 10439 Berlin, Telefon 030/8147120.

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