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Camping mit Kindern Kapitän und Hausmeister im eigenen Luxusappartement

Wer in Sexten nicht zum „Glamper“ wird, ist ein hoffnungsloser Fall. Mit Kindern im Wohnmobil ist Komfort-Camping eine enorme Erleichterung. Aber etwas bleibt doch auf der Strecke.

© Niesmann und Bischoff Das Klappbett quietscht, das Geschirr klappert, die Kinderstifte rutschen: Wohnmobile haben eine ganz eigene Geräuschkulisse

Über das Verreisen mit einem Wohnmobil können sich Nichtcamper leicht lustig machen. Es sieht ja auch komisch aus, wenn so ein kleiner Mensch am Steuer eines riesigen Autobusses mit Gardinen sitzt. Als ich ein immerhin 7,50 Meter langes Wohnmobil vor dem eigenen Haus parkte, fand zumindest der jüngste Sohn das keinesfalls peinlich. Anerkennend hob er im Obergeschoss seinen Daumen, was aus dem Fahrerraum heraus gut zu sehen war, weil er in drei Metern Höhe mit uns fast gleichauf lag.

Uwe Ebbinghaus Folgen:

Die Einführung in das hochtechnisierte Fahrzeug mit halbautomatischem Getriebe und Tempomat hatte über zwei Stunden gedauert. Viel war dabei über Heizkreise, Verschlusstechniken, Ab- und Zuflussrohre zu lernen. Das sei alles ganz einfach, sagte der Techniker, vor der Fahrt müsse man eigentlich nur daran denken, den Wärmetauscher zu aktivieren, die Trittleiter und die Sat-Schüssel einzufahren, die Schubladen und die Jalousie an der Frontscheibe zu arretieren und noch ein paar andere Dinge, die mir erst Stunden später wieder einfielen. All diese Anweisungen machten jedenfalls deutlich, dass ich für die nächsten Tage neben allem anderen auch Hausmeister eines kleinen Familienappartements sein würde. Dieses war jetzt noch einzuräumen, und nach weiteren neunzig Minuten konnte es endlich losgehen.

Die altbekannten Rutschgeräusche

Es war eine Expedition nicht nur in die Welt einer neuen Campingplatz-Kultur, sondern auch eine Reise in die eigene Vergangenheit. Dutzende von Wochen war meine Familie einst in einem Wohnmobil durch halb Europa gereist. Auf einem bequemen Sofa lagen wir Kinder, verschlangen ein Buch nach dem anderen, ignorierten die elterliche Aufforderung „Guckt doch mal nach draußen!“, angelten gelegentlich in einem Klappschrank nach Essbarem und verpassten liegend und lesend halb Europa. Das war wahnsinnig entspannend, und wenigstens in den Pausen bekamen wir Kinder die wichtigsten Fjorde und Kathedralen zu Gesicht.

Doch diese goldenen Zeiten sind vorüber. Seit einigen Jahren müssen die Mitfahrer im hinteren Wohnmobilraum ebenfalls angeschnallt sein. Keine Chance mehr zum Abtauchen für Kinder. Aber wenigstens das Fahrgeräusch ist das alte geblieben, eine Mischung aus dem Quietschen des Klappbetts über dem Fahrerstand, dem Klappern von Geschirr und den Rutschgeräuschen, welche die Utensilien der Kinder auf dem Esstisch machen, wenn sie der Fliehkraft folgen. Daran gewöhnt man sich aber ebenso schnell wie an das halbautomatische Getriebe und den Tempomat, mit deren Hilfe wir auf einer wenig befahrenen Autobahn durch halb Deutschland ohne großes Zutun der Füße fuhren.

24275146 © Niesmann und Bischoff Vergrößern Der Fahrerraum wird zum Essbereich geöffnet, doch das Herumlümmeln verhindert die Gurtpflicht - Grundriss des Wohnmobils „Arto“

Nicht mehr als hundert Stundenkilometer sind erlaubt, obwohl das Fahrzeug viel schneller fahren kann. Und da man derart hoch sitzt, wirkt das Tempo sogar noch langsamer, ungefähr wie achtzig. Auf Brücken hatten wir einen guten Blick auf die Flüsse, und die Kinder wunderten sich, wie oft wir die in Ostbayern dahinmäandernde Donau überquerten. Bei selbstbewussten Überholvorgängen konnten wir uns als Stauverursacher erleben, und es ist ganz unterhaltsam zu schauen, was Menschen so alles in Fahrzeugen treiben, die noch langsamer fahren als man selbst. Die Kinder sahen Reiher, grasende Rehe und sogar Gämsen, der Jüngste zudem, wie fast bei jeder Fahrt, einen Dachs.

Sind das hier noch echte Camper

Anders als in der Bahn oder einem Mittelklassewagen können sie die Füße hochlegen und eine kleine Infrastruktur um sich herum aufbauen. Es ist hell in unserem Wohnmobil, das Fahrzeug vermittelt das Gefühl, dass es mit dem stundenlangen Unterwegssein im eigenen Appartement schon seine Richtigkeit hat.

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