25.03.2002 · Die UNESCO hat Soroa wegen der einzigartigen Pflanzen- und Tierwelt zum Biosphärenereservat erklärt. Allein 700 verschiedenen Orchideenarten blühen hier rund ums Jahr. Ein vom Tourismus noch weitgehend unentdecktes Paradies.
Von Christian NowakAuf dem Weg in den Westen Kubas, wird es jenseits der Drei-Millionen-Stadt Havanna schnell ländlich. Am Horizont tauchen sanft gerundete Bergketten auf, davor liegen endlose Zuckerrohr- und Tabakplantagen. Kuba präsentiert sich hier von seiner schönsten Seite: als eine von der Natur verwöhnte, üppig grüne und fruchtbare Insel.
An der Straße zwischen Havanna und Pinar del Rio liegt das kleine Städtchen Soroa an den Ausläufern der Sierra del Rosario. Hier hat der Spanier Tomas Felipe Camacho in den fünfziger Jahren einen riesigen Orchideengarten angelegt. An dem steilen Berghang wachsen tropische Bäume, Bromelien und Begonien und ungefähr 700 verschiedene Orchideenarten, von denen man knapp ein Drittel nur auf Kuba findet. Zwischen November und April stehen die meisten Pflanzen im Orquideario in voller Blüte, es ist die beste Zeit für einen Besuch in diesem tropischen Paradies.
Salto Mortale im Biosphärenreservat
Nicht weit vom Orchideengarten führt ein kurzer, schweißtreibender Pfad zum Wasserfall El Salto. Aus der dichten, tropischen Vegetation schießen die Wassermassen hervor, stürzen 20 Meter in die Tiefe und sammeln sich in einem felsigen Becken. Das kühle und kristallklare Wasser am Fuß des Wasserfalls ist eine herrliche Erfrischung bei dem schwül-heißen Klima und bei den Kubanern ein beliebter Badeplatz.
Einst gehörte fast die gesamte Gegend Don Ignacio Soroa, der hier eine florierende Kaffeeplantage betrieb. Nach dem Ende des Kaffeebooms verfielen die Gebäude und die Pflanzungen verkamen. Doch vor 15 Jahren wurde Soroa wiederentdeckt und von der UNESCO wegen der einmaligen Flora und Fauna zum Biosphärenreservat erklärt. Seit einigen Jahren versuchen die Kubaner in dem Reservat und der Sierra del Rosario einen ökologisch orientierten Tourismus aufzubauen.
Noch weit vom Massentourismus entfernt
Zentrum dieser Bemühungen ist der Komplex Las Terrazas mit dem Moka Hotel. Das Hotel liegt inmitten tropischer Vegetation und wirkt mit den Schatten spendenden Arkaden und den geschnitzten Geländern und Fenstergittern wie eine luxuriöse Dschungel-Lodge. Die nach allen Seiten offene Bar wurde um einen alten Baum gebaut und ist eine angenehm luftige Oase. Vom Hotel kann man auf verschiedenen Wanderwegen wie dem Buenavista Coffee Plantation Trail die Umgebung erkunden. Noch kommen relativ wenige Touristen nach Las Terrazas, doch durch die Nähe zu Havanna soll die Anlage in Zukunft von Kurzurlaubern profitieren. Auch dieses Projekt ist ein Indiz dafür, dass sich Kuba immer mehr dem Tourismus öffnet und Besucher auch abseits der Strände von Varadero willkommen heißt.