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Miami: Die neue Gastlichkeit

Foto: h.o.

Die neue Gastlichkeit

NINA REHFELD
Foto: h.o.

05.05.2017 · In Miami trifft internationale Kunstszene auf Karibik – das geht auch an den Hotels nicht spurlos vorbei. Neuester Trend ist, sich dem Charme vergangener Tage hinzugeben.

„Vagabond Hotel“

Foto: dapd

Die Upper East Side am Biscayne Boulevard ist eines der boomenden Stadtviertel von Miami, das nach einer Phase des Verfalls jetzt der Gentrifizierung anheimgefallen ist. Einst war es ein Arbeiterviertel, die Straße, die nach draußen zu den Stränden führte, war gesäumt von kleinen Motels und Hotels im Art-Deco-Stil, in denen Reisende günstig übernachten konnten. In den 1950er und 1960er Jahren hielt der sogenannte „Miami Modern“ oder MiMo-Stil Einzug. „Magic City“ nannte man damals die kleine Nachbarschaft auf dem Weg zum Strand. Die Motels trugen exotische Namen wie „Sindbad“, „South Pacific“ oder „New Yorker“. Doch in den 1970er und 1980er Jahren verfiel die Gegend dann, und bald waren die Motels zu billigen Absteigen und Stunden-Etablissements verkommen. Erst jetzt findet das Viertel zu seinem alten Charme zurück. Dazu gehört auch das „Vagabond Hotel“. Vor ein paar Jahren beschlossen Privatinvestoren, den verblichenen Glamour der Upper East Side wiederaufleben zu lassen, und kauften das alte Hotel, das Robert Swartburg 1953 entworfen hatte und wo Dean Martin, Sammy Davis Jr. und der Rest des Rat Pack abstiegen.

An der Upper East Side am Biscayne Boulevard blitzt das „Vagabond Hotel“. Foto: h.o.
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Sie baggerten den überwucherten Pool aus, restaurierten mühevoll das berühmte Bodenmosaik einer Meerjungfrau mit Delphinen und gaben dem historischen Motel seinen alten Glanz zurück. Heute verbindet es gekonnt 1950er-Jahre-Kitsch und modernes Design zu einer erschwinglich-schicken Herberge in Miamis East-Side-Kiez. Und mit dem angeschlossenen „Vagabond Bistro“ hat es zudem ein Diner mit hervorragender Küche und – wie das in Miamis Hotels so üblich ist – einer Kunstsammlung zu bieten.

„Vagabond Hotel“: 7301 Biscayne Blvd, Miami, Tel 001/ 30 54 00 84 20, www.thevagabondhotel.com


„Biltmore Hotel“

Erbaut 1926, setzt das „Biltmore“ ganz auf den Charme vergangener Tage. Jeden Nachmittag wird hier eine englische Tea Time zelebriert, und das Restaurant „Palme d’Or“, eines von nur drei Five-Diamond-Etablissements in Florida, verfügt über eine hauseigene Bäckerei. Total altmodisch! Genauso wie der Umstand, dass man hier gratis parken kann und im offenen Innenhof des Restaurants „Fontana“ das Rauchen erlaubt ist.

Der enorme Pool des Hotels ist eine eigene Attraktion: Er gilt als der größte auf dem amerikanischen Festland. Einst verdingte sich Johnny Weissmüller, der spätere Tarzan-Darsteller, hier als Schwimmlehrer. Legendär sind auch die kulinarischen Workshops für die Gäste und ihre Kinder. Und beim sonntäglichen Brunch darf man für 85 Dollar pro Person immerhin so viel Champagner trinken, wie man mag.

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Das „Biltmore Hotel“ und sein riesiger Pool, der größte auf dem amerikanischen Festland Foto: Interfoto
Miami: Biltmore Hotel im Stadtviertel Coral Gables Foto: Picture-Alliance

Apropos Champagner: Die edelste Suite des Hotels im 13. Stock, die an ein mittelalterliches Schlossgemach erinnert, soll während der Prohibitionszeit von Al Capone in ein lokales Speakeasy verwandelt worden sein. Deswegen heißt sie auch nur formell „Everglade Suite“ – jeder spricht von der „Al Capone Suite“. In der Mauer über dem Kamin prangt noch das Einschussloch der Kugel, die den Gangster Fatty Walsh 1929 hier das Leben kostete.

„Biltmore Hotel“: 1200 Anastasia Ave., Coral Gables, Tel. 001/85 53 11 69 03, www.biltmorehotel.com


„Nobu At Eden Roc“ Miami Beach

Ein Klassiker am langen Sandstrand von Miami: „Eden Roc“ Foto: Picture-Alliance

Das historische „Eden Roc Hotel“ zählt zu den architektonischen Perlen von Miami Beach – und neben dem benachbarten „Fontainebleau“ gehört es zu den Klassikern am langen Sandstrand. Die beiden Hotels verbindet eine skandalöse Geschichte. Nachdem der Architekt Morris Lapidus für den Hotelier Ben Novack das „Fontainebleau“ fertiggestellt hatte und das Luxushotel Mitte der 1950er Jahre zum Publikums- und Promiliebling geworden war, ließ er sich von Harry Mufson beauftragen, direkt nebenan eine weitere Nobelherberge zu bauen: das „Eden Roc“. Mufson war ein vormaliger Geschäftspartner von Novack, und Novack ärgerte das derart, dass er 1962 einen vierzehnstöckigen Aufsatz auf sein Hotel bauen ließ, der die Nachmittagssonne im Poolbereich des „Eden Roc“ blockierte – die sogenannte „Spite Wall“, die „Wand der Gehässigkeit“.

Seit vergangenem Herbst gehört das „Eden Roc“ zu den „Nobu Hotels“ und hat mit dem „Nobu Restaurant“ des berühmten Chefkochs Nobuyuki Matsuhisa einen weiteren Magneten für A-, B- und C-Promis. Erstere treffen dann vielleicht Robert de Niro, einen der Miteigentümer der „Nobu Restaurants“. Und alle anderen können sich so lange die sechs Millionen Dollar teure Kunstsammlung des Hotels ansehen: Da sind Werke von Julian Schnabel, Richard Prince, Rob Pruitt und Jonathan Horowitz dabei.

„Nobu At Eden Roc“: 4525 Collins Ave., Miami Beach, Tel. 001/30 55 31 00 00, www.nobuedenroc.com


„East“

Go „Est“: das Hotel in Miamis neuem Brickell City Centre Foto: h.o.

Als „Lifestyle Hotel“ vermarktet sich das „East“ mitten in Miamis neuer Einkaufszeile, dem Brickell City Centre. Das erdige asiatische Design ist durchwirkt von verspielten Elementen: Fünf kniehohe Tyrannosaurus-Rex-Plastiken bewachen die Flure und das Fitnessstudio; ein knallbuntes, mannshohes Kunstwerk aus Spielzeugstickern von Ye Hongxing im Foyer verkürzt die Wartezeit beim Ein- und Auschecken; und die Endlosspiegel im Aufzug sind ein sehr beliebtes Selfie-Motiv. Ein chinesischer Feng-Shui-Meister wurde eigens konsultiert, um dem von klaren Linien, natürlichen Materialien und einer Zen-Atmosphäre durchdrungenen Design den richtigen Energiefluss zu verpassen. Das Kaffeehaus im Parterre verwandelt sich mit verschiebbaren Wänden allabendlich in eine Cocktailbar, und das Restaurant „Quinto la Huella“, eine Schwester der berühmten uruguayanischen Strandkneipe „Parador La Huella“, in dem über einem Holzkohlefeuer gegrillt wird, gilt schon jetzt als eines der besten in Miami.

Als „Lifestyle-Hotel“ vermarktet sich das „East“ mitten in Miamis neuer Einkaufszeile. Foto: Michael Weber
Foto: Michael Weber
Foto: Michael Weber

Doch die eigentliche Attraktion des „East“ ist der vermutlich spektakulärste Blick Miamis, der sich von den Zimmern, von den vier verschiedenen Outdoor-Pools und von der dschungelartigen Dachterrasse des „Sugar“ erstreckt – wahlweise auf die Bucht vor der Fisher Island, in das Einkaufszentrum hinab oder über die Skyline der Stadt.

„East“: 788 Brickell Plaza, Miami, Tel. 001/30 57 12 70 00, www.east-miami.com


Miami

F.A.Z.-Karte sie.

Quelle: F.A.Z.

Veröffentlicht: 05.05.2017 09:33 Uhr