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Love Locks - Liebesschlösser : Schloss mit lustig

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Bild: Reuters

Überall auf der Welt kippen Laternen um, nur weil ein paar Leute ihre Gefühle anketten wollen. Was soll der Schrott?

          Dieser so schmählich verglühende Sommer 2016 - hätte er nicht ein Sommer der Liebe werden können? Ein triomphe de l’amour, ein Fanal der voll und frisch Verliebten? Überall schlenderten junge Pärchen durch die Städte, Hand in Hand - und in der freien anderen ein Vorhängeschloss mit Namensgravur. Sie suchten das Wasser, sie suchten Brücken, sie suchten Anschluss. Doch was schlug ihnen entgegen? Allenthalben Wut und Unverständnis, wo nicht sogar Flex und Bolzenschneider. Aber warum?

          Metallverteilungsmode

          Seit dem Jahr 2006 verzeichnen die Vorhängeschlosshersteller dieser Welt traumhaft steigende Absatzzahlen. Wo auch immer Liebende die Romantik überkommt, hinterlassen sie ein niedliches kleines Liebesschloss, um ihren ehernen Bund für die Ewigkeit zu markieren. Und das längst nicht nur in Venedig oder Wuppertal, denn Liebe ist universal und überall. Wie beruhigend und genugtuend ist es doch, wenn man nach schweißtreibendem Aufstieg im Dschungel von Mauritius endlich den Aussichtspunkt auf die fast hundert Meter in die Tiefe stürzenden Zwillingswasserfälle von Chamarel erreicht, wenn man das schmiedeeiserne Geländer erblickt - und dann beglückt feststellt, dass Fenja und Thorben, Franziska und Marco, Heiko und Hajo schon vor einem da waren.

          Die Anfänge dieser hormonbefeuerten Metallverteilungsmode liegen wohl in Italien. Wo auch sonst? Dort erschien 2006 Federico Moccias Bestseller „Ich steh auf dich“, dessen verliebte Protagonisten in Rom ein Vorhängeschloss an einer Laterne auf der Milvischen Brücke anbringen und den Schlüssel anschließend in den Tiber feuern. Weil die Römer schon immer alles in den Tiber schmissen. Gut zweitausend Jahre war die antike Milvische Brücke komplett vorhängeschlossfrei - doch schon kurz nach Erscheinen des Romans erlag die erste Brückenlaterne der Last der Liebeshinterlassenschaften und knickte um.

          Bild: Reuters

          Doch aufrichtig Liebende ficht dergleichen nicht an. Inzwischen findet man an allen schönen Orten dieser Welt Sicherheitsschlösser, vorzugsweise an Brücken. Weil die so symbolisch sind. So gilt die Hohenzollernbrücke in Köln mit einer geschätzten Viertelmillion Liebesschlösser schon jetzt als das größte unnatürliche Altmetallvorkommen Deutschlands. Argwöhnisch wacht die Deutsche Bahn, der die Brücke gehört, über die wertvollen Hinterlassenschaften. Ein Frevler, der nächtens fünfzig Schlösser von der Brücke brach, um sie für 3,20 Euro pro Kilo beim Schrotthändler zu versetzen, wurde zu drei Monaten Haft verknackt. Dabei wird die Brücke ohnehin in zehn Jahren kippen, weil alle die Schlösser immer nur an der Südseite anbringen.

          Liebesschlosshandel

          Doch der Schließwarenhandel boomt munter weiter, vor allem in Paris, der Stadt der Liebe schlechthin. „Besonders schön ist hierfür der Pont Neuf, an dem auch Sylvie van der Vaart vor kurzem mit ihrer neuen Liebe sehr medienwirksam ein Liebesschloss angebracht hat“, radebrecht es von der Internetseite dein-liebesschloss.de. Doch man muss gar nicht online bestellen, die afrikanischen Straßenhändler in Paris haben längst eine breite Palette an Bügelschlössern im Angebot; statt mit einer umständlichen Gravur werden die Namen schnell und preiswert mit Edding verewigt. Wer’s jedoch etwas stimmungsvoller mag: Der „Love Lock Workshop“, betrieben von „den ersten Liebesschlosshändlern auf dem Pont des Arts“, bietet im Vollversorgungspaket maßgeschneiderte und handdekorierte Liebesschlösser mit Guide, Fotosession beim Anbringen und ein Glass Champagner für schlappe 125 Euro - pro Person, mais oui.

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