Home
http://www.faz.net/-gxh-oi1a
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

ITB Reisebranche hofft auf die Wende

 ·  Die Reisebranche rechnet nach Jahren mit schlechtem Geschäft 2004 wieder mit einen Wachstum. Die Touristikmesse ITB in Berlin (12. bis 16. März) soll vom Freitag an Urlaubsstimmung verbreiten.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Nach drei schlechten Jahren will die deutsche Tourismusbranche wieder einen Gang zulegen. Die weltgrößte Touristikmesse ITB in Berlin (12. bis 16. März) soll vom Freitag an Urlaubsstimmung verbreiten, den Reisebüros Buchungen bescheren und den Veranstaltern volle Ferienflieger.

„Die Buchungseingänge verbessern sich von Woche zu Woche“, freute sich der Präsident des Branchenverbands DRV, Klaus Laepple, am Montag. Der starke Euro, massive Preisnachlässe und deutlicher Nachholbedarf der zuletzt oft zuhause gebliebenen Urlauber lassen die Reisebüros und -veranstalter 2004 ein Umsatzplus von bis zu fünf Prozent erwarten.

Fußball-EM und Olympia halten viele vor dem Fernseher

Für das laufende Jahr erwarte der Deutsche Reisebüro und Reiseveranstalter Verband (DRV) ein Umsatzplus von drei bis fünf Prozent. Dabei könnte noch mehr erreicht werden, würden nicht Olympia und Fußball-EM viele Sportfans vor dem heimischen Fernseher halten und sich die Sommerferien der großen Bundesländer nicht wieder alle im August stauen. Denn die Veranstalter locken mit kräftigen Rabatten: Zusammen mit den um bis zu zehn Prozent reduzierten Katalogpreisen sind Frühbucherabschläge von bis zu 20 Prozent drin.

Reise-Experten teilen den Optimismus der Branche. Selten hätten die negativen Einflüsse so überwogen wie im vergangenen Jahr, erklärt der Tourismusexperte Hans-Peter Muntzke von der Dresdner Bank mit Blick auf Konjunkturflaute, Irak-Krieg, die Lungenkrankheit Sars und die Angst vor Terroranschlägen. Dagegen versetzten die Hoffnung auf einen Aufschwung, das erweiterte Angebot der Billigflieger und die gesunkenen Preise die Deutschen jetzt wieder in Urlaubslaune. Zumindest das Minus von 2003 könne in diesem Jahr wieder wettgemacht werden.

Anteil der Unentschlossenen steigt

Entwarnung will Freizeitforscher Horst Opaschowski aber noch nicht geben. Nur noch knapp 42 Prozent der Bundesbürger wollten in diesem Jahr mit Sicherheit verreisen - so wenig wie seit mehr als zehn Jahren nicht mehr. Hoffen könne die Branche auf die Unentschlossenen, deren Anteil sich zuletzt erhöhte, erklärt der Leiter des BAT-Freizeitforschungsinstituts. „Springt jetzt die Konjunktur an und bieten die Reiseveranstalter ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, dann kann es auch wieder Licht am Ende des Tunnels geben.“

Dabei macht der Freizeitforscher einen grundlegenden Wandel im Urlaubsverhalten aus. Die Reisen würden immer kürzer, weil die Urlauber weniger Geld in der Tasche hätten. Im Schnitt verbrachten die Bundesbürger vergangenes Jahr nur 13,4 Tage am Urlaubsort, fünf Tage weniger als noch 1980. Auch der Trend zu Städtetrips im Billigflieger und zur schnellen Buchung per Internet verstärkt die Entwicklung. Bei „knapper werdendem Geld- und Zeitbudget“ stellten die Urlauber unveränderte Ansprüche an die Qualität.

Ostsee, Alpen, Mittel- und Osteuropa

Für die kommende Saison können vor allem die Billigreiseziele in Mittel- und Osteuropa auf weiter steigende Besucherzahlen aus Deutschland hoffen, sagen die Volkswirte der Dresdner Bank voraus. Die Kaufkraft des Euro ist dort besonders hoch, weshalb vor allem Familien mit Kindern zunehmend die neuen EU-Staaten ansteuern. Auch die klassischen Reiseziele am Mittelmeer dürften wieder deutlich zulegen. Fast jeder Vierte aber will im Lande bleiben - bevorzugt an der Ostsee oder in den Alpen.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen