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Tropischer Magnetismus : So schlägt das Herz

Ras Malekot ist Reggaemusiker, Rastafari und vor allem Philosoph
Ras Malekot ist Reggaemusiker, Rastafari und vor allem Philosoph : Bild: Carlo Less

Das „Round Hill“ ist zwar nicht das älteste Hotel der Karibik, aber bestimmt eines der elegantesten und altmodischsten, wobei hier der englische Ausdruck old fashioned, mit Betonung auf fashion, der bessere Ausdruck ist. Es liegt nur 20 Fahrminuten vom Flughafen Montego Bay entfernt, der Fahrer gleitet auf einem geteerten Weg den Hügel herab, zwischen weißen Holzvillen mit schwarzen Schindeldächern hindurch, vorbei an blühenden Hecken und Palmen auf ein Gebäude zu, das aussieht wie eine sehr feine Boutique im Beverly Hills der sechziger Jahre: grün-weiß-gestreifte Markisen vor den Fenstern, vor dem Schmuckkästchen steht ein Mann in einem türkisfarbigen Jackett und lächelt milde, Kingsley Blake, der Concierge. Seit mehr als 40 Jahren arbeitet er hier, sein Jackett schimmert, als hätte jeder der glamourösen Gäste, die hier auch in den vergangenen Jahren ihre Ferien verbracht haben, ein bisschen Glanz zurückgelassen, und die Atmosphäre ist so, dass man sich überhaupt nicht wundern würde, wenn Jackie und John F. Kennedy gleich die schwarz-weiß geflieste Lobby betreten und mit ihren Tennisschlägern in den Korbstühlen der Lobby Platz nehmen würden. Sie haben einen Teil ihres Honeymoons in der damals neuen Hotelanlage verbracht. Ian Fleming, Grace Kelly, Alfred Hitchcock, Prinzessin Margaret waren auch zu Gast, Cole Porter sang an der Bar, und Oscar Hammerstein arbeitete hier an „Sound of Music“. Wer es sich leisten kann, feiert hier auch heutzutage noch Hochzeit. Es gibt einen eigenen Weddingplanner, obwohl das Hotel mit 27 Cottages und 36 Hotelzimmern, die unter Ralph Laurens Federführung aufgemöbelt wurden, eher klein ist, jedenfalls für jamaikanische Verhältnisse.

Die „Solomonic Mall“ im Rastavillage bei Montegobay.
Die „Solomonic Mall“ im Rastavillage bei Montegobay. : Bild: Barbara Liepert

Von Kingsley oder einem seiner Kollegen würde man niemals erfahren, wer Braut, Bräutigam oder Gäste sind. Dass im vergangenen Frühjahr grobkörnige Fotos von Prinz Harry in der Klatschpresse erschienen sind, will Josef Forstmayr, der Hoteldirektor, gar nicht weiter kommentieren. Dass das „Round Hill“ trotz aller Grandezza familiär und understated wirkt, liegt an den Mitarbeitern, die ähnlich wie die Miteigentümer schon in der dritten Generation auf dem grünen Hügel sind, aber wohl auch am österreichischen Chef. Forstmayr setzte 1979, gerade fertig mit dem Studium, zum ersten Mal seinen Fuß in den puderzuckerfeinen Sand von Negril, traf ein paar unglaublich herzliche Leute und stellte fest: it feels alright. Er blieb. Seine Korrespondenz beschließt er seit den achtziger Jahren mit „One love“. In all den Jahren sind ihm die Schattenseiten – Armut, Kriminalität, Rassismus, Homophobie – nicht verborgen geblieben, aber mit Respekt, Toleranz und genug Liebe sei vieles möglich. Galt die Rastafari-Bewegung früher noch als potentiell gefährlicher Haufen von Umstürzlern, so sind Rastakultur und allem voran ihr größter Promoter Bob Marley heute Jamaikas größter Stolz. Gleich danach kommt Usain Bolt. Aber es könnte sein, dass schon bald ein schnellerer Jamaikaner an die Hauswände von Kingston gemalt wird. Und es gibt einen Ort, wo die gesamte Nation nach dem nächsten Beschleunigungswunder Ausschau hält: The Champs. Die Oberschulmeisterschaften finden jedes Jahr Ende März statt - in der gesamten Hauptstadt gibt es dann kein freies Bett mehr. Tausende von US-Jamaikaner fliegen ein, um „ihr“ Team anzufeuern, auch wenn sie gar nicht auf der Insel zur Schule gegangen sind. 

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