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Japan : In fremden Kreisen

  • -Aktualisiert am

Steingarten des Ryoan-ji in Kyoto Bild: Stefan Nink

Eine Rundreise durch Japan - und der Versuch, das Land nicht zu verstehen. Mit Hirschen, Bären und viel Lärm

          Hammermäßig, was die hier so frühstücken: Brötchen mit warmer Esskastaniencreme-Füllung. Das lässt sich mal gut an mit diesem Japan! Frühmorgens angekommen, schnell beim Airportbäcker vorbei und gleich ein kulinarisches Highlight erwischt. Draußen vor dem Zugfenster zischt ein blass hingetuschtes Reisfeld-Hügel-Bambushain-Panorama vorbei, drinnen sind noch drei Brötchen in der Tüte. Leider schmeckt das nächste ganz merkwürdig, und die Füllung sieht auch ziemlich komisch aus, eher wie geschredderter Oktopus. Und im nächsten steckt eine kleine Wurst. Das letzte breche ich vorsichtshalber auseinander, bevor ich reinbeiße. Zum Glück. „Iiih!“, meint die Frau im Sitz gegenüber, sieht dabei aber aus, als würde sie mir das Ding am liebsten aus der Hand reißen. Hat auch gar nicht „Iiih!“, sondern „Eel!“ gesagt und liebt Aalbrötchen. Ich nicht. Auch nicht um sechs Uhr morgens. Ärgere mich sofort, im Duty-free nicht doch die Kitkat-Sonderedition „Grüner Tee“ gekauft zu haben.

          Jetlagspaziergang

          Mit so einem Jetlag ist man ja oft etwas überempfindlich, aber es ist schon wirklich krass laut in Tokio. An der Kreuzung hinter meinem Hotel sind sämtliche Hochhausfassaden mit Werbescreens zugekleistert. Gibt es ja auch in anderen Städten. In Tokio allerdings hat man beschlossen, auch noch die passenden Hochleistungslautsprecher zu montieren. Den ganzen Tag über plärren Teeniebands von mindestens siebzehn Screens. Auf anderen werden Handys angepriesen und Kartoffelchips mit Seetanggeschmack, und aus 1017 weiteren Lautsprechern an Lampenpfosten und Hauswänden kommen die Werbebotschaften der Läden dazu. Das alles ist so katastrophal kakophonisch laut, dass die Menschen am Zebrastreifen wie traumatisiert ins Leere starren. Manchmal verpassen sie sogar die Grünphase. Das nutzen die Werbegirls der großen Geschäfte heimtückisch aus und rücken mit Flyern und Megaphonen an, um den Fußgängern noch schnell die aktuellen Sonderangebote ins Ohr zu kreischen. Zum Glück fahre ich morgen nach Kyoto. Da ist es bestimmt ruhiger.

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