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Tropischer Magnetismus : So schlägt das Herz

Get up, stand up, don’t give up the fight

Eine Woche lang rennen, springen, werfen und stoßen die besten Mädchen und Jungen aller Highschools im Land um ihr Leben. Denn es gibt zwei Wege auf Jamaika, dem Elend oder dem Mittelmaß zu entkommen: Musik oder Sport. Das Stadion ist schon mittags voll: Väter platzen fast vor Stolz, Großmütter füttern ihre Enkel mit mitgebrachten Sandwiches, Schulkinder feuern ihre Mitschüler an, Sponsoren und Scouts telefonieren. Christopher Taylor, der gerade 18 wurde, brach in diesem Jahr gleich mehrere Rekorde, und es wirkte fast ein bisschen frivol, wie er kurz vor der Ziellinie noch Zeit fand, sich nach hinten umzudrehen. Get up, stand up, don’t give up the fight.

Überseecontainer geben ein Zuhause: Zumindest die Barbetreiber und Gemüsehändler kommen in diesen Behausungen unter.
Überseecontainer geben ein Zuhause: Zumindest die Barbetreiber und Gemüsehändler kommen in diesen Behausungen unter. : Bild: Lineair / FOTOFINDER.COM

Auch Firstman kämpft. „Wir müssen das System ändern“, sagt er, nachdem er uns auf einer grünen Wiese etwas außerhalb Montego Bays abgeholt hat und uns den Hügel hinauf durch einen keinen Fluss in das sogenannte Rastavillage geführt hat. Nicht ohne sich genau nach unseren Motiven für diese Reise erkundigt zu haben. Ein Freund hatte uns empfohlen – ohne Voranmeldung und Prüfung durch die Rasta-Gemeinschaft führt kein Weg hierher. Firstman trägt eine Art Jute-Umhang und ein großes Lächeln, mit dem er uns zum „National“ führt. Er hat vor über 20 Jahren diese Kommune gegründet, um im Einklang mit der Natur und seinen Überzeugungen zu leben: „Ich haben keinen Chef, und ich arbeite auch nicht für Geld“, sagt der 63-Jährige und grinst. „Ich stelle Dinge her, um Geld anzulocken!“ Das Holz für seine Trommeln sucht er im Wald, und er fällt dafür keinen Baum, greift auf umgestürzte Bäume zurück. Wie alle Anhänger der Rastafari-Bewegung ernährt er sich „ital“, wie es die Bibel vorgibt, keine industriell verarbeiteten Lebensmittel, vegetarisch bis vegan, möglichst salzlos und auf jeden Fall ohne Alkohol und Tabak. Firstman, der früher im Baugewerbe und Tourismus gearbeitet hat, würde niemals Jerk Chicken, Grillhähnchen mit Soße, anrühren oder gar zu KFC gehen, deren Filialen es überall auf der Insel gibt.

„Das ist „Babylon“, wie Rastafaris alles Übel in der Welt nennen. Der Begriff geht auf Ras Tafari zurück, der später als Kaiser von Äthiopien den Namen Haile Selassie annahm und von Rastas gottgleich verehrt wird. Dafür wiederum ist Marcus Garvey verantwortlich, jamaikanischer Publizist und Gründer der Universal Negro Improvemant Association; er soll in den 1930ern prophezeit haben, dass ein schwarzer König in Afrika gekrönt wird und mit dessen Hilfe die Unterdrückung der Schwarzen ihr Ende findet und sie wieder Gottes ausgewähltes Volk würden. Firstman lehnt Materialismus ab und er sagt „Hore-ism“, wenn er von „tourism“ spricht. Zum Abschied merkt er an, dass wir das System heilen können: „We just have to add love.“ Und: „One love“ meine nicht einfach nur Liebe, sondern die Einheit und Eintracht aller göttlichen Dinge.

Wir brechen auf, denn es wird bald dunkel und nach Negril ist noch drei Stunden Fahrt. Wir nehmen organisch produzierte Seife, blessings (Segen) und ein Gefühl von Frieden und Hoffnung mit.

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