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Familienurlaub in Schottland Die sieben Lehren des Robert the Bruce

Was ist zu tun, wenn man mit der Familie alle Facetten von Schottland kennen lernen will, aber nur ein Wochenende lang Zeit hat? Ganz einfach: Man fährt auf die Isle of Arran.

© Rogery/Le Figaro Magazine/laif Vergrößern Eine Schicksalsinsel Schottlands und gleichzeitig ein Legendenort: die Isle of Arran.

Wir sitzen im Flugzeug nach Glasgow, und die Kinder langweilen sich. Also gut, machen wir ein Quiz: Was zeichnet Schottland aus? Der, dem am meisten einfällt, hat gewonnen. Schroffe Berge mit weißer Schneekappe, die die Wolken ankratzen. Einsame Sandstrände, auf denen sich Robben sonnen. Eisiges, klares Meereswasser, in dem sich Delphine tummeln. Grüne Hügel, die dem Horizont entgegenrollen. Behagliche Dörfer voller Tearooms und Geschäfte, die Wollpullover verkaufen. Speisekarten mit den besten Meeresfrüchten Europas von Lachs bis Austern. Weitverzweigte Wanderwege durch Berg und Tal, auf denen man keiner Menschenseele begegnet. Trutzige Burgen, in denen stolze Adlige tausend Jahre lang Komplotte schmiedeten. Menhire aus der Jungsteinzeit. Fällt Papa noch etwas ein? Ach ja, natürlich: Golfplätze in allen Schwierigkeitsgraden. Und natürlich Whisky-Destillerien. Und Mama? Ein gestandener Mann im Kilt, mit Dudelsack über der Schulter.

Schottland ist eigentlich zu groß, um all das an einem einzigen Wochenende zu erleben. Doch es gibt Rettung: Die 400 Quadratkilometer kleine Isle of Arran vor der Westküste ist ein Schottland en miniature, in dem man alle Zutaten dieses schönen, wilden Landes findet. Direktzüge verbinden die Flughäfen Glasgow und Prestwick mit dem Hafen von Ardrossan, an dem die Fähre zur Isle of Arran übersetzt. Ein buntes Volk versammelt sich hier, Wanderer, Golfer, Gartenliebhaber, Kultururlauber, fahrende Händler samt Bauchladen und viele Familien, die für ein Wochenende das Leben etwas langsamer angehen lassen wollen. Schon bald wächst die Isle of Arran am Horizont aus dem Wasser. Ein Ring aus feinem, weißem Sand schmiegt sich um grüne Hügel, die vom 874 Meter hohen Berg Goatfell beherrscht werden. Dann legt das Schiff in Brodrick an, und es kann endlich losgehen.

Jagdtrophäen des Hochadels

Diese Insel ist alte Erde. 230 Millionen Jahre alte Fußabdrücke von Dinosauriern hat man hier gefunden. Viel später kamen die Wikinger und blieben wegen der strategisch günstigen Lage jahrhundertelang. Und noch später ließen sich die Herzöge von Montrose und Hamilton an der Bucht von Brodrick ein prachtvolles Jagdschloss errichten. Die Gärten mit der weltbekannten Rhododendren-Sammlung zeugen von der Reiselust des letzten Herzogs, der sich auch ein „Bavarian Summerhouse“ baute. Der Spaziergang hoch zum Schloss führt durch blühende, betörend duftende Korridore. Kontinentale, mediterrane und tropische Gewächse wuchern hier in kontrolliertem Wildwuchs und werden von Gartenliebhabern aus aller Welt mit der Lupe untersucht.

Drinnen im Schloss zeugen Tausende Trophäen von Jagdpartien unbeschreiblichen Ausmaßes, zu denen sich der schottische und internationale Hochadel hier versammelte. Jedes Gehörn ist heimisch, bis auf einen Hirschriesen, der in Ungarn erlegt wurde, den Spitznamen Ferencz trägt und den Kindern einen gewaltigen Schrecken einjagt. Als das „House“, wie die Briten ihre Paläste mit grandiosem Understatement nennen, 1958 dem National Trust übergeben wurde, geschah das mit dem gesamten Mobiliar darin - ganz so, als sollte der Geist der Montrose auf der Insel bleiben. Und auch die Letzte der Familie Montrose, die neunzigjährige Lady Jean, ist hier immer noch präsent. Sie kurvt gerne in ihrem verbeulten blauen Volvo über die 57 Kilometer lange Küstenstraße, die rund um die Isle of Arran führt.

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