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Bayern Schweinsbraten im Sonnenschein

25.08.2007 ·  Der Ort heißt Oed und liegt zwischen Nürnberg und Amberg. Egal ob lederbewesteter Biker oder unförmiger Bustourist - Hier im altehrwürdigen Gasthaus Traube und in der noch älteren Oedmühle wird jedermanns leibliches und seelisches Wohl gepflegt. Es sei denn, man möchte einen Kaffee.

Von Jürgen Roth
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Östlich von Nürnberg ist Deutschland, lässt man die Eifel außer Betracht, wahrscheinlich einfach am schönsten; zumal, wenn die Sonne die tief bewaldeten Hügelketten und behaglich gewellten Anhöhen des Nürnberger Landes und der Oberpfalz in einen Flickenteppich unerhörter Gelb- und Grüntöne verwandelt, in ein Mosaik aus Schatten- und Lichtflächen, aus illuminierten Lichtungen und Ecken verschwiegenen Halbdunkels.

Hunas, ein Weiler, der zur Gemeinde Pommelsbrunn gehört, duckt sich auf einer solchen Anhöhe zwischen Waldsäumen, Feldern und Baumgruppen, als wollten seine Bewohner das berückende Panorama unter keinen Umständen stören. Die schmale Straße Richtung Weigendorf schlängelt sich steil den Berg hinunter ins Lehenbachtal, wo sie unter einer alten, soliden Eisenbahnbrücke hindurch- und rechter Hand auf die Ortschaft Oed zuführt.

Die Urbestimmung des Menschen

Oed liegt ziemlich exakt zwischen Nürnberg und Amberg oder noch genauer zwischen Lauf an der Pegnitz und Sulzbach-Rosenberg, und die mehr als sechshundert Jahre alte Oedmühle, die am Ortseingang frisch saniert ihre rotbraune Fassade präsentiert, ist von alters her ein bedeutender Grenzpunkt zwischen der offiziellen „Gesundheitsregion“ Nürnberger Land und der Oberpfalz. An der engen Hauptstraße reihen sich Wagen mit Nürnberger und Amberger, aber auch mit Aschaffenburger und Würzburger Kennzeichen auf. Nicht der Oedmühle wegen allerdings. Ihre Besitzer streben samt und sonders dem Gasthof zur Traube zu, dem offenbar geheimen Zentrum der Region, das seit über hundertfünfzig Jahren unter dem Regiment der Familie Bayer steht.

Im Küchenbereich herrscht lässig-gezielte Geschäftigkeit, draußen, im Biergarten mit Blick auf das kleine Tal und die Mischwaldflanke des Lehenberges, versammelt sich gemächlich speisewilliges Volk, von zwei Jahren aufwärts bis zu zirka vierundneunzig Lenzen. Hier, vor und in der Traube, kommt der Mensch in seiner Urbestimmung als Ausflugs- und Verweilwesen zu seinem Recht.

Ich garantier` für nix

Lichthungrige Rentner hocken eisern in der sengenden Sonne, Familien tummeln sich unter den Bäumen, Motorradklubmitglieder wählen den Halbschatten, wohl wegen der Lederkombis. Um das Spiel der Kontraste zwischen Anhöhe und Tal, Hell und Dunkel, grünem und gelbem Licht um jenes zwischen Ruhe und Betriebsamkeit zu erweitern, beleben hurtige Bedienungen die Szenerie, die die Straße zwischen Gasthaus und Biergarten nach geübtem Links-rechts-Blick und mit fakultativen Zwischenhüpfern queren und dabei gewaltige Tabletts mit Gerichten aller Art und zumal mit Gläsern und Krügen balancieren, in denen Fuchsbeck-Bier aus Sulzbach-Rosenberg herangekarrt wird.

Nachdem mal wieder eine Gruppe schwerer Motorräder vorbeigebrummt ist, summt einem der linde Lufthauch um den Kopf. Ein Rentnerpaar, das in der ersten Tischreihe direkt an der Straße sitzt und bestens gelaunt seinen Kinonachmittag verbringt, verweigert derweil partout die Annahme von hellem Bier. „So geht es ja nicht!“, denkt man, da ist linker Hand aus dem Munde einer Kellnerin zu hören: „Zwei Tassen Kaffee? Ich garantier für nix!“

Ein Weizen und ein Helles

Gegen halb drei Uhr nachmittags füllt sich der Biergarten. Wanderer und Bustouristen mit einleuchtend inopportunen Körpermaßen suchen nach günstigen Plätzen, um später der Musikkapellenaufführung, die in der Traube zur guten Tradition gehört, optimal beiwohnen zu können. Die Entspannung nimmt derweil unbegreifliche Ausmaße an. Die Tabletts mit Schweinsbraten und Bierkrügen werden immer größer und immer souveräner durch die Gegend geschleppt, und die Kellnerin, deren Verhältnis zum Kaffeetrinken prekär zu sein scheint, lacht ihre Kollegin an: „Wir setzen uns auch in den Garten! Wo hast na die Liegestühl'?“ - während es aus einer anderen Ecke gelöst herüberschallt: „Aaah! Der Ruuudiii!“

Die ideale Ration an einem Nachmittag in der Traube ist: ein Weizen und ein Helles. Danach geht es weiter in die Oedmühle, wo in der Gast- oder in der Backstube oder im wilden Garten das Holnsteiner Dunkle aus dem benachbarten Neukirchen auf einen wartet. Und wer gar überschäumendes Glück hat, trifft dort auf die großen Geselligkeitskünstler der Hersbrucker Bücherwerkstätte, und Michael Gölling bläst schaurig- schön ins mattgoldene, olivgrünlich schimmernde Horn. Oed und öde? Also bitte!

Zur Traube, Lehentalstraße 16, 91249 Weigendorf-Oed, Telefon: 09154/4805 - Oedmühle, Am Weinberg 2-4, 91249 Weigendorf-Oed, Telefon: 09154/91480, www.oedmuehle.net

Quelle: F.A.Z., 23.08.2007, Nr. 195 / Seite R4
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