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Kuba Der beste Tabak der Welt

25.03.2002 ·  In der kleinen Stadt Pinar del Rio züchtet man Tabak in mühevoller Kleinarbeit, dafür auch in absoluter Spitzenqualität. Sowohl für den Tabak als auch für das Städtchen gilt: Immer mit der Ruhe!

Von Christian Nowak
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Die Provinzhauptstadt Pinar del Rio liegt ungefähr 200 Kilometer von Havanna entfernt und ist das Zentrum von Kubas Westen. Trotz ihrer gut 130.000 Einwohner wirkt Pinar del Rio wie ein großes Dorf aus längst vergangenen Zeiten. Spektakuläre Sehenswürdigkeiten hat die Stadt nicht zu bieten, aber man kann gemütlich über die Hauptstraße schlendern und ein wenig am Alltag der Einheimischen teilnehmen.

Eine ganze Schulklasse tobt, herausgeputzt in ihren rot-weißen Schuluniformen, durch den kleinen Park vor der strahlend weißen Kirche. Alle freuen sich über die Abwechslung, denn nur selten kommen Fremde in das verschlafene Nest. Albern, aber auch stolz, prahlen sie mit ihren paar Brocken Englisch und versuchen, jeden Besucher in ein Gespräch zu verwickeln.

Nur die Ruhe

Fußgänger und Radfahrer teilen sich friedlich die Hauptstraße mit den wenigen uralten, klapprigen Autos. Rush-Hour, Hektik und Stress in Pinar del Rio? Fehlanzeige! Jeder Winkel der kleinen Stadt verströmt Ruhe und Gelassenheit. Sofort ins Auge fallen die Häuser. Alle haben ein Schatten spendendes Vordach, das von Säulen gestützt wird. Überall blättert die blaue Farbe, kaum jemand hat Geld für einen neuen Anstrich. Die meisten Häuser der fast lückenlosen Arkadenreihe wirken klein und ärmlich und sind nur notdürftig mit verwitterten Dachziegeln gegen Regen geschützt. Nur einige wenige stattliche Gebäude schieben sich dazwischen, aber auch ihre klassischen griechischen Säulenreihen und goldenen Kapitelle haben schon bessere Zeiten gesehen.

Tabak, den man heiraten muss

Mit Tabakanbau und Zigarrenproduktion kommen die Menschen von Pinar del Rio mehr schlecht als recht über die Runden, obwohl die Bedingungen zum Anbau von Tabak nirgendwo so günstig sind wie hier. Entscheidend für diese Spitzenqualität sind die fruchtbare rote Erde und das ideale Klima. "Tabak kannst du nicht einfach pflanzen, den musst du heiraten", sagt ein kubanisches Sprichwort über die mühselige Aufzucht der Pflanzen.

Bis aus einer Tabakpflanze eine edle Havanna wird, müssen die Blätter durch hundert kundige Hände wandern. Am Beginn steht die Auswahl des richtigen Saatgutes, das mittlerweile von Wissenschaftlern an die Farmer verteilt wird, um nichts dem Zufall zu überlassen. Nach dem Aussäen hat der Bauer monatelang alle Hände voll zu tun, die empfindlichen Tabakpflanzen von Unkraut und Ungeziefer zu befreien. Argwöhnisch schaut er aufs Wetter und hofft auf warme Tage und kühle Nächte ohne Regen während des Sommers.

Havannas sind eine Kunst für sich

Nach der Ernte kommen die Blätter in gut belüftete Trockenschuppen, die Casas del Tabaco. Hier wird der Tabak befeuchtet, belüftet und regelmäßig umgehängt. Danach werden die Blätter gebündelt und für drei Monate ins Fermentationshaus gebracht. Während der Fermentation muss immer wieder die Temperatur der Blätterstapel kontrolliert werden, sonst war die ganze Mühe umsonst. Bevor der Tabak endlich die Reise in die Fabrik antritt, muss er noch einige Monate in Lagerhäusern verbringen. Nur so bekommt eine echte Havanna ihr unvergleichliches Aroma.

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