06.08.2002 · Abenteurer fliegen in der ersten Reihe: Als Anhalter mit Privatpiloten, die für wenig Geld auf kurzen Strecken Passagiere mitnehmen.
Von Christine Xuân MüllerMeist sind es Hobbypiloten, die in einer Cessna oder Piper noch Platz haben und Fluggäste mitnehmen. Um ihre Fluglizenz zu behalten, müssen sie regelmäßig Flugstunden absolvieren. Nicht jeder der Freizeitlotsen kann aber ein Flugzeug sein eigen nennen. „Die Mietkosten für eine Maschine zuzüglich Benzin und Flughafengebühren sind für eine Person allein ziemlich hoch“, erläutert der Berliner Privatpilot Manuel Wolf. Je nach Flugzeuggröße ist mit 100 bis 160 Euro pro Stunde zu rechnen. „Durch Mitflugangebote können Piloten die Kosten teilen und müssen zugleich nicht alleine Kreise in der Luft drehen“, sagt Wolf.
Ein wenig wackelig, aber dafür das Gefühl des großen Abenteuers
Vorteil für die „Anhalter“ - sie können sich individuell zu kleineren Destinationen bringen lassen, die von den großen Airlines nicht angesteuert werden. Etwa von Chemnitz nach Augsburg, von Bielefeld nach Dänemark oder von Schönefeld nach Banja Luka. Tickets müssen auch nicht lange im Voraus geordert werden, sondern mitunter genügt ein Anruf beim Piloten. Für leidenschaftliche Flugfans ist so eine Reise zudem ein Erlebnis der „besonderen Art“. „Man sitzt in der ersten Reihe und bekommt alles hautnah mit - wie es normalerweise nicht möglich ist“, erzählt Wolf und verweist darauf, dass kleinere Flugzeuge „eben ein bisschen mehr wackeln“.
Sehr zeitsparend und individuell
Anfragen für diverse Routen bekommen Privatpiloten täglich. Allerdings kommt nur ein Teil der Touren zu Stande. Meist scheitert es am Geld. Generell dürfen Hobbypiloten nur ihre Selbstkosten decken. Gewerbliche Einnahmen sind gesetzlich verboten. Dennoch sind die Flugpreise so hoch, dass erst bei zwei oder drei Gästen pro Tour die Preise unter denen der Airlines liegen.
Private „Luft-Taxis“ werden zunehmend auch von Geschäftsreisenden geschätzt. „Was zählt, sind die schnelle Verfügbarkeit und die individuellen Flugrouten“, sagt Michael Erb, Geschäftsführer von AOPA Germany, dem Verband der Privatpiloten. Minuspunkt hierbei ist allerdings das Wetter. Die meisten selbstständigen Lotsen fliegen nur bei guten Sichtverhältnissen. Wenn unerwartet ein Sturm aufzieht, wird eine Tour auch mal kurzfristig abgesagt.
Direkte Verhandlung zwischen Pilot und Fluggast
Generell empfiehlt Erb Gästen nur mit „dem Mann oder der Frau des Vertrauens zu fliegen“. Fluganbieter sollten über eine Insassenversicherung verfügen. Unfälle mit Privatpiloten gab es Erb zufolge in Deutschland jedoch noch keine.