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Kanaren : Kein Haus darf höher als die Palmen sein

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Manrique wollte Lanzarote in einen der schönsten Orte der Welt verwandeln. Wäre der Massentourismus nicht über die Insel gekommen, wäre es ihm vielleicht geglückt. Bild: Elke Sturmhoebel

Auch fünfundzwanzig Jahre nach seinem Tod prägt der Architekt und Künstler César Manrique die Kanareninsel Lanzarote. Mit der touristischen Entwicklung seither hätte er vermutlich ein Problem.

          Mit jeder Spitzkehre rückt das zauberhafte Haría ein Stückchen näher. Schon der Blick auf das Tal der tausend Palmen, das wir ansteuern, ist besonders auf Lanzarote. Nirgendwo sonst auf der Vulkaninsel grünt es so wie hier. Die malerische Lage und die fruchtbare Umgebung mögen der Grund gewesen sein, weshalb Haría im 19. Jahrhundert zum Sitz einer gesetzgebenden Versammlung gewählt wurde. Aus dieser Zeit stammen das klassizistische Rathaus und die strahlend weißen Bürgerhäuser rund um die Plaza de la Constitución. Nebenan auf der Plaza León y Castillo spielen Kinder im Schatten der Lorbeerbäume, und vor dem Café treffen sich Bewohner zu einem Plausch. Ab und an schlendern Touristen den langgestreckten Platz hoch bis zur Pfarrkirche und wieder zurück. Haría ist tatsächlich ein wunderschöner Ort, um zu verweilen.

          Massentourismus gibt es hier nicht. „Nur eine Pension, eine kleine Apartmentanlage, aber kein Hotel“, sagt Bettina Bork. Dabei könne der Ort durchaus einige Gästebetten mehr vertragen. „Illegale Hotels an der Küste werden geduldet. Für Privatquartiere hingegen gibt es keine Genehmigung“, empört sich die Architektin, die in Haría eine Bügerinitiative anführt und für einen sanften Tourismus kämpft, von dem die ländliche Bevölkerung profitiert. „Die Vermietung von Zimmern würde den kleinen Leuten ein Einkommen verschaffen und die Landwirtschaft fördern“, erklärt sie. Viele in Haría lebten am Rande des Existenzminimums.

          Letzte Ruhe zwischen Dattelpalme und Kaktus

          Bettina Bork, die in Aachen Architektur studierte, kam vor gut dreißig Jahren nach Lanzarote, wurde zunächst Schülerin und dann Mitarbeiterin von César Manrique. In Haría betreibt sie das Zentrum „Arte de Obra“ und sieht sich damit in der Tradition des verstorbenen Künstlers und Architekten, der 1974 in der Hauptstadt Arrecife das „El Almacén“ eröffnete. An das Studienhaus und den Treffpunkt für Kunstinteressierte hat sie noch gute Erinnerungen. Im „Arte de Obra“ fördert auch sie den Kulturaustausch, veranstaltet unter anderem Workshops für hiesige und ausländische Studenten. Drei hübsche Gästezimmer stehen den Teilnehmern in dem Haus zur Verfügung. Auch Individualtouristen können sich dort einquartieren. Interesse an Kunst und Kultur sollte man allerdings mitbringen. Aber das tun ohnehin alle, die nach Haría kommen.

          Das authentische Lanzarote findet sich abseits der Shoppingmalls und Bettenburgen.
          Das authentische Lanzarote findet sich abseits der Shoppingmalls und Bettenburgen. : Bild: Elke Sturmhoebel

          Denn hier verbrachte César Manrique seine letzten sechs Lebensjahre. Auf dem Friedhof am Ortsrand wurde der Künstler 1992 begraben, in einem schlichten, mit Lavasteinen eingefassten Grab zwischen einer kanarischen Dattelpalme und einem vier Meter hohen Kaktus. Seit 2013 gibt es mit der Casa Manrique eine weitere Station auf dem Manrique-Trail. Schon lange bevor das Casa Museo öffnet, versammeln sich viele Besucher vor der Pforte und warten auf Einlass, denn die Besucherzahl ist begrenzt. Wie alles, was Manrique auf Lanzarote anfasste, erfreut sich auch sein ehemaliges Wohnhaus in Haría großer Beliebtheit.

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