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Malediven : Jenseits der Dünung

Tunnelblick: „The Farms“, die Welle vor Kanimeeedhoo. Bild: Tropic Surf

Die Malediven sind ein Traumziel für Liebhaber von Luxushotels, Korallen und Wellen. Die politische Wirklichkeit hat da nichts zu suchen. Aber sie rückt näher

          Bist du schon mal an einem Riff gesurft?“ „Kannst du 400 Meter am Stück schwimmen?“ „Bist du goofy oder regular?“ Fragen, die man Surf-Touristen auf den Malediven stellt. Der Australier Adam Webster will das wissen, wenn man mit ihm auf einem Speedboot übers grünglitzernde Meer peitscht. Es sind die Fragen, die den Puls ein wenig nach oben treiben, wenn man kurz davor ist „The Farms“ zu surfen, diese versteckte, mittelhohe, rechtsbrechende Welle. Wer „goofy“ geantwortet hat, also mit dem rechten Fuß vorne auf dem Brett steht, hat es gleich schwerer, denn er wird die Welle im Rücken haben. „Farms ist definitiv die Attraktion des Thaa-Atolls“, sagt Adam noch, und dann sehen wir sie, vor der unbewohnten Insel Kanimeedhoo.

          Andreas Lesti

          Freier Autor im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Es ist ein perfektes Bild: Das Wasser verfärbt sich über dem Riff grün, die weißen akkurat geformten Wellen erheben sich aus dem flachen Wasser, ziehen wie EKG-Kurven von links nach rechts ins dunkelblaue Meer und laufen dann Richtung Sandstrand aus. Der Herzmuskel des Meeres ist in Hochform, unser Puls steigt. „Ein Südwest-Swell mit Zwölf-Sekunden-Rhythmus“, sagt Adam, mehr zu sich selbst. Zwischen dem Blau des Meeres und dem Blau des Himmels wiegen die Palmen im Wind. Dann werfen wir die Bretter ins Wasser und springen hinterher.

          Malé - die Gegenwelt der Urlaubsinseln

          Wir waren vor zwei Tagen in Malé gelandet, der Hauptstadt, die von der Tourismusindustrie sorgfältig umschifft wird, und waren mit einem Wasserflugzeug eine Stunde nach Süden geflogen, auf die Insel Maalifushi im Thaa-Atoll, einem „Outer-Atoll“, also weit draußen. Und die fast 20 Stunden Anreise ab Deutschland trieben die Erwartungshaltung nun im Minutentakt nach oben.

          Vor anderthalb Jahren hat hier ein Como-Resort eröffnet, das erste und bislang einzige Hotel in diesem Atoll, und seither kommen nicht nur Badegäste und Taucher, sondern auch Surfer, die dann mit Booten weiter zu den Wellen an den nahegelegenen Riffen fahren. Jeder, der im Luxus von Maalifushi ankommt, taucht in eine surreale Welt ein. Die Farben wirken manipuliert wie auf einem Bildschirmschoner-Foto - das azurblaue Wasser, die celestegrünen Palmen, der gleißende Strand und diese riesige im Gegenlicht schaukelnde Yacht. Schon am Empfangssteg reichen einem die Mitarbeiter kühle Handtücher, in der Lobby nippt man unter langsam rotierenden Ventilatoren an irgendeinem exotischen Getränk, wird über die „wirklich guten Surfbedingungen“ aufgeklärt und dann in einem Elektroauto die ungefähr 40 Meter zu seiner Strandvilla gefahren. Die ist 116 Quadratmeter groß und hat einen Privatpool, das ist in diesem Preissegment auf den Malediven normal.

          Die Wirklichkeit Malés ist eine Gegenwelt zu Maalifushi, wie sie extremer nicht sein könnte. Wer sich ein Resort auf einer der fast 90 Hotelinseln der Malediven bucht, bekommt die Hauptstadt für gewöhnlich nur beim An- und Abflug durch das Flugzeugfenster zu sehen. Dieser Fetzen tropischer Großstadt mitten im Meer gilt mit mehr als 100 000 Einwohnern auf zwei Quadratkilometern als eine der am dichtest besiedelten Gegenden der Welt. Die Hotelanbieter raten ihren Kunden ab, Malé anzusehen. Man brauche einen Passierschein, wird manchen Gästen erzählt. Das ist alles Unsinn, der offenbar verbreitet wird, um die Realität auszublenden. Umgedreht nennt man die Ferieninseln auf Malé „Bubbles“, Blasen irgendwo draußen im Ozean, weit weg von der Wirklichkeit.

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