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Jack Wolfskin Wolfstatzen allerorten

17.07.2009 ·  Kein Kaufhaus, größeres Versandunternehmen oder Sportwarenladen kann es sich noch leisten, auf Outdoor-Produkte zu verzichten: Der Markt wächst selbst im Krisenjahr 2009. Leitwolf Jack Wolfskin will die Meute weiter anführen.

Von Holger Paul
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Das schulterlange graue Haar passt schon deshalb perfekt zu Manfred Hell, weil der Chef des Outdoor-Bekleidungsunternehmens Jack Wolfskin sich durchaus als Leitwolf sieht - für seine Marke, aber auch für die gesamte Branche. Nicht nur, weil Hell mit seinem Konterfei und seinen Reiseberichten aus Sibirien oder Patagonien die ersten Seiten des eigenen Katalogs prägt und damit der ganzen Zunft ein Gesicht gibt.

Als der einstige Literaturstudent vor 16 Jahren in Heidelberg den ersten Jack-Wolfskin-Laden eröffnete, waren Allwetterjacken oder Trekkingschuhe noch Nischenprodukte, die nur in Bergsteigerläden oder in den hinteren Regalen der großen Warenhäuser zu finden waren. Inzwischen gehört die Outdoor-Bekleidung zu den wenigen Konsumartikeln, welche Jahr für Jahr stärker nachgefragt werden. Längst ist sie im Alltag der Menschen angekommen. „Wir haben diesen Markt mit aufgebaut und massenfähig gemacht“, sagt Hell selbstbewusst.

6 bis 7 Milliarden Euro Umsatz in Europa

Kein Kaufhaus, Sportwarenladen oder größeres Versandunternehmen kann es sich heute noch leisten, auf Outdoor-Produkte zu verzichten. Mehr als 1,5 Milliarden Euro setzt die Branche in Deutschland inzwischen im Jahr schätzungsweise um - in Europa sind es 6 bis 7 Milliarden Euro. Innerhalb des großen Sportartikelmarkts sind die Wander- und Bergklamotten zum wichtigsten Segment mit einem Anteil von rund 20 Prozent geworden. Kein Wunder, dass die Stimmung auf der wichtigsten Fachmesse - der Outdoor in Friedrichshafen - auch in diesem Jahr auffallend gut sein dürfte. An diesem Donnerstag öffnet sie ihre Pforten. Mehr als 800 Aussteller werden sich dem Fachpublikum präsentieren. „Der Trend zum aktiveren Leben wird durch die Rezession nicht gebrochen“, sagt Hell.

Obwohl der Jack-Wolfskin-Chef und seine Wettbewerber in erster Linie auf die Qualität ihrer Produkte setzen und sich nicht als Teil einer Modeszene sehen, finden es immer mehr Menschen schick, mit einer mehrere hundert Euro teuren Allwetterjacke durch die Innenstadt zu flanieren. „Outdoor ist ein boomender Markt und hat seine besten Zeiten wahrscheinlich noch vor sich“, bescheinigt das Zukunftsinstitut von Matthias Horx der Branche rechtzeitig zur Messeeröffnung. Alle wollten bis ins hohe Alter hinein fit und gesund bleiben, und genau dieses vorteilhafte Image verkörpere die Outdoorbranche.

Vorwürfe von Nichtregierungsorganisationen

Da lässt es sich auch verkraften, dass die Hersteller immer wieder von Nichtregierungsorganisationen mit dem Vorwurf konfrontiert werden, die Kleidungsstücke würden in Billiglohnländern zum Teil unter unwürdigen Arbeitsbedingungen hergestellt. Auch anlässlich der Outdoor 2009 wird es solche Proteste geben, auf welche die Markenartikler entgegnen, dass die Einhaltung von Mindestvorschriften in ihren asiatischen Werken streng kontrolliert werde.

Als deutscher und europäischer Marktführer tritt Jack Wolfskin in Friedrichshafen selbstverständlich mit dem größten Stand aller Aussteller auf, obwohl die Messe nach Hells Geschmack zu spät im Jahr liegt. Der Handel ordere die Sommer- und Winterware immer früher, erläutert er. Schon jetzt seien die Neuheiten für den Winter 2010/11 in Arbeit. Jeder sechste Deutsche, so ergab die hauseigene Marktforschung, hat bereits ein Produkt mit dem Wolfstatzenlogo im Schrank. Aber damit sei die Grenze noch längst nicht erreicht, erklärt Hell. Ein Drittel der Deutschen als Jack-Wolfskin-Träger - das kann er sich gut vorstellen.

„Ich habe Respekt vor den Plänen von Adidas oder Puma“

Daher gibt der bekennende Rockmusikfan und Anhänger des 1. FC Köln auch jährlich einen deutlich zweistelligen Millionenbetrag aus, um Jack-Wolfskin-Werbung in den Bundesliga-Stadien und der Sportschau zu präsentieren - oder auf den Leibchen der Springer während der Vierschanzentournee. Das Sendungsbewusstsein von Jack Wolfskin komme am Ende der gesamten Branche entgegen, da es die Kunden auf Outdoor-Bekleidung generell aufmerksam mache, ist er sich sicher: „Wir verdrängen den einen oder anderen vielleicht vom Markt, aber wir machen den Markt insgesamt auch größer.“ So groß, dass die beiden Sportartikelkonzerne Puma und Adidas nun ein weiteres Mal ernsthaft versuchen wollen, daran teilzuhaben. „Sollen sie doch“, ist von den vielen etablierten mittelständischen Outdoor-Firmen als Antwort zu hören, die sich sicher sind, den Markt und die Kunden gut genug im Griff zu haben. Auch Hell teilt diese Ansicht. „Ich habe Respekt vor den Plänen von Adidas oder Puma, aber wir haben genug Glaubwürdigkeit und Know-how, dass wir ihren Vorstoß nicht fürchten müssen“, sagt er.

Für Manfred Hell hat sich das unternehmerische Risiko, mit qualitativ hochwertigen Textilien eine eigene Ladenkette zusätzlich zum Vertrieb über den Fachhandel aufzubauen, längst ausgezahlt. 174 Jack-Wolfskin-Geschäfte, die allermeisten im Franchise-System, gibt es inzwischen in Deutschland, dazu kommen noch einmal mehr als 30 Läden in Europa und 42 Filialen in China. Selbst im Wirtschaftskrisenjahr 2009 lässt Hell in seinem Expansionstempo nicht nach. Mehr als 40 neue Läden will er 2009 in Europa eröffnen, davon knapp 30 in Deutschland. In China sollen ebenfalls rund 25 Läden dazukommen.

„Dazu sind wir inzwischen einfach zu wertvoll“

„Unser Geschäft läuft nach wie vor sehr gut“, sagt der Jack-Wolfskin-Chef, der seine Umsatzerwartung schon wieder nach oben korrigiert hat. Waren es erst 230 Millionen Euro, die er für 2009 anpeilte, rechnet er inzwischen mit mehr als 240 Millionen Euro - knapp 20 Prozent über dem Vorjahr. Flächenbereinigt bedeute das immer noch ein Plus von 5 Prozent, sagt Hell. Was er jüngst an Umsatz in Osteuropa oder durch die Karstadt-Pleite verlor, sei durch höheres Wachstum, etwa in der Schweiz, ausgeglichen worden. 2005 erwirtschaftete Jack Wolfskin erst knapp 100 Millionen Euro Umsatz.

Die Entwicklung erfreut auch die beiden Hauptgesellschafter: die Finanzinvestoren Quadriga Capital und Barclays Private Equity, zu denen Hell ein sehr entspanntes Verhältnis pflegt. Kein Wunder, kann er doch nach eigenen Aussagen Jahr für Jahr eine ordentliche Rendite aufweisen. Seit vier Jahren hat er die Private-Equity-Häuser an Bord, und ein Weiterverkauf steht derzeit nicht zur Debatte, heißt es. Einen Börsengang lehnt Hell grundsätzlich ab. Lieber würde er seinen eigenen Anteil, der oberhalb von 10 Prozent liegen dürfte, weiter aufstocken. Vollständig übernehmen könnten Hell und sein Management das Unternehmen mit seinen rund 350 Mitarbeitern allerdings nicht, räumt er ein. „Dazu sind wir inzwischen einfach zu wertvoll.“

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Jahrgang 1966, Redakteur in der Wirtschaft.

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