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50 Jahre Interflug Was von der DDR-Staatsfluggesellschaft blieb

Vor fünfzig Jahren wurde die DDR-Fluggesellschaft Interflug gegründet, als Ergebnis eines Ost-West-Konflikts - geblieben ist wenig mehr als das Logo auf den T-Shirts von Berlin-Mitte-Menschen.

© picture-alliance / dpa Zwei Maschinen vom Typ „Iljuschin 62-M” am Rande eines Rollfeldes auf dem Flughafen Berlin-Schönefeld, 1991.

Vergangenheit kann cool sein. Sehr cool sogar. Man kann in alten Sesseln aus dem ausgeweideten Ost-Berliner Palast der Republik herumschaukeln, sich diese fad-braunen Kartentaschen der Abschnittsbevollmächtigten der Volkspolizei umhängen oder sich bunt gemusterte Stehlampen in die Wohnung stellen, die in den siebziger Jahren in Läden mit dem schönen Namen "Behagliches Heim" angeboten wurden. Damit wäre man weder DDR-nostalgisch noch politisch verdächtig, sondern einfach nur angesagt. Jedenfalls in Berlin, wo gescheitertes Design immer noch hoch im Kurs steht.

Immer mal wieder entdeckt man im Retro-Taumel frischgenähte T-Shirts mit der Aufschrift "Interflug" über der gestärkten Brust. Man liest auch kyrillische Buchstaben, die "Aeroflot" ergeben, aber eben noch häufiger die leicht nach rechts driftenden, arbeiterfahnenroten Versalien der untergegangenen DDR-Staatsfluglinie. Daneben prangt das elliptische Wappen mit einem etwas verzerrten Fluggerät, das an einen Tarnkappenbomber erinnert. Wer kann, trägt zum T-Shirt noch die passende Sporttasche aus ganz heutigem Kunstleder.

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Was geblieben ist

Wo ist die Interflug sonst? Der Schriftzug und das Logo sind in die Alltagskultur eingezogen, die Akten ins Bundesarchiv, einige Flugzeuge stehen auf ostdeutschen Äckern herum, und Stewardessblusen findet man manchmal auf Flohmärkten. Mehr ist nicht geblieben von der ostdeutschen Fluggesellschaft, die am 30. April 1991 mit einer TU-134 A zum letzten Mal abhob, und zwar in Wien mit Kurs auf Berlin-Schönefeld. Dorthin, wo in den fünfziger Jahren alles begann und der ehemalige Werkflugplatz der Henschel-Werke zum Zentralflughafen der DDR aufstieg. Der Rest ist eine Mischung aus Verbitterung, Verschwörungstheorien und Galgenhumor bei den ehemaligen Mitarbeitern, die sich in Internetforen darüber beklagen, wie die ostdeutsche Fluggeschichte im Zuge der Einheit gelöscht wurde.

Interflug standesamt © Vergrößern Die IL-62 mit dem Namen „Lady Agnes” in Stölln ist jetzt Museum und Standesamt

Nur wenige Piloten, Navigatoren oder Lotsen schafften den Sprung in das Billigflugzeitalter. Vielleicht gibt es für das Schicksal der Airline keine prägnanteren Bilder als die Fotos aus dem Herbst 1989. Immer wieder laufen Demonstranten, die Reisefreiheit fordern, ausgerechnet an Leuchtreklamen der Interflug vorbei, die für ihr Streckennetz auf allen Kontinenten wirbt. Wer weiß, dass nur der wirklich treueste DDR-Bürger bis nach Kopenhagen oder Larnaka, nach Amsterdam oder Wien kam, der ahnt, wie es um die Weltanschauung in der verriegelten Gesellschaft wirklich bestellt war. Die Interflug-Helden von damals kümmert das alles wenig. Larmoyanz, wie man sie von ausgemusterten Parteifunktionären kennt, vor sich hertragend, ziehen die ostdeutschen Luftbrüder gegen die westdeutschen Überflieger zu Felde. Im Internet tobt der vielleicht letzte Systemstreit der Geschichte.

Tupolews, Iljuschins und Antonows

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Veröffentlicht: 23.06.2008, 14:58 Uhr