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Billigflieger Joachim Hunold, der Vollender

31.03.2007 ·  Billigflieger sind keine neue Erfindung. Doch zur Zeit entwickelt Air Berlin den Gedanken des Abhebens zum günstigen Tarif weiter und bietet nun auch Langstrecken an. Streitlustigkeit und Einfallsreichtum sind dabei unerlässlich.

Von Brigitte Scherer
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Freddie Laker war der Erste, der die festgefügte Ordnung in Linienluftfahrt und Charter-Pauschalreisewelt durcheinanderbrachte. Als er in den siebziger Jahren mit seinem „Skytrain“ Passagiere für den unglaublichen Billigpreis von 59 Pfund zwischen London und New York hin- und hertransportierte, sorgte das für große Aufregung. Laker wurde bekämpft, als Volksheld gefeiert und 1978 von der Queen geadelt.

Fast wäre es ihm gelungen, die erste weltumspannende Billigfluglinie zu etablieren. Doch seine Flugfirma ging bankrott - teils durch unglückliche Umstände, teils durch ein Wirtschaftstief, vielleicht auch durch den Dauerbeschuss der Etablierten, von denen er in Schadensersatzprozessen bis zu seinem Lebensende Genugtuung zu erlangen suchte.

Großveranstalter mit frechen Sprüchen schockieren

Was der Brite Freddie Laker begann, vollendet jetzt der Deutsche Joachim Hunold, der ebenso streitlustig und einfallsreich ist wie er, Chef der Air Berlin und in dieser Rolle zum selbstbewussten Branchenschreck avanciert. Erst schockierte er die Großveranstalter mit frechen Sprüchen, etwa: „Wenn die Ticketpreise unter die der Veranstalter fallen, ist die Pauschalreise weg.“ Dann drang er mit einem Flugnetz zwischen deutschen Städten und Palma de Mallorca, so dicht wie bei der Straßenbahn, ins Herzland der Pauschalreiseveranstalter ein.

Und jetzt, mit dem Kauf der Düsseldorfer Ferienfluggesellschaft LTU, hat er auch Zugriff auf die Langstrecke. Als Zubringer dafür dient das innerdeutsche Netz des vor sieben Monaten gekauften Billigfliegers dba. Den eigenen Flugplan will Air Berlin zudem künftig mit der Ferienfluggesellschaft Condor abstimmen und mit ihr Gemeinschaftsflüge anbieten, ganz so, wie es die in der Star Alliance zusammengeschlossenen Linienfluggesellschaften vormachen.

Fokus beim Wachstum liegt auf Geschäftsreisenden

Mit allen Akquisitionen zusammen ist Air Berlin jetzt hinter der Lufthansa die Nummer zwei am deutschen Himmel, ein richtiger „Netzcarrier“ mit Umsteigemöglichkeiten und Drehscheiben wie Berlin, Düsseldorf oder München. Und das Geschäftsfeld der groß gewordenen Air Berlin wird sich auch auf der Langstrecke nicht auf Urlauber beschränken.

Der Fokus bei allen Wachstumsplanungen liege auf Geschäftsreisenden und einzeln verkauften Plätzen, sagte Hunold jetzt in Berlin. Im Netz der LTU gebe es mit New York oder Bangkok auch Ziele, die nicht nur für Urlauber interessant seien. Damit erwächst der Lufthansa, wie jetzt schon innerdeutsch, auch bei ferneren Zielen eine neue Konkurrenz.

Den Flug vom Hotelzimmer eben dazubuchen

Viel einschneidender aber ist, was Joachim Hunolds Vorwärtsstrategie für die klassischen Großveranstalter bedeutet: Sie geraten zunehmend in die Situation von Dinosauriern. Billigflieger wie Air Berlin sind klassenlos, Billigflieger haben die Kundschaft ans Buchen im Internet gewöhnt. Nichts ist einfacher für den heutigen Reisenden, als sich zum Flug im Internet ein Hotelzimmer dazuzubuchen.

Die Lufthansa-Tochter Air Dolomiti zum Beispiel bietet auf ihrer Website zur Online-Buchung nicht nur den Mietwagen zu Sonderbedingungen, sondern auch Hotelvorschläge, Restaurant-Tipps und Ausflugsideen, alles geprüft und bequem mitzubuchen. Wofür der Reisende bei solchen Angeboten das Organisationsgeflecht eines Reisekonzerns überhaupt noch braucht, worin die Besonderheit einer Veranstalterreise besteht - darauf eine Antwort zu finden, wird von Tag zu Tag schwieriger.

Quelle: F.A.Z., 29.03.2007, Nr. 75 / Seite R1
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Jahrgang 1943, freie Autorin im „Reiseblatt“.

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