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Libanon Im weißen Mercedes durch die Nacht

 ·  Wer Beirut kennenlernen will, muss sich ins Partyleben stürzen. Nirgendwo liegen ausgelassenes Feiern und die Angst vor dem Morgen näher beieinander.

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© Andrea Diener Die Bar Centrale: Eine riesige Stahlröhre in luftiger Höhe.

 21 Uhr, Centrale, Mar Maroon Street, Saifi.

Das ist kein Haus mehr, das ist eine pockennarbige Fassade voller Einschusslöcher. Aber immerhin steht sie noch, diese Fassade im Hinterhof, wenn auch mit Hilfe eines stählernen Stützkorsetts. Im Innenraum dann warme Holzlamellenwände und französische Küche, in luftiger Höhe darüber eine riesige Stahltrommel, unerwartet moderner Industriecharme zwischen den alten Häusern mit ihren Loggien und den Bougainvilleen, die ahnen lassen, wie diese Stadt einmal ausgesehen haben muss.

Im Inneren der Stahlröhre ist die meterlange Bar eingebaut, es gibt an die fünfzig Sorten Single Malt mit liebevoller Beratung durch den kundigen Barkeeper, den das Getöse um ihn herum nicht aus der Ruhe bringt. Der Ramadan hält niemanden vom Feiern ab, es gibt ja genug alkoholfreie Alternativen, Virgin Mojito zum Beispiel. Der ist ohnehin besser als das Bier mit Zitronensaft in einem Glas mit Salzrand, Mexican Beer genannt, und passt mit seiner Glitzerpalme besser zur Beiruter Nacht, denn die ist lang und ausschweifend. Nur in den Bars und auf den Tanzflächen und irgendwann an der Nachttanke, nach etlichen nicht immer alkoholfreien Drinks, erfährt man, wie es ist, in dieser Stadt zwischen Rausch und Ruinen zu leben.

Die beste und spektakulärste Architektur in Beirut will die Kriegsnarben nicht mit Beton zuschütten. Das ist im Libanon selten. In Downtown Beirut regiert die Entwicklungsfirma Solidere, mit vollem Namen „Société libanaise pour le développement et la reconstruction de Beyrouth“. Solidere ist eine halböffentliche Aktiengesellschaft, deren Mittel inzwischen vor allem aus Amerika, Europa und den Golfstaaten kommen. Der Gesellschaft gehört die gesamte Innenstadt, und sie hat dort gründliche Arbeit geleistet. Alles ist so steril und traditionslos hingeklotzt wie der Potsdamer Platz, nur mit mehr Luxusboutiquen. Einst tobte dort in Souks, Hotels und Nachtclubs das orientalisch bunte Leben, aber das wurde der neuen Innenstadt gründlich ausgetrieben. Der neue Souk, das sind hunderttausend Quadratmeter luxuriöse Langeweile, mehr Mall als Markt.

Das Leben findet nun in den Randbezirken Hamra, Saifi und Gemmayze statt, in Rooftopbars und kleinen schummrigen Höhlen, in den etwas weniger sauberen Ecken, in denen die Häuser noch normalen Menschen gehören und nicht einer großen Firma, die jegliches privates Engagement verhindert. Dort sind die Fassaden nicht aseptisch natursteinvertäfelt, dort hängen die Stromkabel noch in abenteuerlichen Konstruktionen quer über die Straße, Graffitikünstler haben sich an Häuserwänden verewigt, und ab und zu fällt kurz das Licht aus, aber das stört keinen. Dort gibt es Ruinen mit zugemauerten Fenstern, Zeugen des großen Kriegs. Leergebombte Brachgrundstücke dienen als Parkplatz für die, die heute Abend noch etwas vorhaben, also fast alle.

Da steht auch der alte weiße Mercedes von Haithams Schwester, der uns nach dem ersten Aufwärmdrink in der Bar Centrale durch die Nacht bringen wird. Schon wieder eine schlaflose Nacht, erst gestern wurde im Hotel lange gefeiert, eine ausschweifende Hochzeit mit Band unten am Pool, zuerst Jazzstandards, dann arabische Rhythmen. Es wurde früh. Es wird immer früh in Beirut.

21.50 Uhr, The Venue, Gouraud Street, Gemmayze

Der Glatzkopf mit dem Glitzermikrophon singt Inbrünstiges auf Arabisch, eine stark geschminkte Schönheit in goldenen Plateaupumps fällt im Refrain mit ein, und bald umarmt sich alles quer durcheinander, tanzt durch den schummrigen Raum bis zum nächsten Song, filmt sich dabei gegenseitig mit dem Handy, zwischendurch schnell eine Gabel Schokoladenkuchen in den Mund geschoben und eine SMS an Freunde verschickt: Wo seid ihr? Wir sind hier. Kommt ihr auch? Im Venue ist Karaokenacht, das Publikum ist jung und hat sich Mühe gegeben, die Jeans sind wurstpelleneng und die Absätze hoch. Alle sind sichtlich fest entschlossen, sich unbedingt amüsieren zu wollen, als sei es die letzte Nacht ihres Lebens.

Man könnte überlegen, ob das vielleicht schon immer so war, könnte eine jahrtausendelange Linie ziehen vom Bacchustempel im nahen Baalbek, vom Venustempel gleich daneben, als die Einwohner noch Phönizier hießen und die Besetzer aus Rom einmarschierten. Eine Linie über das zwanzigste Jahrhundert, als Beirut unter französischer Herrschaft mit Mittelmeerstädten wie Cannes um die amüsierwilligen Nachtschwärmer Europas konkurrierte, aber das hieße, die arabische und osmanische Epoche auszublenden und zwischendurch fast zweihundert Jahre Kreuzfahrerherrschaft. 1860 wurde der Libanon, diese Mischung aus unübersichtlich vielen Religionsgruppen und Völkern, zur eigenständigen osmanischen Provinz und 1941 unabhängig. Aber damit fingen die Schwierigkeiten erst an.

Haitham erzählt uns von seinem Vater, der drei Freundinnen hatte, der durch das in den sechziger Jahren sehr elegante Nachtleben zog und von dem es Fotos gebe, für die er, der Sohn, sich fast schäme - und Haitham ist wahrlich kein Kind von Traurigkeit. Es muss damals hoch hergegangen sein. Bis 1975 der Bürgerkrieg losbrach und immer neue Bilder von Explosionen und zerstörten Häusern in den Nachrichten dafür sorgten, dass Beirut nicht mehr mit ausschweifendem Amüsement, sondern mit Schüssen und Krieg und Nahostkonflikt assoziiert wurde.

Und natürlich hat sich dieser Konflikt noch lange nicht beruhigt, auch wenn man das angesichts der Karaokesänger mit dem Glitzermikrofon glauben möchte. Beirut ist die mit Abstand liberalste Stadt des nahen Ostens, hier feiern alle, die es im eigenen Land nicht können. Saudische Frauen streifen sich in der Flugzeugtoilette den schwarzen Hidschab ab und verwandeln sich für ein paar Tage in Minirockträgerinnen mit wehendem Haar. Niemandem sieht man an, ob er Christ ist oder Muslim. Und dennoch: Draußen auf dem Land tragen die Mädchen Kopftuch, und der syrische Machthaber Baschar al-Assad hat noch erstaunlich viele Freunde. Die Hizbullah gibt sich Mühe, wie eine wählbare Partei auszusehen, die pragmatische Sachpolitik und Krankenhäuser betreibt. In anderen arabischen Ländern wird noch demonstriert oder schon reorganisiert, in Beirut wird gefeiert, aber richtig fröhlich ist bei näherem Hinschauen keiner.

22.40 Uhr, Dany’s, 78th Street, Hamra

Hamra ist tagsüber ein Einkaufsviertel mit kleinen Läden und mittelgroßen Kaufhäusern, hier kauft das normale Volk Gemüse und Socken für den täglichen Bedarf. Aber nachts, wenn die Läden schließen, öffnen die Bars. Das Dany’s zum Beispiel mit den dicht bekritzelten Wänden, an denen jeder etwas hinterlassen darf, der einen Stift bei sich trägt. Früher einmal, sagt Haitham, sei diese Bar kleiner gewesen, aber dann habe man einen Durchbruch zum Laden nebenan gemacht. Und in mühevoller Kleinstarbeit sämtliche bis dahin entstandenen Kritzeleien an der neuen Wand rekonstruiert. Ein surreales Erlebnis sei das gewesen, als habe sich der Raum einfach ausgedehnt.

Die Musik schwankt unberechenbar zwischen Russendisko und Britpop. Die Libanesen sind ein internationales Völkchen, so gut wie jeder spricht außer Arabisch auch Französisch und Englisch. Nicht nur mit uns Ausländern, auch untereinander. In der Schule lernt jeder diese zwei Fremdsprachen, Bildung ist im Libanon hochgeschätzt, das Studium an der amerikanischen oder einer anderen privaten Universität renommiert. Im Alltag Französisch zu sprechen ist auch eine Statusfrage, man zeigt sich gern als kultivierter Stadtbewohner, und Englisch ist sowieso Pflicht.

Zu wenig wird aber über den Krieg geredet, findet Emile. Er ist in Frankreich aufgewachsen und lebt als Unfallarzt in Paris, besucht seine erweiterte Familie in Beirut aber, so oft es geht. Damit gehört er einer Mehrheit an: Dreizehn Millionen Libanesen gibt es im Ausland und nur vier Millionen im Libanon selbst. Alle lieben ihr Land und investieren eine Menge Geld in Immobilien und Infrastruktur, und von der Heimatverbundenheit der Auslandslibanesen profitiert der Wiederaufbau in Beirut nicht schlecht.

Irgendwann will Emile in den Libanon zurück, auch wenn es keinen Grund dafür gibt. Das sei jenseits aller Vernunft. Das Land, das Meer, der Geruch, die Menschen hier: Wenn sie nett sind, sind sie sehr nett, und wenn sie nicht nett sind, sind sie sehr nicht nett. Dann hauen sie sich jahrelang, jahrzehntelang die Köpfe ein.

23.20 Uhr, Café de Prague, Makdissi Street, Hamra

Hinter der Theke hängt eine Schiefertafel, darauf steht mit Kreide: „Marriage is like the Middle East, there is no solution. - Willy Russell.“ Der Nahostkonflikt ist gerade sehr weit weg, hier in diesem europäisch wirkenden Café, das aussieht wie die Filmkulisse für einen französischen Avantgardefilm aus den frühen Sechzigern. An den Wänden hängt Abstrakter Expressionismus, auf dem Fußboden stehen bunt gemischte Sitzgelegenheiten und Stehlampen. Ein Filmprojektor wirft klassisches Hollywoodkino an die Wand, Fred Astaire tanzt zu Nouvelle Vague. Es herrscht die Coolness von vorgestern.

Gérard war während der syrischen Besetzung politischer Aktivist und ist jetzt politischer Berater für Wirtschaftsunternehmen. Wir sind ja, sagt er, die einzige wirkliche Demokratie in dieser Weltgegend, es gibt keine Medienzensur, das Militär kämpft nicht gegen die Menschen, im Gegenteil, seine Rolle als Beschützer ist noch immer sehr präsent. Wenn hier also Soldaten in Tarnanzügen an jeder Ecke stehen, vermittelt das den Menschen Sicherheit. Für Europäer ist der Anblick von Militär eher gewöhnungsbedürftig, man denkt ja immer gleich an den Verteidigungsfall. Für den Libanon ist der letzte Verteidigungsfall erst fünf Jahre her, das vergisst man leicht, so an die Theke des Café de Prague gelehnt. Wer weiß, wann es wieder losgeht. Wer weiß, wann die Hizbullah im Süden des Landes wieder losballert und Israel einmarschiert, wie im Juli des Jahres 2006. Die meisten Opfer gab es nicht unter den Konfliktparteien, sondern in der libanesischen Zivilbevölkerung.

0.45 Uhr, Demo Bar, Off Gouraud Street, Gemmayze

Wir quetschen uns zu sechst in den weißen Mercedes von Haithams Schwester, und als uns eine Freundin Haithams in Gemmayze so dermaßen übereinandergestapelt sieht, gerät sie vor Lachen noch mehr in Schräglage, als sie ohnehin schon ist. In Schräglage befindet sich bei ihr aber so einiges, erfahren wir, als wir zusammen in der Demo Bar ankommen. Zumindest aus westlicher Sicht changieren ihre politischen Ansichten ziemlich abenteuerlich zwischen Hizbullah und amerikanischem Neokonservativismus: Der Nahostkonflikt ist ideologisch nicht zu lösen, nur die Kraft einer florierenden Wirtschaft kann uns retten, Israel und die Juden sind an allem schuld. Zumindest Letzteres ist bei Muslimen keine seltene Ansicht, denkt man so, und denkt schon wieder völlig falsch. Ich bin Christin, sagt sie, und bestellt noch ein Bier. Weitere Schräglagen nicht ausgeschlossen.

1.30 Uhr, Torino Express, Gouraud Street, Gemmayze

Letizia will sich ihre Nase nicht machen lassen. Einmal war sie beim plastischen Chirurgen, wegen einer Narbe im Gesicht, da sagte der: Für zweitausend Dollar Aufschlag mach’ ich die Nase gleich mit. Aber die Nase muss bleiben, die Nase gehört zu ihrem Charakter, findet sie. Letizia ist auch keins von diesen Partymädchen, das hofft, mit spätestens fünfundzwanzig einen Mann zu angeln und den Rest des Lebens in tatenlosem Luxus zu verbringen. Letizia ist Psychologin und arbeitet mit Strafgefangenen, ihr Traumberuf, leider unterbezahlt wie fast alles und jeder hier. Gehälter und Lebenshaltungskosten passen im Libanon überhaupt nicht zusammen. Gehälter und Nasenoperationen schon eher, die sind spottbillig, und im Zweifelsfall gibt die Bank einen Kredit für solche Investitionen in die eigene Zukunft als Heiratsobjekt.

Sie sehe die Partymädchen oft, sagt Letizia, mit ihren runderneuerten Gesichtern und Brüsten und dem ganzen Flitter. Sport treibt keiner, wenn man das Fett auch absaugen lassen kann, das ist bei Frauen wie Männern üblich, und Ernährung ist allen egal. Diese alterslosen Wesen feiern in der Sky Bar, da kann man ihnen auf der Damentoilette begegnen. Da merkt man dann auch, dass sie eigentlich ganz normale Menschen sind, die einfach nicht zu viel nachdenken wollen, nicht so viel wie Letizia jedenfalls.

Setz dich, sagt Letizia, leg deine Tasche ab, hier passiert nichts, das ist unser Zuhause. Das Torino gehört einem dauerbetrunkenen Deutschen namens Andreas, der lange vor unserem Eintreffen schon von dannen gewankt ist. Im roten Neonlicht des Eingangs steht ein DJ, den leistet sich hier jede Bar, die etwas auf sich hält, auch wenn es zum Tanzen zu eng ist. Zum Unterhalten aber nicht. So erfahren wir, dass ihre Mutter jüdisch ist, der Vater christlich, und dass sie bald nach Berlin fährt, großartige Stadt sei das. Und im Winter so wunderbar kalt. Ich liebe den Schnee, sagt Letizia mitten im arabischen Sommer, ich liebe den deutschen Winter.

3.15 Uhr, Crew Bar, Pasteur Street, Gemmayze

Die Crew Bar ist der Abschluss eines jeden Abends, denn hier geht es ab drei Uhr richtig los. Die Crews der Bars kommen nach der Arbeit her, um einen Feierabenddrink zu nehmen, daher der Name. Hier landen alle Abstürzler früher oder später: Emile, Letizia, Haitham und wir natürlich in dem alten weißen Mercedes.

Wenn man Beirut tagsüber sieht, hat man nur dreißig Prozent gesehen, sagt Letizia. Nicht, dass es tagsüber nichts zu sehen gäbe. Beirut ist eine nur partiell schöne, aber immer interessante Stadt irgendwo zwischen Ost und West, zwischen dem akribischen Stadtdesign im Zentrum durch Solidere und dem ungeregelten Zusammenschustern überall sonst. Alles ist geprägt von Provisorien, die dem Verdacht geschuldet sind, dass jederzeit wieder ein Krieg losbrechen könnte. Wem einmal das Haus zerschossen wurde, der schließt keinen Bausparvertrag ab, der genießt das Leben.

Johnny ist Bauingenieur, aber leben kann er davon nicht. Ein Studium an einer der privaten Universitäten kostet locker dreißigtausend Dollar pro Jahr, das spätere Monatsgehalt liegt bei achthundert Dollar. Viele junge Leute gehen ins Ausland, nach Europa, in die Vereinigten Staaten oder in die Arabischen Emirate, Sprachprobleme hat ja keiner von ihnen. Auch Johnny war kurz davor, Beirut zu verlassen, doch dann kam es anders. Dann erfand er die P.C.-Partys, was ursprünglich einmal für „Porno Chique“ stand, aber dafür sei der Libanon noch nicht bereit, sagt er und grinst. Inzwischen wird das Kürzel pornofrei nach Bedarf gefüllt: Pool Crash, Pony Club, Pharaoh’s Curse. Seine Partys hatten einen derartigen Zulauf, dass sie nun regelmäßig stattfinden und er sich als Veranstalter selbständig gemacht hat und gut verdient, besser als ein Bauingenieur jedenfalls. Vielleicht, hofft er, hat er mal eine eigene Bar.

Niemals wird die libanesische Jugend aufstehen und protestieren, sagt Johnny. An den Universitäten gibt es zwar gute Berufsausbildungen, aber kein soziales Bewusstsein, keinerlei studentische Kultur, wie man es aus Europa kennt. Er schließt Zeigefinger und Daumen zum Kreis: Null. Keiner geht auf die Straße, obwohl es nötig wäre. Die Politiker sind korrupt, die Lebenshaltungskosten irrwitzig, das reicht woanders schon, hier verlässt man das Land oder feiert sich bewusstlos, und zwar in Bars, weil alle noch zu Hause leben und deshalb keine Wohnungspartys feiern können wie anderswo auf der Welt. Sie verlassen Nacht für Nacht die enge Wohnung und das enge Leben, denken nicht an morgen und feiern das Heute. Das weiß keiner besser als er. So steckt er in dem Zwiespalt, dass er an der Partywut der Jugend gut verdient, es ihm andererseits aber lieber wäre, sie dächten ab und zu etwas politischer. Oder wenigstens an die Gemeinschaft, nicht nur jeder an sich selbst.

4.45 Uhr, Tepco-Tankstelle, Downtown

Im weißen Mercedes rücken wir zusammen. Haitham fährt uns nach Hause, mit einem Umweg über die Nachttanke, er braucht Zigaretten. Die sind im Ramadan eigentlich tabu, aber die Sucht ist stärker. Und überhaupt: Er nenne es nicht Ramadan, sondern Detox, Entgiftung. In welches Hotel wir müssen, fragt Letizia, die sich zu uns gequetscht hat. Mövenpick? Ja, da habe ihre Cousine Sandra gestern Hochzeit gefeiert, ob wir das mitbekommen hätten? Und am Ende seien Vater und Bruder in den Pool gesprungen. Nein, sagen wir, da haben wir schon geschlafen.

Das war so früh, so früh wie auch jetzt, wie immer in Beirut, wenn man die Nacht bis zum Sonnenaufgang ausdehnt und keiner schlafen will, weil man nicht weiß, was der Morgen bringt. Und weil man nicht weiß, wie lange man noch tanzen kann, bevor die Hizbullah wieder einmal losschlägt. Oder weil man nur zu gut weiß, dass einem nicht viele Minirocktage bleiben, bis man wieder den Hidschab tragen muss. Wer in Beirut feiert, der feiert trotzig an gegen die Zeit und gegen den Schlaf, solange es irgendwie geht.

Beiruter Nächte

Anreise: Germania fliegt dreimal wöchentlich nach Beirut, mittwochs und samstags ab Berlin-Tegel und samstags ab Düsseldorf. Oneway-Tickets gibt es ab 177 Euro, Telefon: 01805/737100, oder unter www.flygermania.de.

Unterkunft: Fünf Nächte im Mövenpick Hotel & Resort im Doppelzimmer Deluxe mit Frühstück ab 445 Euro pro Person oder fünf Nächte im Hotel Le Gray im Doppelzimmer Deluxe mit Frühstück ab 880 Euro pro Person. Informationen unter www.fti.de, Telefon 01805/384213.

Allgemeine Auskünfte erteilt das Tourismusbüro für den Libanon, Wiesenhüttenplatz 26, 60329 Frankfurt. Telefon: 069/2426470. Ein Visum ist bei der Einreise am Flughafen erhältlich.

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