http://www.faz.net/-gxh-85na6

Kanu-Safari auf dem Sambesi : Hippo aktiv

Nilpferde leben meist in kleinen Herden. Ihr Revier verteidigen sie nicht nur gegen Artgenossen. Bild: David Klaubert

Vorfahrt für Nilpferde: Wer mit dem Kanu auf dem Sambesi unterwegs ist, sollte sich an die Spielregeln der Wildnis halten.

          Der Beat dieser Reise geht so: tock-tock. Metallener Paddelschaft auf Kunststoffboot. Tock-tock-tock. Darüber legen sich die Klänge des Sambesi: Blubbern, Rauschen. Das hysterische Kreischen des afrikanischen Seeadlers. Das Zischen, Zirpen, Ziepen der Nacht. Das Brüllen der Löwen. Den Rhythmus aber gibt unser Führer vor. Tock-tock. Alle paar Minuten wiederholt er sein Klopfen. Tock-tock-tock. Es soll uns die größte Gefahr dieser Flussfahrt vom Leib halten: Nilpferde.

          David Klaubert

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Los geht es im Grenzkaff Chirundu, ganz im Norden Zimbabwes. 1700 Kilometer hat der Sambesi hier schon zurückgelegt. Er führt Wasser aus dem Kongo, aus Sambia, Angola, Namibia und Botswana. Er ist die Victoriafälle hinabgestürzt, hat im Kariba-Stausee gelegen, und er hat noch 1000 Kilometer bis zum Indischen Ozean vor sich. 70 Kilometer weit wollen wir ihn begleiten, in den Mana-Pools-Nationalpark, Weltnaturerbe, Wildnis.

          Schon vor der Abfahrt in Chirundu begegnen uns die ersten Elefanten. Drei an der Tankstelle. Sie stehen da und grasen, mit der gleichen Selbstverständlichkeit, wie die überladenen Trucks daneben warten, dass der Zoll sie endlich auf die Brücke nach Sambia lässt.

          Nicht weniger behäbig ist unser Kanu, so bepackt ist es. Wir müssen die Verpflegung für drei Tage mitnehmen, Kocher, Campingstühle, Tisch und Zelt. Schwer wie ein Tanker liegen wir im Wasser. Die Strömung schiebt uns langsam an, geradewegs auf den ersten Baumstamm zu. Wir versuchen zu steuern, paddeln rechts, paddeln links. Wir drehen uns in Zeitlupe. Und bleiben seitlich an dem umspülten Stamm hängen. Wellen schwappen in unser Kanu, panische Gedanken durch unsere Köpfe.

          Links Sambia, rechts Zimbabwe: Der Sambesi ist einer der größten Flüsse Afrikas. Bilderstrecke
          Links Sambia, rechts Zimbabwe: Der Sambesi ist einer der größten Flüsse Afrikas. :

          Keine fünf Minuten ist es her, dass unser Führer Taps, der eigentlich Tapiwa Masawi heißt, die Touristen aber nicht auch noch mit seinem vollen Namen überfordern will, uns vor den Gefahren des Sambesi gewarnt hat: 1. Die Sonne. Bitte immer eincremen. Und einen Hut auf den Kopf. 2. Krokodile. Deshalb: absolutes Badeverbot. Arme und Beine nicht ins Wasser hängen. Falls das Kanu kentert, nicht wild strampeln. Keine Panik. Keine Panik? Wir paddeln wild. Die Strömung dreht uns um den Stamm herum. Und wir treiben weiter. Tock-tock.

          Nilpferde sind territoriale Tiere, das haben wir im dritten Teil der Sicherheitseinweisung gelernt. Sie verteidigen ihr Revier nicht nur gegen Artgenossen, sondern auch gegen Kanus. Sie leben meist in kleinen Herden. Sie faulenzen und schlafen den ganzen Tag. Sie hängen im Fluss herum, obwohl sie nicht richtig schwimmen können. Sie fläzen sich ins seichte Wasser oder auf den Flussgrund. Fünf Minuten lang können sie die Luft anhalten.

          Damit wir keinem Nilpferd auf Tauchgang in die Quere kommen, versucht Taps, sie aufzuschrecken. Mal klopft er mit dem Paddelschaft auf die Oberkante, mal mit dem Blatt gegen die Seite des Kanus. Die türkisgrüne Farbe dort blättert schon ab. Tock-Tock. Und tatsächlich ploppen da, wo erst nur ein einzelner dunkler Fleck war, plötzlich mehrere Nilpferdköpfe aus dem Wasser. Breite Schnauzen, Segelohren und dazwischen Glubschaugen, die uns argwöhnisch mustern. Irgendwie putzig, wüssten wir nicht, dass dazu massige Körper gehören. 3000 Kilo Kampfgewicht.

          So paddeln wir hinter Taps her wie ein Entenküken hinter der Mutter. Wir folgen ihm in großem Bogen um die glotzenden Köpfe herum. Manche drehen sich langsam mit, die Augen gerade über dem Wasserspiegel. Manche verschwinden so plötzlich, wie sie aufgetaucht sind. Wir stellen uns vor, wie sie angriffslustig über den Flussgrund trampeln. Irgendwo unter uns.

          Am späten Nachmittag erreichen wir eine Insel, die so groß ist, dass wir sie erst gar nicht als Insel erkennen. Ihr Ufer ist steil. Wir ziehen unsere Kanus an Land. Taps klettert nach oben, schaut hinter die Büsche rundum, dann verkündet er: alles sicher. Wir bauen auf dem feinen, hellen Sand unser Zweimannzelt auf. Nur das Innenzelt, die Außenhülle lassen wir weg, schließlich ist der Himmel wolkenlos. Das Licht der Abendsonne wird erst diffuser. Dann goldgelb. Sanftrot. Ein kitschiges Spektakel, untermalt vom basstiefen Grunzen der Nilpferde.

          Weitere Themen

          Delikatesse Vogelspinne Video-Seite öffnen

          Der Tarantula-Burger : Delikatesse Vogelspinne

          In Kambodscha gibt es diese Spinnenart als Streetfood-Variante. Warum sollte sie dann nicht auch in einem Burger landen? Das Restaurant ist für solche Aktionen berüchtigt: Hier wurden auch schon Krokodile, Kamele oder Schlangen serviert.

          Mindestens Elf Tote vor Drachenbootfest

          China : Mindestens Elf Tote vor Drachenbootfest

          Das Drachenbootfest gehört zu den wichtigsten Feierlichkeiten in China. In schmuckvollen Booten treten Paddler gegeneinander an. Beim Training kentern zwei Boote an einer künstlichen Stromschnelle.

          Topmeldungen

          Die Wahl von Nahles : Die SPD in der Sackgasse

          Andrea Nahles führt eine unversöhnte Partei mit ersten Anzeichen akuter Selbstzerstörung. Der SPD droht ähnlich wie der Linkspartei eine Zukunft als politische Sekte. Ein Kommentar.
          Der Freiburger Oberbürgermeister Dieter Salomon (Grüne) unterliegt im ersten Wahlgang der OB-Wahl seinem Herausforderer Martin Horn (parteilos).

          Freiburg : Oberbürgermeister Salomon unterliegt in erster Wahlrunde

          Freiburgs amtierender Oberbürgermeister Salomon nennt es einen Denkzettel. In der ersten Runde der OB-Wahl schafft der Grünen-Politiker es nur auf Platz zwei. Sieger ist der erst 33 Jahre alte Martin Horn.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.