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Mit dem Oldtimer durch den Schwarzwald : Gepflegter rasen

  • -Aktualisiert am

Die Luft riecht nach Tannennadeln und Benzin: Unser Autor übt landschaftsgerechtes Fahren im MG TD Roadster. Bild: Oliver Maria Schmitt

Auf Zeitmaschinen durchs Kuckucksuhrenland. Oder: Wie es sich anfühlt, mit einem Oldtimer durch den Schwarzwald zu fahren.

          Vom Autofahrer zum Arschloch, das dauert gerade mal 4,1 Sekunden. Dann rase ich aus dem Stand mit hundert Klotten durch den Schwarzwald, habe mich in null Komma nix verwandelt, vom Automobilisten zum Autisten, und suche verzweifelt den Knopf, mit dem man den Auspuff lauter macht. Dabei bin ich doch in Deutschlands beliebtesten Wanderwald gereist, um mich gemächlich an der frischen Luft zu bewegen. Natürlich nicht zu Fuß, das wäre viel zu gefährlich. Man könnte überfahren werden. Von Porscherüpeln wie mir.

          Eigentlich hatte ich ja nur gemächlich durch den Schwarzwald gondeln wollen, durch die Ortenau. Sie ist der schönste Teil des Schwarzwaldes - abgesehen von den siebenundneunzig anderen herrlichen Tälern, Bergen, Seen und Wäldern zwischen Karlsruhe und Lörrach. Das Beste ist aber, dass der Schwarzwald als Autoerlebnisparcours konzipiert und angelegt wurde. Zwar diente Deutschlands größtes und höchstes Mittelgebirge jahrhundertelang als Produktionsstätte von Märchen und Mythen, Wein und Schnaps, von Schinken, Bollenhüten und Kuckucksuhren - doch dann wurde ganz in der Nähe, in der Kurpfalz, das Automobil erfunden. 1886 erhielt Carl Benz das Patent für seinen dreirädrigen Motorwagen, während Gottlieb Daimler und Wilhelm Maybach in Stuttgart am ersten vierrädrigen Automobil tüftelten. Von hier aus startete das Auto in die Welt, und bis heute wird es nirgendwo länger und erfolgreicher produziert als in seiner Heimat Baden-Württemberg.

          Das eigene Auto verleiht man nicht

          Ich habe im „Hotel Ritter“ in Durbach eingecheckt, weil der Inhaber Dominic Müller an seine Gäste alte Autos verleiht. Freilich nicht die eigenen. „Das tut man nicht“, sagt der alerte Hotelier im keck karierten Anzug mit Einstecktuch und parkt den weißen Rolls Royce Baujahr 1935, mit dem er mich vom Bahnhof abgeholt hat. Er hat aber noch mehr Oldtimer in der Garage, und manche verleiht er auch, weswegen er sein altes Ritterhotel „das erste oldtimergerechte Hotel an der Badischen Weinstraße“ nennt.

          Bevor ich jedoch die Zündschlüssel für einen alten Porsche Speedster und einen noch älteren britischen Roadster erhalte, solle ich doch erst mal den neuesten Porsche fahren. Den hätte er gerade da, sagt Müller, und dann wäre der Unterschied zu den alten Mühlen für mich noch auffälliger und größer. Ich gebe mich demonstrativ unbeeindruckt. Autos stehe ich generell sehr gelassen gegenüber, eigentlich völlig emotionslos. Sie sind ein Fortbewegungsmittel, mehr nicht. Mein letztes eigenes Auto war ein alter Käfer, seit zehn Jahren habe ich gar keines mehr. Ich fahre nur gelegentlich mit irgendwelchen Car-Sharing-Kisten, deren Fabrikat ich in dem Moment vergesse, da ich sie wieder irgendwo abstelle.

          Mit Soundbooster durch Kleinsttäler

          Nachdem ich mithilfe eines Schuhlöffels in den weißen 100.000-Euro-Boliden gestiegen bin, drücke ich den Anlasserknopf. Auch ohne Berührung des Gaspedals heult der Motor wild auf. Lächerlich. Was für ein albernes Männerspielzeug dieser Porsche 911 Carrera S doch ist. Und was für interessante Details der hat! Diese Aluminium-Schaltwippen hinter dem Lenkrad! Und dieser Soundbooster, der den Auspuff noch lauter macht! Das Vierhundert-PS-Triebwerk in meinem Rücken katapultiert mich auf meterbreiten Walzen durch kurvige Kleinsttäler, vorbei an Reben und Stöcken. Ich gebe Gas und noch mehr Gas. Außer mir scheint kein Mensch unterwegs zu sein, herrlich. Zack, zack, zack geht’s durch die Kurven, stilsicher surfe ich in Schlangenlinien über Schwarzwaldserpentinen und beobachte die vielen Instrumente in meinem Cockpit. Am geilsten ist die G-Force-Anzeige: Sie zeigt die Kraft, die mich in den Sitz drückt, wenn die Rakete nach vorne jagt. Dazu volles Rohr coole Musik von Kula Shaker! Und die Klappen weit auf, damit man auch noch was vom Auspuff hört. Ist ja gar nicht so einfach bei dem Krach, den die Anlage macht. Als ich den Carrera zum dritten Mal in eine enge Kurve drücke und Gas gebe und das Ding wie ein Brett auf der Straße klebt, da wird mir erstmals klar, was ich doch für ein toller Fahrer bin. Beglückt lasse ich die Spaßwalze wieder in die „Ritter“-Garage rollen.

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