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Australien : Besser geht’s nicht

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Stadt als Gesamtkunstwerk: Melbourne gilt als Hauptstadt der Street-Art. Bild: Oliver Maria Schmitt

Die beste Stadt der Welt heißt nicht Paris, New York oder Berlin. Nein, Melbourne in Australien wurde sechsmal zur lebenswertesten Stadt der Welt gekürt.

          Dass alle Städte gleich sind, wusste schon der große Schriftsteller Friedrich Torberg. Nur bei Venedig machte er eine Ausnahme – weil er Melbourne nicht kannte. Für Durchblick und Übersicht im weltweiten Städtewirrwarr sorgen seit einiger Zeit Hitlisten, sogenannte Städte-Rankings. Davon gibt es inzwischen so viele, wie es Städte gibt, aber nur eines ist wirklich wichtig und hoch angesehen: das „Economist“-Ranking der lebenswertesten Städte.

          Jedes Jahr bewertet die britische Zeitschrift 140 Großstädte weltweit nach den Kriterien Sicherheit, Stabilität, Erholungswert und Infrastruktur, nach Sport- und Kulturangeboten. In Stadtbewohnerkreisen ist das „Economist“-Ranking so bedeutend wie Oscar- und Nobelpreisverleihung zusammen. Seit fünfzehn Jahren schon rangiert Melbourne unter den Top 3 der lebenswertesten Städte der Welt, und seit sechs Jahren in Folge führt es diese Liste in der Pole-Position an, siegreich vor Wien und Vancouver. Da liegt also im Süden des fünften Kontinents die erste und beste Stadt der Welt, und ich kenne sie nicht? Nichts wie hin!

          Den neugierigen Fremdling empfängt die Viermillionenmetropole Melbourne mit einem selbsterklärenden Mix aus Häusern, Straßen und sogar Gassen. Schnell findet man sich zurecht, das Zentrum liegt in der Mitte, die Randbebauung drum herum. Rabatten und Grünanlagen sind gepflegt. Es liegt nichts herum. Die Einwohner sehen im Schnitt ein Drittel besser aus als die Bewohner anderer, weniger lebenswerter Städte. Der Verkehr fließt, Fußgänger kommen gut voran. Speziell für sie hat man parallel zu jeder breiten Innenstadtstraße noch eine kleine, heimelige und gleichnamige Gasse angelegt – ein städtebauliches Unikum, das den Wohnwert spontan um tausend Prozent erhöht. Das allgemeine Gehtempo ist von moderater Entspanntheit, wer nach dem Weg fragt, bekommt Auskunft. Man drängelt nicht. Cholera und Beulenpest gelten als überwunden, man kann überall bedenkenlos tief durchatmen. Die Stadt ist günstig gelegen an einer Bucht mit direkter Meeranbindung.

          Australier sprechen erstaunlich gut Englisch

          Das Wetter ist oft gut. Den Sommer hat man, um Heizkosten zu sparen, auf die sonst so kalten Monate von Dezember bis Februar verlegt, im Juli und August ist es dafür nicht so heiß. Die Trinkwasserqualität gilt als eine der höchsten weltweit, und der aus den Steckdosen reichhaltig quellende Strom ist auch spitze, sofern man den passenden Adapter dabeihat. Die nach Sydney zweitgrößte Stadt Australiens prunkt selbstbewusst mit dem größten Straßenbahnnetz der Welt, und in der Innenstadt ist die Fahrt mit allen Linien kostenlos. Die Flinders Street Station mit ihrer riesigen Neorenaissance-Kuppel ist einer der schönsten Bahnhöfe überhaupt, das Ein- und Umsteigen hier ist ein Kinderspiel. Insgesamt findet sich ausreichend schnieke viktorianische Altbaumasse, doch es stehen auch gewagte Designerneubauten mit monstermäßig schwingenden Goldfassadenbändern herum, bei deren Anblick einem angenehm schlecht wird.

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