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Berlin Suite Dreams

08.05.2006 ·  20.000 Dollar kostet die Nacht mit Sicherheitsstufe 1, inklusive Panzerglas und autarker Stromversorgung. Das Hotel „Adlon“ in Berlin hat eine neue Präsidentensuite - nach hinten raus.

Von Ilona Lehnart
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Guter Geschmack muß nicht teuer sein, aber wenn für die Einrichtung einer 240 Quadratmeter großen Luxus-Suite vier Millionen Euro zur Verfügung stehen, muß nicht geknausert werden. Der alten Devise: „Adlon oblige“ fühlt sich die Kempinski-Gruppe anscheinend nicht weniger verpflichtet als schon der Gründungsvater Lorenz Adlon vor knapp hundert Jahren.

Was 1907 noch als „Kaisersuite“ figuriert hätte, trägt heute freilich als „Präsidentensuite“ den gewandelten Bedürfnissen Rechnung. Zumindest dem Namen nach, nicht etwa der bourgeoisen Vorstellung gemäß, demokratisch gewählte Staatsoberhäupter hätten sich in Bescheidenheit zu üben. Mit dieser Variante preußischer Tugenden will das „Adlon“ keinen Gast in der „luxuriösesten und sichersten Hotelsuite Deutschlands“ bekannt machen. Eher mit der friderizianischen Geschmackskultur von Sanssouci, in die sich, fein dosiert, englischer Georgian-Style mischt und die selbstverständlich in den vergoldeten Sonnengloriolen der Spiegel im Schlafkabinett auch das frankophile Element zitiert.

Aus 39 Hotelzimmern wurden 15 Suiten

Der „europäische Stil“, den die Designerin Anne Maria Jagdfeld im vierten Stock des „Adlon“ mit so entschiedenem Willen zur Prachtentfaltung kreiert, vereinigt in der Geschmackskultur des Ancien regime nicht zuletzt auch den europäischen Blick auf den Fernen Osten. Sollte es chinesische oder japanische Gäste in die Kabinette verschlagen, wären sie gewiß erfreut über die erlesenen Chinoiserien, die unbekümmert die Anmut ihrer eigenen Kultur replizieren.

Politisch ist es gewiß nicht unklug, globale Zusammenhänge der Geschmackskultur zu zitieren. Seit 2002 der amerikanische Präsident Bush mit seiner Gattin das „Adlon“ zum Domizil wählte, und nicht das „Interconti“ im alten Westen Berlins, sind die Transformationen der Stadt greifbar. Insofern denkt man im „Adlon“ über den Tag hinaus, auch wenn Direktor Thomas Klippstein die bevorstehende Fußball-Weltmeisterschaft als Anlaß für die Einrichtung von insgesamt fünfzehn neuen, exklusiven Suiten anführt, für die immerhin 39 Hotelzimmer geopfert werden mußten.

Sicherheitsstufe 1: Fenster aus Panzerglas

Die Präsidentensuite, auch als „Sicherheitssuite“ apostrophiert, aber ist die edelste. Man schwebt mehr, als man geht: über „Parquette de Versailles“ und persische Teppiche, durch Salons mit schwarz gelackten Türen, durch Bäder aus schwarzem Carrara-Marmor, durch die eichenholzgetäfelte Bibliothek. An den Details, vor allem, bleibt das Auge gern haften, dem bezaubernden Service etwa, mit handgemalten, zierlichen Vogelmotiven nach chinesischem Vorbild. Es wurde eigens von KPM für die Präsidentensuite angefertigt.

Solche Noblesse läßt fast vergessen, daß es sich um einen Hochsicherheitstrakt handelt. Die Suite verfügt über zwei private Lifte, die direkt von der Tiefgarage nach oben führen. Alle „sicherheitsrelevanten“ Anlagen wurden nach den Standards des Bundes- und Landeskriminalamtes installiert (Sicherheitsstufe 1). Zu deren Vorgaben gehörten nicht nur eine vom Gebäude abkoppelbare Fernmeldeanlage und eine eigene Sicherheitszentrale mit Videoüberwachung, sondern auch Fenster aus Panzerglas, schußhemmende Wände und eine autarke Stromversorgung. Keine Chance für romantisches Kerzenlicht!

Wer die Sicherheitssuite inklusive weiterer Räumlichkeiten sowie Butler- und Limousinenservice in Anspruch nehmen möchte, sollte rechtzeitig reservieren. Preis pro Tag: 20.000 Euro.

„Hotel Adlon Kempinski Berlin“, Unter den Linden 77, 10117 Berlin. Telefon 0 30/22 61-0, www.hotel-adlon.de oder adlon@kempinski.com.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 07.05.2006, Nr. 18 / Seite V2
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