25.03.2002 · Die eindrucksvollen Kalksteinfelsen Kubas sollte man nicht auslassen. Besonders im wechselnden Morgenlicht möchte man hier ewig bleiben und die Aussicht genießen.
Von Christian NowackWer Pinar del Rio in Richtung Norden verlässt, der kommt bald zum Valle de Vinales. Schon von Ferne fallen seltsame Bergrücken ins Auge, die sogenannten Mogotes. Zwischen den beiden Bergmassiven, der Sierra de los Organos im Westen und der Sierra del Rosario im Osten, erinnern sie an riesige, grüne Elefantenrücken. Die stark verwitterten und dicht bewachsenen Kalksteinfelsen prägen eine der eindrucksvollsten Landschaften Kubas.
Bevor man die Mogotes aus der Nähe bestaunt, sollte man noch ein seltsames Kunstwerk besichtigen: Die Mural de la Prehistoria. In den 60er Jahren hat der Künstler Leovigildo Gonzales Morillo eine ganze Felswand von Pflanzen gesäubert und ein 120 Meter hohes und 180 Meter breites Monumentalgemälde geschaffen. Mit seinen plakativ bunten Figuren wollte er die Evolutionsgeschichte des Menschen darstellen. Vom biologischen Standpunkt aus betrachtet, ist seine Geschichte nicht ganz korrekt. Anderenfalls müssten unsere direkten Vorfahren riesige Schnecken und Dinosaurier sein.
Fünf Sterne für eine grandiose Aussicht
Das Hotel Los Jazmines liegt auf einer kleinen Anhöhe mit einem atemberaubenden Blick auf die Mogotes und das Valle de Vinales. Stundenlang kann man auf der Terrasse sitzen, den rosafarbenen Kolonialbau und den Swimmingpool im Rücken, und beobachten, wie sich die Landschaft mit dem Sonnenstand verändert. Schon für diesen Ausblick hätte das Hotel mindestens fünf Sterne verdient.
Das morgendliche Schauspiel
Mit den schönsten Lichtstimmungen werden Frühaufsteher belohnt. Dann wirken das Tal und die Mogotes wie eine chinesische Tuschezeichnung, die alle paar Minuten neu gemalt wird. Im fahlen Morgenlicht kriecht Nebel über den Talboden und hüllt alles ein. Nur die Spitzen der Palmen ragen aus der weißen Watte heraus. Dann wird der Nebel lichter und enthüllt immer mehr vom Tal. Tabakpflanzungen, rote Erde und ein paar Schuppen tauchen auf. Lautlos ziehen die Truthahngeier ihre Kreise, lassen sich von den Aufwinden am Hang tragen und kommen dabei so dicht heran, dass man ihnen in die Augen schauen kann. Wenn die Sonne an Kraft gewinnt, zerstört sie den morgendlichen Nebelschleier. Das Grün der Vegetation wird kräftiger, die tief stehende Sonne leuchtet in kräftigem Gelb. Ewig könnte man hier sitzen und einen der schönsten Ausblicke Kubas genießen.