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Familienurlaub Dreißigtausend jubelnde Legomännchen

10.07.2009 ·  Das Legoland ist ein Freizeitpark wie jeder andere auch, mit Shows und Fahrgeschäften - nur dass hier an jeder Ecke Legomännchen stehen. Das hat seinen ganz eigenen Reiz.

Von Freddy Langer
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Dass wir ausgerechnet das Häuschen mit der Nummer 13 bekamen, wurde von den Damen an der Rezeption des Legoland-Feriendorfs weder mit Worten noch mit Blicken kommentiert. Unglück, so interpretierten wir das, kennt man im Legoland nicht. Prompt allerdings belehrte uns unser fünfjähriger Sohn eines Besseren.

In exakt der Zeit, die es braucht, ein Anmeldeformular zu unterschreiben und einen Schlüssel entgegenzunehmen, hatte er aus den Auslagen im Lego Shop ein halbes Dutzend Packungen mit Bausteinen, Figuren und Souvenirs in die Arme gepackt, ohne die er nicht bereit sei, die Lobby zu verlassen, wie er sagte, und genaugenommen auch keine Sekunde länger am Leben bleiben wolle. Den rhetorisch versierten Vortrag untermalte er mit einem Blick, der an den eines Cockerspaniels erinnerte. Mit unserem knappstmöglichen Konter, nämlich der rhetorisch eher uneleganten Antwort "Nein", zog die erste schwarze Wolke am ansonsten strahlend blauen Himmel über der hier noch recht flachen nordschwäbischen Landschaft um Günzburg herum auf.

Piraten im Zimmer

Das zweite Unglück folgte auf dem Fuß, nur ein paar Schritte weiter, in unserem Häuschen. Es war eine Unterkunft, die eher von skandinavischer Zweckmäßigkeit als von dänischer Gemütlichkeit geprägt war, wie man es bei einem Unternehmen aus Billund erwarten würde, ergänzt um einige wenige Anleihen aus dem Alltag der Piraten. Dort also, in dem Häuschen, gab es eine große, wunderbare, aus Legosteinen gebaute Schatzkiste neben dem Bett. Doch sie war nicht nur leer, sondern auch so fest mit dem Boden verklebt, dass sie selbst mit einem Enterhaken kaum fortzubekommen sein dürfte. Und überhaupt: Wozu Piraten?

Kein Mensch und erst recht kein Kind, belehrte uns unser fünfjähriger Sohn, brauche heute noch Piraten. "Die Welt gehört den Power Miners!" Dass dies die jüngste und beste jemals hergestellte Figurenlinie aus dem großen Lego-Sortiment sei, ein Trupp verwegener Bergleute, der gegen Mini-Monster kämpft und in Höhlen energiegeladene Riesenkristalle einsammelt, erklärt er uns seit gut zwei Monaten jeden Werktag morgens beim Frühstück, beim Zähneputzen und auf dem Weg in den Kindergarten sowie abends beim Essen, Zähneputzen und während der Gute-Nacht-Lieder. Am Wochenende steigern sich die Ausführungen zum Kompaktseminar - dann gibt es Power-Miners-Kunde rund um die Uhr. Im Legoland, sagten wir ihm kühl, würde es keine Power Miners geben, während wir die Tür unseres Piratennests zuzogen. Allmählich begannen wir Spaß an seinem sich verdüsternden Blick zu haben.

Telefonnummer am Handgelenk

Es ist gut, dass der Weg vom Legoland-Feriendorf zum Legoland durch einen Wald führt, in Kurven eine kleine Senke hinunter. Man spürt förmlich, wie man die wirkliche Welt verlässt und direkt in eine Kunstwelt hineinspaziert. Nur rasch noch am Eingang ein Lego-Bändchen mit der Handynummer des Vaters um das Handgelenk des Buben gewickelt, falls er im Gedränge verlorengeht, schon sind wir mittendrin - und Sekunden später sind alle Power Miners vergessen und die Piraten sowieso. Da gibt es aus einem nur noch offenen Kindermund allein die beiden Wörter "Schau mal", ein ums andere Mal, und das nicht etwa der etliche Etagen hohen Ritterburg wegen oder der Achterbahnen, die alles überragen, sondern ausgerechnet wegen der Häuschen im "Miniland", einem Weltentwurf im Bonsai-Format.

Aus mehr als fünfzig Millionen Steinen zusammengesteckt, sind hier der Hamburger Hafen, das Machtzentrum Berlins und die Frankfurter Skyline nachgebaut. Man blickt auf das Leben entlang der Kanäle Venedigs und folgt den Bergbahnstrecken durch eine Miniaturschweiz. Überall rollen Lego-Lastwagen um die Ecke, gleiten Lego-Schiffe übers Wasser, rattern sogar Lego-Hubschrauber an Fäden und Stangen zwischen Himmel und Erde. Und im Nachbau der Münchner Allianz-Arena jubeln auf den Rängen dreißigtausend Legomännchen. Es ist ein Bild des Friedens, das sich hier zeigt, auch wenn an einer Stelle ein Lego-Lieferwagen Hühner und Eier verloren hat und über das gesamte Gelände des "Minilands" verteilt fünfzehn Lego-Radfahrer von ihren Lego-Fahrrädern gestürzt sein sollen.

Das "Miniland" ist das Herzstück des Legolands, um das herum phantastische Kulissen für Ritter und Piraten, Taucher und Roboter stehen, stets neue Themenanlagen innerhalb des großen Legoparks, aber da kamen wir am ersten Tag kaum hin. Was einem erscheinen könnte wie die Ruhezone für Großeltern, wird den wimmelbuchgeschulten Kindern zum dreidimensionalen Suchbild, dessen Proportionen ihnen freilich viel gerechter werden als alles, was sie je zuvor auf der Welt besucht haben. Der Vater drängte hinaus zu den anderen Attraktionen, der Sohn jedoch beharrte darauf, im Wimmelminiland zu bleiben und verließ es gegen neunzehn Uhr, als der Park schloss, nur widerwillig. Aber es gab ja noch morgen.

Münzbierbraten in Starkbiersoße

Im Legoland-Feriendorf-Restaurant, dessen Einrichtung nicht ganz den Charme einer Großkantine erreicht und dessen direkte Umgebung samt See noch ein wenig unter Bauverzögerungen leidet, wollten wir den Abend lieber nicht verbringen. Stattdessen fanden wir in Günzburg einen Ort, der rund um seinen langen Marktplatz mit entzückenden, bunten Barockfassaden und einem Stadtturm aus dem vierzehnten Jahrhundert ausgerechnet den Eindruck einer vergrößerten Legostadt macht. Den Legolandfaltplan auf dem Tisch der Brauereigaststätte ausgebreitet, entwickelten wir nach Leberkäse mit Spiegelei und Münzbierbraten in Starkbiersoße eine überzeugende Strategie, wie wir am nächsten Tag möglichst viele der einschließlich Restaurants und Schnäppchenmarkt siebenundachtzig eingetragenen Attraktionen besuchen und benutzen könnten. Aber am nächsten Tag folgten wir dann einfach nur den bunten Farben.

Legoland unterscheidet sich mit seinen Shows und Fahrgeschäften kaum von anderen Vergnügungsparks, nur dass hier immer einmal wieder eine Legofigur herumsteht und selbst die Ruinen des untergegangenen Atlantis Knöpfe auf ihren Mauersteinen haben. Dabei gehört das Legoland schon seit vier Jahren nicht länger zum dänischen Lego-Konzern, sondern zur englischen Merlin Entertainments Group, in deren Portfolio sich unter vielen anderen Freizeitparks auch Sea Life findet. So kommt es, dass seit einigen Wochen Haie und Rochen durchs Legoland schwimmen.

Einzelsteine zum Verkauf

Wir blieben am zweiten Tag ausgerechnet bei den Piraten hängen, dort, wo neben kleinen Inseln und vor der Kulisse einer karibischen Festung zwischen Piratenschiffen und Kanonieren an Land Wasserschlachten ausgetragen werden, für die die Warnung "Hier werden Sie nass" eine gelinde Untertreibung ist. Unser fünfjähriger Sohn schrie Befehle, als hätte er sein Lebtag nichts anderes gemacht und lese heimlich in den Aufzeichnungen von Henry Morgan und William Dampier. Vielleicht gibt es doch Hoffnung, dachte ich.

Da lockte uns das Schild "Fabrik" zum Einzelsteineverkauf, wo es für acht Euro pro hundert Gramm praktisch jeden Legostein in den Regalen gibt. Unser Sohn entschied sich für eine Plastiktüte voller bunter Kristalle der Power Miners. "Welch ein unfassbares Glück", kommentierte er.

Information: Das Legoland liegt in der Nähe von Günzburg direkt an der Autobahn A8. Der Park wurde im Frühjahr 2002 eröffnet und seither ständig erweitert, im vorigen Jahr um das Legoland-Feriendorf mit insgesamt vierhundert Betten. Die jüngsten Attraktionen sind das „Land der Piraten“ sowie die Unterwasserwelt „Atlantis“. Das Legoland ist einschließlich seiner Achterbahnen für ein junges Publikum bis dreizehn Jahren ausgelegt. Die Tageskarte kostet für Erwachsene 34 Euro, für Kinder 28 Euro - Jahreskarten kosten unwesentlich mehr und rentieren sich schon vom zweiten Tag an. Übernachtungspauschalen beginnen bei 76 Euro für Erwachsene und 57 für Kinder, einschließlich Frühstück und Tageskarte.

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Jahrgang 1957, Redakteur im Feuilleton, zuständig für das „Reiseblatt“.

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