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Deutschland : Zwiesprache mit der Ewigkeit

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Es gibt kaum einen Ort in Deutschland, der in seiner Entwicklung einen solch strahlenden Aufstieg und einen derart tiefen Fall durchlebt hat wie Magdeburg. Bild: Picture-Alliance

Magdeburg zählte einst zu den bedeutendsten deutschen Städten. Davon ist nur ein schwacher Widerschein zu spüren.

          Ein Morgen im Spätwinter, Milchglaslicht. Noch kann sich die Sonne nicht recht entscheiden, ob sie das Land mit ein paar kräftigen Strahlen aus seinem Schlaf wecken oder weiter im Nebel dahindämmern lassen soll. Alles ringsum scheint versunken, nur die beiden Türme des Magdeburger Doms sind in einiger Entfernung zu erkennen, stumme Zeugen einer Geschichte von Größe, Glauben, Hoffnung und Tod.

          Es gibt kaum einen Ort in Deutschland, der in seiner Entwicklung einen solch strahlenden Aufstieg und einen derart tiefen Fall durchlebt hat wie Magdeburg. Im zehnten Jahrhundert von Otto dem Großen noch vor Köln, Mainz und Trier als ranghöchstes Erzbistum im deutschen Sprachraum durchgesetzt, wurde die Stadt an der Elbe nach Konstantinopel bald als das „Dritte Rom“ gepriesen. Später zählte sie zu den Speerspitzen der Reformation, um schließlich 1631 im mörderischsten Massaker des Dreißigjährigen Krieges unterzugehen. „Magdeburgisieren“ wurde zum Synonym für totale Zerstörung.

          Jeder Stein, jede Säule, jede Plastik in der Magdeburger Kathedrale erzählt eine Geschichte.

          Man braucht heute schon einiges an Phantasie, um sich vorzustellen, welch überragende Bedeutung Magdeburg einmal hatte, denn im Stadtbild finden sich dafür nur noch wenige Hinweise. Ein Ort aber gibt auch heute noch einen Eindruck von Anspruch und Größe früherer Tage: der Dom St.Mauritius und Katharina, eine auf einer felsigen Geländestufe am westlichen Hochufer der Elbe errichtete dreischiffige Gewölbebasilika. Die erste gotische Kathedrale auf deutschem Boden, 1520 mit der Fertigstellung der beiden mehr als hundert Meter hohen Türme vollendet, ist in Marmor und Stein gegossene Stadt-, Kirchen- und Kunstgeschichte. Zahllose Legenden ranken sich um das alte Gemäuer, und wie so oft sind die unglaubwürdigsten die besten – wie die von Erzbischof Udo, der trotz himmlischer Warnungen einen sündhaften Umgang mit einer Klosteräbtissin pflegte und für den Frevel eines Nachts im Hohen Chor des Doms vom heiligen Mauritius enthauptet wurde – in Gegenwart von Maria und den zwölf Aposteln, wie die Chroniken verzeichnen. An der Elbe hat es nie einen Erzbischof Udo gegeben. Wahr ist allerdings, dass Magdeburg für Kirchenfürsten ein gefährliches Pflaster sein konnte.

          Liebesgeschichte mit Happy End

          Das beste Beispiel dafür ist Erzbischof Burchard III., der ohne Übertreibung als der am meisten gehasste Geistliche in der Magdeburger Geschichte gelten darf. Mit immer neuen Abgaben brachte er die Bürger derart gegen sich auf, dass er sich eine – heute nicht mehr vorhandene – Brücke vom nahe gelegenen Bischofspalast zum Dom bauen ließ, um sich auf dem Weg zur Arbeit nicht unter das wütende Volk mischen zu müssen. Irgendwann erhöhte er dann auch noch die Biersteuer, und aus dramaturgischen Gründen wollen wir hier annehmen, dass er genau damit das Fass zum Überlaufen brachte. Am 29. August 1325 wird Burchard jedenfalls festgesetzt und in seinem Palast unter Hausarrest gestellt. Von ihrem eigenen Wagemut überrascht, scheinen die Stadtväter drei Wochen lang nicht recht gewusst zu haben, was sie mit ihrem prominenten Fang anstellen sollen. Am Ende aber lassen sie ihn in den Ratskeller schaffen, in dem der Vertreter Roms in finsterer Nacht mit einer eisernen Türklinke erschlagen und daselbst verscharrt wird. Heute kann man am Tatort Variationen von gebratener Gänse- und Entenleber mit Feldsalat, karamellisierten Walnüssen und Birne bestellen. Sie sind sehr zu empfehlen.

          Hundertdreißigtausend Menschen besuchen jedes Jahr den Magdeburger Dom – in Köln sind es sechs Millionen.

          Um Kaiser und Papst zu besänftigen, die über Magdeburg Reichsacht und Bann verhängt hatten, wurde der ungeliebte Steuerbischof schließlich ein Jahr später mit allen Ehren im Dom beigesetzt, und zwar höchst prominent unmittelbar hinter dem Liturgie-Altar. Wer heute an einem Wochentag die Kathedrale betritt, hat gute Chancen, sich mit Burchard und all dem anderen historischen Personal allein im Zwiegespräch wiederzufinden. Im vergangenen Jahr verzeichnete der Dom zu Magdeburg nach Angaben des örtlichen Tourismusbüros hundertdreißigtausend Besucher. Im Kölner Dom standen sich mehr als sechs Millionen Menschen auf den Füßen.

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