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Aktualisiert: 14.07.2015, 15:35 Uhr

Kanu-Safari auf dem Sambesi Hippo aktiv

Vorfahrt für Nilpferde: Wer mit dem Kanu auf dem Sambesi unterwegs ist, sollte sich an die Spielregeln der Wildnis halten.

von , Chirundu
© David Klaubert Nilpferde leben meist in kleinen Herden. Ihr Revier verteidigen sie nicht nur gegen Artgenossen.

Der Beat dieser Reise geht so: tock-tock. Metallener Paddelschaft auf Kunststoffboot. Tock-tock-tock. Darüber legen sich die Klänge des Sambesi: Blubbern, Rauschen. Das hysterische Kreischen des afrikanischen Seeadlers. Das Zischen, Zirpen, Ziepen der Nacht. Das Brüllen der Löwen. Den Rhythmus aber gibt unser Führer vor. Tock-tock. Alle paar Minuten wiederholt er sein Klopfen. Tock-tock-tock. Es soll uns die größte Gefahr dieser Flussfahrt vom Leib halten: Nilpferde.

David Klaubert Folgen:

Los geht es im Grenzkaff Chirundu, ganz im Norden Zimbabwes. 1700 Kilometer hat der Sambesi hier schon zurückgelegt. Er führt Wasser aus dem Kongo, aus Sambia, Angola, Namibia und Botswana. Er ist die Victoriafälle hinabgestürzt, hat im Kariba-Stausee gelegen, und er hat noch 1000 Kilometer bis zum Indischen Ozean vor sich. 70 Kilometer weit wollen wir ihn begleiten, in den Mana-Pools-Nationalpark, Weltnaturerbe, Wildnis.

Schon vor der Abfahrt in Chirundu begegnen uns die ersten Elefanten. Drei an der Tankstelle. Sie stehen da und grasen, mit der gleichen Selbstverständlichkeit, wie die überladenen Trucks daneben warten, dass der Zoll sie endlich auf die Brücke nach Sambia lässt.

Nicht weniger behäbig ist unser Kanu, so bepackt ist es. Wir müssen die Verpflegung für drei Tage mitnehmen, Kocher, Campingstühle, Tisch und Zelt. Schwer wie ein Tanker liegen wir im Wasser. Die Strömung schiebt uns langsam an, geradewegs auf den ersten Baumstamm zu. Wir versuchen zu steuern, paddeln rechts, paddeln links. Wir drehen uns in Zeitlupe. Und bleiben seitlich an dem umspülten Stamm hängen. Wellen schwappen in unser Kanu, panische Gedanken durch unsere Köpfe.

Kanu-Safari auf dem Sambesi Links Sambia, rechts Zimbabwe: Der Sambesi ist einer der größten Flüsse Afrikas. © David Klaubert Bilderstrecke 

Keine fünf Minuten ist es her, dass unser Führer Taps, der eigentlich Tapiwa Masawi heißt, die Touristen aber nicht auch noch mit seinem vollen Namen überfordern will, uns vor den Gefahren des Sambesi gewarnt hat: 1. Die Sonne. Bitte immer eincremen. Und einen Hut auf den Kopf. 2. Krokodile. Deshalb: absolutes Badeverbot. Arme und Beine nicht ins Wasser hängen. Falls das Kanu kentert, nicht wild strampeln. Keine Panik. Keine Panik? Wir paddeln wild. Die Strömung dreht uns um den Stamm herum. Und wir treiben weiter. Tock-tock.

Nilpferde sind territoriale Tiere, das haben wir im dritten Teil der Sicherheitseinweisung gelernt. Sie verteidigen ihr Revier nicht nur gegen Artgenossen, sondern auch gegen Kanus. Sie leben meist in kleinen Herden. Sie faulenzen und schlafen den ganzen Tag. Sie hängen im Fluss herum, obwohl sie nicht richtig schwimmen können. Sie fläzen sich ins seichte Wasser oder auf den Flussgrund. Fünf Minuten lang können sie die Luft anhalten.

Damit wir keinem Nilpferd auf Tauchgang in die Quere kommen, versucht Taps, sie aufzuschrecken. Mal klopft er mit dem Paddelschaft auf die Oberkante, mal mit dem Blatt gegen die Seite des Kanus. Die türkisgrüne Farbe dort blättert schon ab. Tock-Tock. Und tatsächlich ploppen da, wo erst nur ein einzelner dunkler Fleck war, plötzlich mehrere Nilpferdköpfe aus dem Wasser. Breite Schnauzen, Segelohren und dazwischen Glubschaugen, die uns argwöhnisch mustern. Irgendwie putzig, wüssten wir nicht, dass dazu massige Körper gehören. 3000 Kilo Kampfgewicht.

So paddeln wir hinter Taps her wie ein Entenküken hinter der Mutter. Wir folgen ihm in großem Bogen um die glotzenden Köpfe herum. Manche drehen sich langsam mit, die Augen gerade über dem Wasserspiegel. Manche verschwinden so plötzlich, wie sie aufgetaucht sind. Wir stellen uns vor, wie sie angriffslustig über den Flussgrund trampeln. Irgendwo unter uns.

Am späten Nachmittag erreichen wir eine Insel, die so groß ist, dass wir sie erst gar nicht als Insel erkennen. Ihr Ufer ist steil. Wir ziehen unsere Kanus an Land. Taps klettert nach oben, schaut hinter die Büsche rundum, dann verkündet er: alles sicher. Wir bauen auf dem feinen, hellen Sand unser Zweimannzelt auf. Nur das Innenzelt, die Außenhülle lassen wir weg, schließlich ist der Himmel wolkenlos. Das Licht der Abendsonne wird erst diffuser. Dann goldgelb. Sanftrot. Ein kitschiges Spektakel, untermalt vom basstiefen Grunzen der Nilpferde.

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