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Carsharing Bei Anruf Ford

Sie nennen es One-Way-Carsharing und locken Autofahrer mit dem Versprechen, in Großstädten jederzeit mobil zu sein. Doch das spontane Mieten von Autos hat auch seine Tücken. Eine Testfahrt.

© AFP Smart zum Mitnehmen: Don Flotte von Car2go besteht in Berlin aus 1000 Fahrzeugen

Der Bordcomputer stürzt ab, damit fängt es schon mal an. Minutenlang strahlt der Bildschirm weiß und leer, bevor ich die Pin-Nummer eingeben und den Wagen starten kann, ein Smart. Ich habe ihn per Smartphone geortet, ein blaues Symbol mit weißer Smart-Silhouette auf der digitalen Umgebungskarte, er stand nur 81 Meter vom Berliner Hauptbahnhof entfernt am Europaplatz, Kennzeichen B-GO-2076. Ich hielt meine Kundenkarte an das Kartenlesegerät, und die Türschlösser öffneten sich.

Auf Berliner Straßen sieht man die kleinen weißblauen Smarts von Car2go, einem Gemeinschaftsunternehmen von Daimler und Europcar, und die dunklen Minis von Drivenow, eine Kooperation von BMW und Sixt, immer häufiger; und seit September auch die weiß-violetten C-Zero-Elektroautos von Multicity des französischen Autoherstellers Citroën. One-Way-Carsharing nennt sich das Konzept. Wer sich anmeldet, kann spontan Autos buchen und nach der Fahrt irgendwo im inneren Stadtgebiet wieder abstellen, eine monatliche Grundgebühr fällt nicht an.

Parkdauer wird über GPS gemessen

Ich will das ausprobieren und testen, ob es auch für Touristen taugt, die ein paar Tage in der Hauptstadt verbringen, ohne sich in eine überfüllte S-Bahn quetschen zu müssen. Ich fahre vom Hauptbahnhof zum Brandenburger Tor. Der Tank von B-GO-2076 ist fast voll, das Navigationsgerät weist den Weg. Ich parke 300 Meter vom Brandenburger Tor entfernt in einer Parkzone. Mit dem eigenen Auto müsste man hier 50 Cent für jede Viertelstunde zahlen, bei Car2go ist das im Mietpreis inbegriffen, die Parkdauer wird über GPS gemessen und mit der Stadt pauschal abgerechnet.

Infografik / Auto / One-Way-Carsharing © F.A.Z. Vergrößern

Ich könnte B-GO-2076 jetzt für 9 Cent pro Minute in den Parkmodus versetzen und nach einem Rundgang weiterfahren. Oder die Miete beenden, zu Fuß weiter gehen und bei Bedarf irgendwo unterwegs ein anderes Auto mieten. Mit 1200 Fahrzeugen bietet das Unternehmen das dichteste One-Way-Netz in Berlin, Drivenow hat 500 Fahrzeuge, Multicity will seine Elektroflotte von rund 100 Fahrzeugen bis 2014 auf 500 erhöhen.

Ich entscheide mich, die Miete am Brandenburger Tor zu beenden. Der Bordcomputer von B-GO-2076 meldet, die Kofferraumklappe sei geöffnet. Ist sie aber nicht. Ich schaue in die App, aber es wird keine aktive Buchung mehr angezeigt, scheint alles in Ordnung zu sein, sicher ein Versehen. Im „Mövenpick“-Hotel am Askanischen Platz klebt der Concierge wenig später einen kleinen blauen Sticker auf meinen Führerschein, mit dem sich in Berlin die 500 Fahrzeuge von Drivenow öffnen lassen. Als eines von drei Hotels in Berlin bietet das „Mövenpick“ seinen Gästen die Möglichkeit, sich in der Lobby für Drivenow anzumelden, auch für Ausländer ist das möglich, sie brauchen nur einen in Deutschland gültigen Führerschein, Ausweis und Kreditkarte. Bei Car2go hingegen ist bisher noch ein deutsches Bankkonto Voraussetzung. „Vor allem unsere jüngeren Gäste nutzen den Service“, sagt Hotel-Manager Frank Hörl. „Im Zentrum bewegen sich die meisten mit dem Fahrrad, aber wenn sie eine Shoppingtour machen oder zum Olympiastadion fahren wollen, ist Drivenow eine gute Alternative zu S-Bahn oder Taxi.“ Auch Geschäftsleute nutzen die Kurzzeit-Miete, etwa um nach der Arbeit zum See zu fahren.

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Veröffentlicht: 11.11.2012, 11:42 Uhr