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Fahrkartenkontrolle : Jedes Kind kennt diesen Mann

  • -Aktualisiert am

So müssten Kontrolleure immer sein: Kazim Akboga präsentiert seine Version der Berliner Toleranz und die Welt liebt in dafür. Bild: Berliner Verkehrsbetriebe (BVG)

„Is mir egal“, singt Kazim Akboga im BVG-Video und meint: Hier kann jeder sein, wie er mag.

          Er kam nur für einen Job nach Berlin, und das auch erst vor drei Jahren. Kazim Akboga ließ sich in Neukölln nieder und ging brav zur Arbeit. Werbetexter in einer Kreuzberger Agentur, für viele ein Traum. Aber seiner dann doch nicht: „Es war zu stressig“, sagt er, und so sei er irgendwann einfach zu Hause geblieben. Er spielte lieber einen Song ein, eine aus zwei Tönen bestehende Dada-Nummer mit Zeilen wie „Keine Arbeit - is mir egal. Keine Geld - is mir egal.“ Schon diese erste Version wurde millionenfach angesehen. „Eher so aus der Gemeinschaft mit Migrationshintergrund“, sagt Akboga. „Erst heute kennen mich alle in Berlin.“ Denn er nahm seinen Song noch mal auf, mit einem aufwendig produzierten Video, als Untergrund-Werbung für die Verkehrsbetriebe der Stadt.

          Zwiebelschneiden, Käsereiben

          Darin schreitet Akboga in der Uniform eines Schaffners durch die U-Bahn und sieht, was es in Berlin (angeblich) so gibt: Dragqueens und Gruftis, mexikanische Bands, Halbnackte, Sofas, Pferde, Akrobaten, Tänzer. All das ist „egal“, verkündet der nuschelige Singsang, Hauptsache, alle haben eine Fahrkarte.

          Für die Berliner Verkehrsbetriebe BVG ist der Clip ein Geniestreich. Er wurde von der Hamburger Werbeagentur geplant und gedreht, die auch schon Friedrich Liechtenstein in einen Edeka-Spot gebracht hat. Die BVG leiden bisher unter einem enorm schlechten Image, was mit ständigen Preiserhöhungen oder aggressiv auftretenden Kontrolleuren zu tun hat. Teile von Ringbahn, U7 oder U1 verbindet man mit Gestank, Überfüllung und Lärm. Und immer wieder ist zu lesen, dass etwa entlang und auch in der U8 intensiv harte Drogen gedealt würden.

          Nun auf einmal trällern Kinder das Lied der BVG, und es ist auf allen Berliner Schulhöfen bekannt.

          „Oma mit Gruftis, is mir egal,“, singt Akboga im BVG-Video
          „Oma mit Gruftis, is mir egal,“, singt Akboga im BVG-Video : Bild: Berliner Verkehrsbetriebe (BVG)

          „Mann macht Umzug - is mir egal / Mann auf Pferd - is mir egal / Mann auf Mann - is mir egal / Is mir egal, egal / Strip-ti-rip-tease - is mir egal / Oma mit Gruftis - is mir egal / Bart an Ladies - is mir egal / Is mir egal, egal / Zwiebel schneiden - is mir egal / Käse reiben - is mir egal / Roboter mit Senf - is mir egal / Is mir egal, egal.“ Zu diesem Text singt, tanzt und wackelt Akboga durch das Video, das sich auch als Parodie des üblicherweise eher humorlosen Hiphop ansehen lässt. Auf langen Silben fügt er eine türkische Verzierung ein, das ist das Erbe seines Vaters, der „auch Musiker ist und alle möglichen Instrumente spielt“. Übrigens sei der wahnsinnig stolz auf seinen Sohn. Akboga ist in Schweinfurt aufgewachsen, als Sohn türkischer Einwanderer, aber der Slang und die Kanak-Sprak-Grammatik sind Parodie wie alles andere an seiner Kunstfigur. Der echte Akboga spricht ganz normal und durchaus besonnen. Er lebt in der Weserstraße, einer beliebten Kneipen-Meile der Stadt, geht aber selbst gar nicht aus.

          Deutschland holt das Pokal?

          Nun hat er ein neues Video gedreht, diesmal auf dem traditionsreichen Ernst-Reuter-Sportfeld in Zehlendorf. Was dort entstand und diese Woche online gehen soll, ist sein Song zur Fußball-Europameisterschaft, die am 10. Juni beginnt. Wie er heißen soll, wisse Akboga noch nicht ganz genau. Entweder „Deutschland ist eine gutes Land“ oder „Deutschland holt das Pokal“. Das mache er alles aus Spaß. „Einen Erfolg wie ,Is mir egal‘ kann man nicht planen. Der kommt, wenn die Sache von Herzen kommt. Und wenn sie ein bisschen spontan und unsinnig ist.“

          In der Werbeagentur, die er damals wegen der drastischen Arbeitszeiten wortlos verließ, hatte er seine Songs auch angeboten. Die Kollegen wollten sich das aber nicht anhören. Sie dürften später schwer erstaunt wahrgenommen haben, das genau damit das gelang, was alle Werber sich wünschen: der ganz große virale Hit. Ein paar Leute aus einer Kreuzberger Agentur sind damit sicher die Einzigen, die sich ärgern, wenn sie Akboga sehen. Der Rest der Stadt liebt ihn.

          Mehr im Netz unter youtube.com/KazimAkboga

          Quelle: F.A.S.

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