30.10.2000 · Umweltschutz und Tourismus lassen sich nicht immer vereinbaren. Auch auf den Malediven gehen die Wünsche der Gäste vor.
Von Peter SchumacherÜber die Leute, die ihm den Job finanzieren, sagt der maledivische Tourismusminister Hassan Sobir natürlich nur gutes: "Unsere Gäste haben großen Respekt vor unseren Inseln." Und deshalb sei man sich mit den Gästen auch einig, alles für den Umweltschutz zu tun. So lange der Komfort nicht leidet, sollte er noch hinzufügen. Denn auch auf den Malediven regiert das Gesetz der Nachfrage - und das enthält nicht automatisch Umwelt-Paragraphen. Fünf Beispiele:
Müll: Verbrennen oder versenken
Von der Coladose bis zur Zahnpastatube - alle Verpackungen müssen nicht nur aufwändig im Inselreich verteilt werden, schwieriger noch ist das Problem der Entsorgung. Zwei Alternativen gibt es: Versenken oder verbrennen - und beide haben ihre Tücken. Wird der Müll gepresst und ins Meer gekippt, lösen sich oft Teile, werden an die Strände und die Korallenriffe gespült. Jede neue Hotelinsel wird mit einer Verbrennungsanlage ausgestattet - oft wird sie jedoch nicht benutzt, weil sich die Gäste über die Abgase beschweren. Einen ganz anderen Weg geht die Fluggesellschaft LTU: Die Gäste bekommen auf dem Hinflug einen Müllbeutel in die Hand gedrückt, in dem sie gebrauchte Verpackungen sammeln sollen. Der Beutel wird dann beim Rückflug abgegeben, der Müll in Deutschland entsorgt.
Wasser: Entsalzen kostet Energie
Nach dem Baden und Tauchen mal schnell unter die Dusche, möglichst mehrmals am Tag, abtrocknen mit frisch gewaschenen Handtücher - der Wasserverbrauch auf einer maledivischen Touristeninsel ist enorm. Das Grundwasser reicht nicht, zusätzlich muss Meerwasser entsalzt werden. Entsprechende Anlagen gibt es auf allen Hotelinseln, der Kubikmeter Wasser kostet dann vier Dollar - und eine Menge Energie.
Unter Wasser: Jeder Hai bringt 33500 Dollar Jahresumsatz
Auf den Malediven darf nicht mit Netzen gefischt werden, nur mit Leinen. Beim Tunfischfang kommen so garantiert keine Delfine um, und auch die übrigen Arten werden geschont. Haie dürfen zumindest in den touristisch erschlossenen Atollen gar nicht gefangen werden - aus wirtschaftlichen Gründen, wie das Tourismusministerium den Fischern plausibel vorrechnete: Mit Hai-Exkursionen werden pro Jahr rund 700.000 Dollar eingenommen, das macht bei den geschätzten Beständen pro Raubfisch einen Umsatz von 33500 Dollar. Auf dem Fischmarkt bringt ein Hai dagegen lediglich 32 Dollar - und zwar nur einmal. Trotzdem: Viele Resorts bieten Angel-Exkursionen an, bei denen Riff-Fische an den Haken gehen sollen - just for fun, nicht für die Pfanne.
Bäume: Wer einen fällt, muss zwei pflanzen
Auf den Touristeninseln gelten strenge Vorschriften: Für jeden gefällten Baum müssen zwei neue gepflanzt werden. Höchstens ein Fünftel der Fläche darf bebaut werden. Trotzdem: Weil die Touristen es so wollen, wird auf den meisten Inseln jeden Morgen der Sand geharkt. So kann sich aus dem herabfallenden Laub keine neue Humusschicht bilden, die neuen Büschen und Bäumen Nahrung bieten könnte.
Klimaschutz : Die Angst vor dem Untergang
Auf internationalen Foren machen sich die maledivischen Vertreter vehement für eine rigide Klimaschutzpolitik stark, aus Angst um ihre eigene Existenz: Die Inseln ragen höchsten zwei Meter aus dem Ozean - falls der Meeresspiegel steigt, wird der Inselstaat einer der ersten sein, der von den Landkarten verschwindet. "Das schlimmste für die Malediver ist", sagt Tourismusminister Hassan Sobir, "dass wir nichts dagegen tun können." Er weiß: Auch der internationale Flugverkehr, der den Malediven ein Auskommen aus dem Tourismus sichert, trägt zur Erderwärmung bei - ein tödliches Dilemma, dass der kleine Inselstaat alleine nicht lösen kann.