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Luxuskreuzfahrten : Kiloweise Hummer vom Versace-Teller

  • -Aktualisiert am

Ruhige Hand: Den Kellnern auf der Silver Shadow verrutscht auch bei lebhaftem Seegang nicht die Komposition auf dem Teller. Bild: © Michel Verdure

Seabourn, Silversea, Crystal Cruises: Die Reedereien für Luxuskreuzfahrten kämpfen mit kostbaren Bandagen. Doch wofür zahlt man pro Nacht vierstellige Summen?

          Die Reederei Regent Seven Seas Cruises bezeichnet ihren Neubau Seven Seas Explorer selbstbewusst als luxuriösestes Schiff der Weltmeere. Wenn sich Luxus in Zahlen messen lässt, hat das Schiff einiges vorzuweisen: Neunhundert Kilogramm Hummer essen die 750 Gäste während einer zweiwöchigen Kreuzfahrt, von Versace-Tellern, versteht sich. Die größte Suite misst 412 Quadratmeter – genug Platz für einen Steinway-Flügel im Wohnzimmer und einen eigenen Spa-Bereich mit einer unbegrenzten Zahl an kostenlosen Behandlungen. Zwischendurch kann sich der Passagier im 134 000 Euro teuren Bett im Master-Schlafzimmer erholen, allein die Matratze schlug mit 80 000 Euro zu Buche. Doch ist das wirklich der Inbegriff von Luxus?

          „Wenn Sie einen Wein aus dem Hauptrestaurant möchten, sagen Sie einfach Bescheid, ich bringe ihn sofort vorbei“, erklärt der Butler bei der Vorstellung der Penthouse Suite an Bord der Crystal Serenity. „Oder Champagner – ganz, wie Sie wünschen. Sie erreichen mich jederzeit über diese Taste am Telefon.“ Sein weißbehandschuhter Finger zeigt auf den Apparat am Nachttisch. Trotz kostenlosem Champagner rund um die Uhr werden auf dem Schiff von rund tausend Passagieren aber nur dreihundert Flaschen pro Woche konsumiert. „Wenn die Gäste es haben können, wollen sie es nicht mehr“, kommentiert der Hotelmanager nüchtern. Seine Definition von Luxus? „Luxus ist Zeit. Für unsere Klientel gehört vielleicht auch das Geld dazu. Aber für mich bedeutet Luxus, dass ich mit meiner 85-jährigen Mutter zusammen bin.“

          Von außen ist die Crystal Serenity ein unscheinbares Schiff mittlerer Größe. Im Innern fühlt man sich zurückversetzt in die sechziger Jahre: Wasserspiel statt Swarovski-Treppe im Atrium und nüchterne Bridge Lounge statt stylischem Jazzclub. Eine Penthouse Suite kostet etwa tausend amerikanische Dollar pro Tag. Zwei oder drei von ihnen dienen als Hauptwohnsitz für ihre Passagiere. „Unsere Gäste wissen schon, was sie verlangen können“, umschreibt der Hotelmanager aus Österreich den Umgang mit diesen VIP-Kunden. Die Wünsche seien aber eigentlich nicht allzu ausgefallen, nur vielleicht mal etwas Abwechslung beim Essen.

          Lieber inkognito in der internationalen Elite

          Das erlebt auch der Chefkoch auf der Europa von Hapag-Lloyd Cruises – dem deutschen Luxusflaggschiff. Auf ihrer 337 Tage dauernden Weltumrundung wünschten sich die Passagiere Graupensuppe und Sauerbraten. Frau Stolz und Herr Jabs gehören zu den Stammgästen an Bord. Sie lieben die Eleganz der Galaabende – mit großen Roben und viel Schmuck. Wie oft sie bereits an Bord waren, wissen sie nicht, mehr als ein Dutzend Male bestimmt. Gerne auch lang, für eine Woche lohnt sich das Kofferpacken nicht. Und sie bevorzugen eine der zwölf Suiten auf dem Penthouse-Deck, die mit 45 beziehungsweise 85 Quadratmetern mehr Platz bieten als die Standardsuiten mit 27 Quadratmeter Grundfläche. In Kürze erfüllen sie sich den Traum einer Weltreise – 150 Tage in der besten Suite kosten mehr als eine halbe Million Euro, ohne Getränke. Das ist für sie Luxus: Zeit für eine Weltreise und Raum in einer großzügigen Suite.

          Die klassischen Tischzeiten sind abgeschafft: Um Punkt 18 Uhr oder Punkt halb neun zum Essen kommen zu müssen erscheint nicht sehr luxuriös.
          Die klassischen Tischzeiten sind abgeschafft: Um Punkt 18 Uhr oder Punkt halb neun zum Essen kommen zu müssen erscheint nicht sehr luxuriös. : Bild: Silversea Cruises

          „Wir haben keine Erben, wieso sollen wir das Geld nicht ausgeben?“, sagen die siebzigjährigen Immobilienbesitzer ganz offen. Natürlich habe man auch schon einmal mit einem anderen Veranstalter geliebäugelt. Aber die Europa sei einfach ein „Schiff mit Herz“. „Wir schätzen die familiäre Atmosphäre an Bord. Eigentlich treffen wir immer bekannte Gesichter.“ Man komme schnell in Kontakt, könne aber auch für sich bleiben, wenn man das wolle. Der Umgang miteinander sei höflich, über Beruf, Geld und Status werde nicht gesprochen. Die Crew lege sehr viel Sorgfalt an den Tag und sei gut ausgebildet. Eine junge Stewardess sieht Frau Stolz und umarmt sie zur Begrüßung – selbstverständlich mit namentlicher Ansprache. „Sehen Sie, das meine ich“, strahlt Frau Stolz. Sie ist am Anreisetag sozusagen nach Hause gekommen. Die Europa 2 hat den beiden hingegen nicht so gut gefallen, zu wenig traditionell. Keiner macht sich mehr schick am Abend.

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