http://www.faz.net/-gxh-8vvp9
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
F+ Icon
F.A.Z. PLUS
abonnieren

Veröffentlicht: 16.03.2017, 15:17 Uhr

ITB Kann man denn nirgendwo mehr Urlaub machen?

Terroristen bedrohen die Lieblingsziele der Deutschen, Präsidenten und ihre Politik verleiden sie ihnen. Diese Schatten lagen auf der diesjährigen ITB, der weltweit führenden Tourismusmesse in Berlin. Doch ihren Optimismus will sich die Reisebranche nicht nehmen lassen.

von Katharina Wilhelm
© EPA Kein Grund für eine Totenwache: Dass die Tourismusindustrie blüht und gedeiht, hat die ITB wieder einmal gezeigt.

Sicherheit ist das höchste Gut der Reiseindustrie und fehlende Sicherheit ihre größte Bedrohung. Da wir in Zeiten der allgemeinen Unwägbarkeiten leben, ist es kein Wunder, dass die Internationale Tourismusbörse in Berlin in diesem Jahr kein rauschendes Freudenfest war. Zu viele Sorgen plagen die Branche, zu viele vermeintliche Garanten des weltweiten Tourismus sind zu unsicheren Kantonisten geworden. Und wenn man weiß, dass in einer Studie des Tourismusberatungsunternehmens IPK International ein Viertel aller Befragten angegeben hat, nur noch in sichere Länder wie Kanada, Australien oder Schweden reisen zu wollen, kann man die Größe des Problems erahnen, mit dem sich die Tourismusindustrie gerade konfrontiert sieht.

Mehr zum Thema

Das größte Sorgenkind ist zur Zeit die Türkei. Aktuell liegen die Buchungen für einen Sommerurlaub in dem Land laut dem Marktforschungsinstitut GfK um sechzig Prozent unter dem Vorjahresniveau. Auf der Pressekonferenz der Türkei im Rahmen der Messe verkündete der Minister für Kultur und Tourismus, Nabi Avci, dass die Türkei „Maßnahmen“ gegen die Probleme ergriffen habe, die den Tourismus betreffen. Außerdem habe man das Angebot dementsprechend modifiziert. Die Frage der anwesenden Journalisten nach der Beschaffenheit dieser Maßnahmen leitete der Minister unwirsch weiter: „Die Branche weiß sehr wohl, um welche Fördermaßnahmen es geht. Wenn Sie dort nachfragen, werden Sie alle Informationen bekommen.“ Eine solche „Maßnahme“ war bereits im vergangenen Jahr ein Zuschuss der türkischen Regierung für die Treibstoffkosten von Charterfliegern in die Türkei in Höhe von sechstausend Dollar pro Flugzeug. Da diese Zuschüsse nun auf alle Linienflüge ausgeweitet werden sollen, könnten Türkei-Reisen noch billiger werden, als sie ohnehin schon sind.

Minister Avci appellierte an das Vertrauen der Deutschen in die Gastfreundschaft des türkischen Tourismus, betonte die Relevanz der deutschen Urlauber für die Türkei und erwähnte Bundeskanzlerin Merkel als vorbildliches Beispiel – sie habe die Türkei neulich ja auch besucht. 2017 soll besser werden als das Vorjahr, man will zum Volumen von 2013 zurück und dieses sogar noch übertreffen, all den Missstimmungen der jüngsten Zeit und wohl auch den bisher bekannten Zahlen zum Trotz. Osman Ayik, Präsident des Hotelverbandes Türofed, betonte, dass diese Missstimmungen ohnehin nur vorübergehend seien und fünfundachtzig Prozent treue Kundschaft von der historisch bedingten Nähe der deutschen und türkischen Kultur zeugten.

Einige Länder profitieren von der misslichen Lage der Konkurrenz

Maßgeblich am bisherigen Erfolg der Türkei beteiligt gewesen seien die deutschen Reiseveranstalter, sagte Minister Avci bei der Pressekonferenz. Der Veranstalter mit dem umfangreichsten Türkei-Portfolio ist Öger Tours, dessen Pressesprecherin Kathrin Rüter-Pantzke von positiven Buchungseingängen in den letzten Wochen, die aktuell auf Vorjahresniveau liegen, zu berichten weiß. Das liegt laut ihr unter anderem am abermaligen Sinken der Preise, bei Öger Tours etwa um acht Prozent für diesen Sommer. „Insgesamt ist die Türkei jetzt dreißig bis vierzig Prozent günstiger als Urlaubsziele im westlichen Mittelmeer“, so Rüter-Pantzke. Die Reiselust bei Pauschaltouristen sei ungebrochen. „Diese Art des Urlaubs kommt dem Sicherheitsbedürfnis der Touristen sehr entgegen, da wir zum Beispiel eine vierundzwanzigstündige Erreichbarkeit und Flexibilität bei den Buchungen bis zu zehn Tage vor der Abreise vorweisen können“, sagt Rüter-Pantzke. Die politischen Verwerfungen zwischen der Türkei und Deutschland oder deren Auswirkungen möchte Öger Tours nicht kommentieren.

1 | 2 | 3 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
Frankfurter Allgemeine Reise auf Facebook