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Augsburgs anderes Grandhotel Urlaub in Utopia

Im „Grandhotel Cosmopolis“ wohnen Flüchtlinge, Künstler und Touristen. Wer dort Zeit verbringt, kommt mit einem besonderen Souvenir zurück: Optimismus.

© Frauke Wichmann / Georg Heber Irgendwo zwischen Shappy-Chic und Designhotel: Das Grandhotel Cosmopolis war bis vor wenigen Jahren ein Seniorenheim.

Warum hast du so was?“ Das kleine Mädchen steht im Rosengarten hinter dem Eingangstor und schaut mit großen Augen auf den schwarzen Rollkoffer, der bis an seine Schulter reicht. Bevor man diese Frage beantworten kann, schnappt es sich den Griff und zieht den Koffer Richtung Hotel. Lia kennt sich aus, sie hat hier gewohnt, aber für sie sind Rollkoffer immer noch eine sonderbare Erscheinung, selbst wenn sie seit Monaten fast jeden begrüßt, der ins „Grandhotel Cosmopolis“ kommt.

Dass dies kein Hotel wie jedes andere ist, zeigt sich nicht nur an der kleinen Dame, deren Eltern das Hotel mit aufgebaut haben, sondern gleich am Eingang. An der Glastür hängt ein Schild: „Betreten der Baustelle geboten“, und die Uhren über der pastellgrünen Bar dahinter ticken im wahrsten Wortsinn anders: Statt der aktuellen Zeit in New York und Paris zeigen sie, wie spät es in Lampedusa und anderen Flüchtlingskrisenherden der Welt ist. Ringsherum hängen Fotos verlassener Grenzposten, und im Zeitungsständer liegt das Flüchtlingsmagazin „Heimfocus“. Es ist der Eingang zu einem Hotel, in dem sich Menschen treffen, die die Welt verändern wollen.

Zuhause im Ehrenamt

Zwei Jahre ist es her, da entstand hier im Springergässchen 5 des Augsburger Domviertels der Plan für eine Utopie. Das einstige Altenheim im Paul-Gerhardt-Haus stand leer, ein paar Künstler suchten Räume, und die Regierung des Bezirks Schwaben hatte zu wenige Asylbewerber-Unterkünfte. „Warum nicht alles unter einem Dach?“, fragten sich Georg Heber und andere, und so wurde die Idee zu einem Haus geboren, in dem Asylbewerber, Künstler und Hotelgäste miteinander leben.

Für das, was sie gern „eine soziale Skulptur in Augsburgs Herzen“ nennen, wählten die Initiatoren zwei Referenzen: „Grandhotel“ erinnert an die große Kultur der alten Hotels als Orte der Zusammenkunft und will sagen, dass man Flüchtlinge wie Gäste willkommen heißen sollte. „Cosmopolis“ bedeutet, dass hier jeder, der möchte, eine Heimat auf Zeit haben kann, unabhängig von seiner Herkunft und seinem Geldbeutel. Etliche Verhandlungen, 370 000 Euro Spenden- und offizielle Baugelder und rund 100 000 freiwillige Arbeitsstunden später ist es so weit: Seit dem 15. Juli ist das „Grandhotel“ genehmigt, Ende des Monats zogen die ersten Asylbewerber ein, und von Oktober an können Menschen „ohne Asyl“, wie Übernachtungsgäste hier heißen, ein Zimmer buchen.

Bei unserer Ankunft ist es Mittag. Im Rosengarten hinter dem Bau aus den sechziger Jahren ist Probe, alle schauen gebannt auf die Balkone des Hotels, wo heute Abend Theater gespielt werden soll. „Hallo“, flüstert ein junger Mann mit Bart, Georg Heber, Mitinitiator, wie sich später herausstellt. „Schön, dass du da bist - wer warst du noch mal?“ Wo der Zimmerschlüssel ist, wissen gerade weder er noch sein Kollege, also geht es durch den Garten, vorbei am Schild „In Utopia we trust“ über Holzleisten und Eimer ins Büro im ersten Stock. Dort arbeiten Georg Heber und mehr als vierzig andere seit zwei Jahren ehrenamtlich für das Hotel. In der Buchhaltung, bei der Pressebetreuung, in der Terminkoordination mit den Ämtern verfolgen sie ihr Ziel: ein funktionierendes Hotel auf sechs Stockwerken und rund 2600 Quadratmetern.

Überzeugungstäter

In der zweiten, dritten und vierten Etage sind Zimmer für insgesamt 60 „Gäste mit Asyl“ geplant, Asylbewerber, für die die Regierung Schwaben Miete zahlt und Essenspakete liefert. Auf den unteren fünf Geschossen sind dreizehn Ateliers untergebracht für Künstler, die am Hotel mitarbeiten, dazu Räume für die Flüchtlingsorganisation „Tür an Tür“. Im Souterrain entsteht ein Restaurant, im sechsten Stock eine Galerie und auf drei Etagen Zimmer für „Gäste ohne Asyl“, alle von unterschiedlichen Künstlern gestaltet. Die Gäste zahlen für diese Zimmer so viel sie möchten - vorerst jedenfalls. So sollen die Kosten für den Rest des Projekts gedeckt werden.

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