28.02.2009 · Die große, schreckliche, alles verschlingende Krise ist jetzt dort angekommen, wo sie am meisten weh tut: auf dem Teller und im Weinkeller. Lange haben wir uns gegen die bittere Erkenntnis gewehrt, doch nun kapitulieren auch wir.
Von Jakob Strobel y SerraDie große, schreckliche, alles verschlingende Krise ist jetzt dort angekommen, wo sie am meisten weh tut: auf dem Teller und im Weinkeller. Lange haben wir uns gegen die bittere Erkenntnis gewehrt, doch nun kapitulieren auch wir. Weiter-prassen wie bisher geht einfach nicht mehr, der häusliche Finanzminister fletscht schon die Zähne. Was also ist zu tun? Zum Lebensmitteldiscounter rennen, der sich gierig die Hände reibt und seine Regale mit Fleischwurst aus Fleischabfällen für neunundsiebzig Cent pro hundert Gramm vollstopft? Oder mit hungerhakenförmigen Tiefkühlhühnern zum Preis einer Tafel Schokolade, garantiert geschmacksneutral außer einem leichten Fischmehl-Hautgoût, der die Viecher selbst als Suppenhuhn diskreditiert? Oder, noch schlimmer, mit Wein aus bulgarischen Tanklastzügen, die Flasche nicht teurer als ein Liter Diesel und auch nicht viel verträglicher? Niemals, dann lieber den Hungertod oder das qualvolle Verdursten! Doch halt, es gibt zum Glück noch einen dritten Weg.
Unsere Vorschläge für alle, die die Krise kulinarisch ohne Depressionen und Selbstmordgedanken überstehen wollen, sind natürlich so banal wie alle Ratschläge in diesen Zeiten, aber vielleicht machen sie ja dem einen oder anderen Mut. Der kulinarische Imperativ lautet: Eigeninitiative, Flexibilität, Phantasie. Drei Beispiele.
Die Krise sei auch eine Chance, sagen alle Kanzler und Präsidenten des Planeten. Das stimmt. Sie liegt in der Küche.