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Familienurlaub Wer Strom will, muss strampeln

03.06.2010 ·  Designhotel, Kreativsalon, Energieerlebniswelt und der Charme des Unperfekten: Vier Beispiele aus Österreich, wie der Familienurlaub der Zukunft aussehen könnte.

Von Georg Weindl
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Es ist ein Haus mit Ecken und Kanten. Drei große weiße Würfel bauen sich am Ufer des Millstätter Sees in Kärnten auf, die Seiten sind abgeschrägt, die vielen kleinen Rundfenster erinnern von weitem an einen überdimensionalen Schweizer Käse. Moderne Architektur bevorzugt strenge Formen und verzichtet auf Rüschen, Ornamente und rustikale Verzierungen. Durch die Glasfronten der flachen Anbauten auf der Uferseite fällt das Licht auf das Restaurant und das Hallenbad. Davor breitet sich das hoteleigene Strandbad aus. Das Camp RoyalX würde man auf den ersten Blick für ein Designhotel halten, für eines der Häuser, die mit Viersternekomfort und trendigem Interieur auf gutverdienende Hedonisten spezialisiert sind. Doch die Zielgruppe des Camp RoyalX sind vor allem Familien und Schulklassen.

Seit Weihnachten vergangenen Jahres verspricht das Haus an dem prominenten Standort auf einem siebzehntausend Quadratmeter großen Seegrundstück Familienferien mit sportlicher Note. Es gibt eine eigene Tennishalle mit Kletterwand, ein Hallenbad mit Sauna, ein Strandbad, eine Segelschule und zahlreiche weitere Freizeitangebote. Die 39 Appartements in den drei weißen Würfeln bieten Platz für bis zu 250 Personen. Die Appartements sind betont funktional eingerichtet und ganz auf Raumökonomie bedacht. Man hat die Wahl zwischen drei verschiedenen Kategorien. Wirklich familienfreundlich ist eher noch die größte Variante mit zwei Schlafkojen samt flexiblen Stockbetten und Platz für maximal acht Personen. Die Küche hat Miniaturformat, und der Fernseher hängt platzsparend an der Wand. Ob man diesen Wohnstil nun mag oder nicht, ist Geschmackssache. Unbestritten aber sind die Qualitäten des Camps beim Freizeitangebot und der Flexibilität der Urlaubsgestaltung. Man kann nicht nur zwischen vielen Sportangeboten wählen, sondern auch bei der Verpflegung zwischen Vollpension und Selbstversorgung und mehreren Optionen dazwischen entscheiden. Die neue Anlage am sonst eher bedächtig-bürgerlichen Millstätter See mit seinen Mittelklassehotels und Jugendstilvillen zeigt, dass sich auch bei den Familienhotels allmählich ein Sinneswandel in Richtung Lifestyle vollzieht.

Das Plätschern des Solarspringbrunnens

Fast zeitgleich mit dem Camp RoyalX hat das Campus Futura in Bleiburg im östlichen Kärnten eröffnet. Es ist eines von etwa vierzig Jufa-Gästehäusern, die auf Jugend- und Familientourismus spezialisiert sind. Unter den Jufa-Häusern, die bis auf zwei deutsche Dependancen alle in Österreich liegen, nimmt das Campus die Rolle des innovativen Vorreiters ein. Es wurde vollständig als Passivhaus gebaut und will mit seiner Kombination aus Gästehaus und Weiterbildungszentrum für erneuerbare Energien ein touristisches Zukunftsprojekt sein. In dem schlichten, geradlinigen Bau mit seinen meterhohen Glasfassaden kann jeder Gast seine ganz persönlichen Erfahrungen in Sachen Energiewirtschaft machen. So hat man die Möglichkeit, auf dem Energiefahrrad den Strom für die elektrischen Geräte selbst zu produzieren - und zu erleben, wie sehr man strampeln muss, um eine Lampe oder ein Radio zu versorgen.

Je nach Beschaffenheit der internen Energiebalance verwandelt sich die Lichtstimmung im Hotel in bestimmte Farbtöne. Eine Spezialität ist auch der Eisbrunnen in der Halle, der an heißen Tagen für kühle Temperaturen sorgen soll. Zudem gibt es einen Outdoor-Energieerlebnispark mit Solarspringbrunnen, einen Elektrofahrräderverleih, einen Solargleiterrundkurs und eine Solartankstelle. Bis zu 150 Gäste finden im Campus Futura Platz, hauptsächlich in Zwei- und Vierbettzimmern. Dazu werden einige geräumigere Appartements angeboten.

Entspannen auf dem Open-Air-Massagedeck

In vielen konventionellen Familienhotels ist das Angebot ganz auf die Freizeitwünsche der Kinder ausgerichtet, während die Eltern sich mit den Offerten des Ferienortes begnügen müssen. Im Valavier Aktivresort im stillen Brandner Tal in Vorarlberg sind die Besitzer einen anderen Weg gegangen. Mehr als fünf Millionen Euro wurden in den Umbau investiert. Das Ergebnis ist eine Mischung aus Design- und Familienhotel. Die Lofts, Suiten und Studios sind mit Massivholzmöbeln und Eichendielenböden eingerichtet. Für den Nachwuchs gibt es Babysitterservice, Kinderprogramme, eine Funsporthalle, Kinderpool, Kinderkino und einen Kinderzoo. Derweil können sich die Eltern die Zeit mit den Wellness- und Sportangeboten vertreiben. Dafür stehen der Panoramapool samt Sonnendeck, die Vital- und Saunawelt mit Brechlbad und das Partner-Spa oder das Open-Air-Massagedeck zur Wahl. Außerdem gibt es einen beheizten Außenpool, Sprudelliegen mit Bergblick und einen Indoor-Golfsimulator. Eltern können ihre Kinder in die Obhut des Hotelpersonals geben oder sie mit den diversen Freizeitangeboten beschäftigt wissen und sich so guten Gewissens der eigenen Erholung widmen - eine Qualität, die bislang alles andere als selbstverständlich ist.

Ferien mit Kindern sind für Erwachsene gewöhnlich nicht unbedingt ein Quell purer Erholung, auch wenn sie genau das sein sollten. Diese Erkenntnis war im Haus Hirt in Bad Gastein die Planungsgrundlage. Das alteingesessene Hotel in bester Panoramalage oberhalb des nostalgiegetränkten Kurorts wurde nicht für viel Geld umgebaut, sondern behutsam mit einer Mischung aus Alt und Neu individualisiert. Entstanden ist so ein Wellnesshotel mit Patina und Geschichte, in dem einst Thomas Mann und Stefan Zweig logierten, das aber gleichzeitig ein Familienhotel mit kreativen Angeboten ist. Zum Zwanziger-Jahre-Ambiente, gepaart mit zeitgemäßem Designermobiliar, bieten die Gastgeber Evelyn und Ike Ikrath etwas, das sie "Peace & Action Times" nennen. Die Hotelfachfrau und der Architekt haben das altehrwürdige Haus in eine Art kreativen Salon mit Wohnzimmeratmosphäre verwandelt. Dabei wird den individuellen Wünschen der kleinen und großen Gäste Rechnung getragen, wenn zum Beispiel das Hallenbad für zwei Stunden täglich für Erwachsene reserviert ist. Das separate Abendprogramm für Kinder hat für die Eltern den Vorteil, dass sie in Ruhe das Abendessen zu sich nehmen können.

Einklang von Retro und Avantgarde

Mittlerweile haben Evelyn und Ike mit dem Miramonte ein zweites Hotel übernommen. Während das Miramonte mit seiner unperfekten und damit charmanten Mischung aus Sechziger-Jahre-Wohnstil und Avantgarde die Adresse für kreative Individualisten ist, wird das Haus Hirt betont als Familiendestination vermarktet. Das Publikum ist dort überwiegend akademisch und freiberuflich und kann sich sicher sein, zur Avantgarde des modernen Familientourismus zu zählen.

Informationen im Internet unter www.camp- royalx.at, www.jufa.at, www.valavier.at und www.haus-hirt.com.

Quelle: F.A.Z.
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