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Kreuzfahrt Kuschelschiff mit Teppichflausch

 ·  Die „MS Columbus“ hat ausgedient. Nun ist eine frisch renovierte „Columbus“ Nummer zwei in Diensten von Hapag Lloyd im Mittelmeer unterwegs.

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© Hapag-Lloyd Kreuzfahrten Reiselektüre inklusive: Die Bibliothek an Bord der „Columbus 2“.

Als „M.V. Insignia“ kam sie an einem Freitag nach Barcelona. Drei Tage später, montags, verließ das Schiff als „M.S. Columbus 2“, frisch gechartert von Hapag Lloyd, den Hafen. Dazu gehörte auch der neue Außenanstrich in den Farben der Reederei: weißer Rumpf und ein orangefarbener Schornstein. Dessen Anblick allein lässt so manchem „MS-Europa“-Fan das Herz vor Freude hüpfen. Kein Wunder also, dass eine Menge erfahrener Passagiere, deren zweites Zuhause anscheinend die „M.S. Europa“ ist, auf dem von der britischen Reederei Oceania gemieteten Neuzugang der Reederei einmal nach dem Rechten sehen wollten.

So wie der Gast aus Dortmund, dessen Suite gleich neben unserer Kabine liegt. Er sei „M.S. Europa“-Fahrer, sagt er wie nebenbei beim Gespräch von Balkon zu Balkon. Und ist irritiert, dass es für Suitenbucher wie ihn keinen Extraeingang gab. „Immerhin bezahle ich ja auch deutlich mehr als andere Gäste.“ Das Einchecken dauerte nämlich heute etwas länger - immerhin fahren auf der „Columbus 2“ siebenhundert Gäste mit und nicht nur knapp vierhundert wie auf des Nachbarn Lieblingsschiff.

Profis abhalten vom Zuvielproben

Wie wir wird er von Venedig bis nach Piräus reisen mit diesem Schiff, dessen Innenausstattung im „englischen Countryclub-Stil“ doch sehr an die Möblierung von Schiffen des gehobenen amerikanischen Kreuzfahrtsegments angelehnt ist. Ein bisschen Azamara, viel Constellation. Dunkles Holz, plüschige, bequeme Sessel, Teppiche in Hülle und Fülle. Zwar hat man manches eingedeutscht in der dreitägigen „zielgruppenaffinen Umgestaltung“ neulich in Barcelona: Aus ehemaligen Internet- und Kartenspielräumen wurden ein „Kidsclub“ und ein „Teensclub“. Und das Casino, sehr wichtig für den amerikanischen Kreuzfahrtmarkt, wurde zur Disco-Bar mit Tanzfläche.

Dort treffen wir Kreuzfahrtdirektorin Silvia Ritter zum Interview. Sie ist eine Fernsehberühmtheit, seit sie auf vielen Kanälen in Reportagen von Bord eines anderen deutschen Hochseeschiffs zu sehen war, und wird schon mal auf dem Markusplatz von Touristen um Autogramme gebeten. Eine Siebentagewoche, wie sie die Crews auf Kreuzfahrtschiffen absolvieren, sagt sie strahlend, sei für sie ganz normal. Ein geruhsamer Sonntag käme ihr vor, wie im Krankenhaus zu liegen. Sie legt Wert auf die täglichen Meetings mit ihren Mitarbeiterinnen, zum Beispiel mit Entertainmentdirektorin Sabine Kämpe. Die sorgt nicht nur dafür, dass alle Unterhaltungsprogramme genügend geprobt werden, sie muss auch manche Profis abhalten vom Zuvielproben. Das vielfältige Unterhaltungsangebot auf Hapag-Lloyd-Schiffen bezeichnet Kämpe, auch als TV-Seriendarstellerin oft im Einsatz, als „USP“, den „unique selling point“. Denn es gebe auf jedem Hapag-Lloyd-Schiff, auch auf dieser neuen „Columbus 2“, sowohl Klassik- als auch Comedy-Abende, „das gehört auch zur Imagebildung dieses Schiffes“.

Botanisch bewandert durch den Nationalpark

Steuerbord voraus steht der Wind, als wir Venedig verlassen, gleich nach der wichtigen Seenot-Rettungsübung, die vernünftigerweise auch auf diesem Schiff noch vor dem Auslaufen abgehalten wird. Wir fühlen uns hier sicher aufgehoben, zumal der langjährige Staffkapitän der „MS Europa“, Jörn Gottschalk, als Kapitän das Kommando über dieses Schiff hat. Sein geflügeltes Wort - „Genießen Sie das Schiff, genießen Sie das Leben“ - begleitete so manchen Passagier über Jahre hinweg.

Das Schiff ist anderntags in Sibenik nahezu leer. Die meisten Passagiere erwandern heute den Krka-Nationalpark. Gestählt durch einen Destinationsvortrag müssen sie nicht fragen, was da blüht, wenn sie auf violette Zistrose oder gelbblühenden Ginster treffen; sie wissen auch, dass hier Steineichen wachsen und Mauereidechsen herumwuseln. In der Altstadt Sibeniks stehen sie später schmunzelnd vor Krawattenlädchen - frisch versorgt mit der Information, dass Krawatten eine kroatische Erfindung sind. Die Bordlektorin zitierte gestern einen Aphorismus von Honoré de Balzac, wonach ein Mann so viel wert sei wie seine Krawatte, denn darin manifestiere sich sein Geist. Der Dresscode ist auf der „Columbus 2“ keine Nebensache, aber nicht so eklatant wichtig wie auf der „MS Europa“. „Soll ich den Anorak anziehen oder den Blazer?“, fragt eine Dame aus Frankfurt ihren Mann kurz vor der Auslaufparty an Deck. Wofür auch immer sie sich entschied - Dinnerjackett und Abendkleid kann man getrost zu Hause lassen für eine Reise mit diesem Schiff.

Seespinnensalat auf dem Versace-Teller

Die Einfahrt nach Split, unserem nächsten kroatischen Hafen auf dieser Reise, ist spektakulär. Inselchen, bewachsen mit grünen Wäldern, die sauren Regen anscheinend nie ertragen mussten. An Land machen wir es uns gemütlich auf einem Logenplatz - einer Bank mit Blick direkt aufs Meer und auf unser Schiff. Jasminbäume säumen die Strandpromenade, ihre Blüten verströmen einen betörenden Duft. Vor einem Café hat sich ein Klapa-Ensemble aufgestellt, ein A-cappella-Chor, wie er typisch ist für diese Gegend. Musik werden wir auf dieser Reise noch oft hören. Heute Abend gibt es ein Vorabendkonzert mit einem Chansonnier. Musikalisch verortet er uns in der „Bar zum Krokodil, am schönen blauen Nil“. Aber wir liegen ja noch vor Anker in Split. Und wollen gar nicht woanders sein. Abends denken wir, wer braucht Kaviar und Auster, wer will schon Lobster ordern angesichts der unglaublichen Vier-Sterne-Plus-Küche, die auf diesem im Wortsinne preiswerten Schiff mit Tagessätzen um zweihundert Euro auf den Tisch kommt? Man speist in den sechs Bordrestaurants von Versace-Tellern Salat von der Seespinne, schwarzen Heilbutt mit Ingwersauce und Vermicelli an Wildspargel. Auf der MS Europa isst man für vierhundert Euro - aber was will man mehr?

Beim Frühstück vor Korcula sehen wir die Passagiere nahezu vollzählig im Lidocafé, das sehr einladend wirkt mit sonnengelb-lindgrünen Wandmalereien. Die meisten der Passagiere wollen anscheinend heute nur das Schiff genießen. „Zuviele Passagiere“ sind es allerdings nach Meinung eines Gastes aus dem Westfälischen. Sonst reise er meistens mit der „alten“ „MS Columbus“, auch mit der Bremen und der Hanseatic. Da sei das Ambiente nüchterner als hier, wo es so kuschelig sei. Aber an den amerikanischen Stil könne er sich direkt gewöhnen. Für ein Schweizer Ehepaar am Nebentisch ist diese Reise ihre erste Kreuzfahrt. Die „Columbus 2“ als Einstiegsschiff für Neu-Kreuzfahrer - warum nicht? Es fehlt an nichts. Auch wenn das Bad größer sein dürfte, man findet in den Kabinen flauschige, nagelneue Bademäntel vor, voluminöse Badetücher und strahlend weiße, duftfrische Bettwäsche. In der Bordbibliothek, wo der Gast in englischen Ledersofas unter bukolischer Deckenmalerei versinkt, steht in den Regalen, was von deutschsprachigen Bestsellern gerade erst erschienen ist. Aber auch der komplette Shakespeare, das Gesamtwerk von Dumas sowie Biographien von Napoleon bis Joschka Fischer.

Lieber Kühlschrankbrummen als Fett-weg-Projekte

Auch das 165 Quadratmeter große Fitness-Studio ist auf der Höhe der Zeit. Hier will Coach Hans Kienle ein neues Gewichtsreduktionstraining an den Mann bringen: „Das wäre doch das Richtige für Sie“, stellt er sein Fett-weg-Projekt vor. Wir flüchten in Richtung Lounge. Da spielen sich soeben die Musiker, ein Streichquartett aus Mitgliedern der Münchner Philharmoniker, für das heutige Konzert ein. Natürlich lasse die Akustik des Theaters, das ursprünglich auf den amerikanischen Musikgeschmack ausgerichtet war, zu wünschen übrig, ist man sich einig. Aber hier auf der „Columbus 2“ fühle man sich sehr angenommen vom kundigen Publikum, das seien durchweg „alles Experten“. Eine gute Atmosphäre für jeden Musiker. Auch wenn später die Klimaanlage der Lounge in die zartbitteren Harmonien eines Mozart-Divertimentos hineindonnert und der erste Geiger bei seinen Pianissimostellen gegen das Kühlschrankbrummen der Bar anzukämpfen hat. Ganz ruhig und kontemplativ ist es dafür später in der Observation-Lounge. Hier geht wohl jedem das Herz auf beim Blick aus raumhohen Fenstern hinab auf sanft dahinplätschernde Wellen. Das sehe da unten aus wie ein Teich, sagte eine Dame.

Im oftmals liebevoll gereimten Tagesprogramm stand heute „Bye, bye ,Columbus’ - allzeit gute Fahrt“. Die alte, die erste „Columbus“ liegt jetzt in Nizza. Seit heute gehört sie nicht mehr zu den schwimmenden Herbergen der Reederei. Unser kuscheliges Schiff nähert sich Griechenland mit siebzehn Knoten. Seit Korcula haben wir fast zweihundert Seemeilen zurückgelegt. Das Meerwasser ist neunzehn Grad warm, die Luft zwanzig Grad. Auf Deck elf schauen wir uns die luxuriösen Cabañas direkt unterm Horizont an. Die heißen Rio, Capri oder Monte Carlo und trennen Ruhesuchende beim Sonnen und Relaxen vom Restvolk im Liegestuhl. Sie kosten zwanzig Euro pro Tag und sind natürlich an diesem einzigen Seetag der Reise vollständig ausgebucht.

Lieber Espresso als Schlangestehen

Abends krönt der Planet Venus diesen schönen, entspannten Tag. Genau über unserer Sechs-Quadratmeter-Veranda können wir ihn am Firmament sehen. Ein Glück für jeden, der eine der Heckkabinen bewohnen darf. Eigentlich schaffen es nur das Essen oder Musikdarbietungen, dass wir diese unsere luftige Privatoase verlassen wollen. Schon gar nicht die Aussicht, sich wieder anstellen zu dürfen vor der Seilbahn in Thira - zusammen mit Tausenden von Passagieren jener drei weiteren Ozeangiganten, die neben uns vor der Insel Santorin ihre Anker ausgeworfen haben. Da trinken wir doch lieber in Nafplion auf dem Syntagma-Platz unter mächtigen Ficusbäumen einen Espresso und schlendern durch Gässchen, die mit knallrot blühenden Flamboyant-Büschen bewachsen sind.

Unweigerlich naht der letzte Abend vor dem Ausstieghafen Piräus. Kapitän Jörn Gottschalk gibt den Kreuzfahrern eine Abschiedsbotschaft mit auf den Weg: „Auch wenn stürmische Zeiten auf Sie alle zukommen: Sie werden das Schiff schon schaukeln. Genießen Sie das Leben!“ Irgendwann wird man im täglichen Bordprogramm lesen müssen: Bye, bye, „Columbus 2“. Bis dahin aber ist noch viel Zeit: Die Charter läuft zwei Jahre mit Option für zwei weitere. Und danach werden die zahlreichen MS-Europa-Fans ganz sicher auf die neue MS Europa 2 gehen. Die wird im Jahr 2013 den Kreuzfahrtmarkt mit noch mehr Service, mit noch mehr Luxus bereichern. Ganz zielgruppenaffin, wie es heißt.

Informationen: Die „Columbus 2“ fährt im Frühjahr und im Herbst im Mittelmeer, in den Sommermonaten in die Ostsee und ins Nordland. Im Winter geht die „Columbus 2“ auf Weltreise. Es werden Familienreisen angeboten, spezielle Musik- und Golfkreuzfahrten. Buchungsanfragen an die Reederei Hapag-Lloyd Kreuzfahrten GmbH, Anckelmannsplatz 1, 20537 Hamburg. Telefon: 040/30703070 oder die kostenlose Hotline 0800/225555.

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