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Island : Bunt schimmert die Musikhalle

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Hafenansichten: Das Spezialglas der Konzerthalle Harpa in Reykjavík färbt sich je nach Lichteinfall. Bild: Thomas Lindemann

Island hat sich zu einem beliebten Reiseziel entwickelt – vor allem wegen seiner Natur und weniger wegen der Hauptstadt Reykjavík. Dabei ist auch sie einen Trip wert.

          Die Reiseleiterin lacht. Über uns. „Ich weiß schon, ihr Deutschen esst im Winter kein Eis, und die Eiscafés schließen alle“, sagt sie. „So ein Unsinn. Isländer essen immer Eis.“ Also tun wir genau das, draußen, bei acht Grad. „Warum nicht?“, fragt sie noch, und keinem fällt eine Antwort ein. Eine Kugel Türkisch-Pfeffer und eine Kugel Kürbis – vielleicht gibt es das interessanteste Eis Europas gar nicht in Mailand oder Rom. Sondern bei „Valdis“, in der Grandagarður im Norden Reykjavíks, direkt am Fiskihöfn, dem alten Hafen der Stadt.

          Es schmeckt phantastisch in der zugigen kleinen Straße am Wasser, wir befinden uns in Grandis. Reykjavík ist selbst eine längliche Halbinsel, das kleine Viertel Grandis noch mal eine Landzunge, die sich im Nordwesten an die Stadt anschließt und seltsam vergessen daliegt. Der neue Food-Distrikt, heißt es. Kleine Läden mit Designobjekten oder teurem Fisch reihen sich aneinander. Man könnte kurz glauben, das Szeneviertel von Islands Hauptstadt gefunden zu haben. Weil es aber bloß 500 Meter lang ist und aus kaum drei Straßen besteht, erfüllt es vielleicht gar nicht die Mindestbedingungen. So etwas wie eine Ausgehmeile gibt es gar nicht im engeren Sinn, in der Hauptstadt mit nur 120 000 Einwohnern. Damit leben aber mehr als ein Drittel aller Isländer hier.

          Die spektakuläre Natur ist nicht weit: In einer halben Stunde erreicht man aus der Stadt Islands schroffe Südküste.
          Die spektakuläre Natur ist nicht weit: In einer halben Stunde erreicht man aus der Stadt Islands schroffe Südküste. : Bild: Thomas Lindemann

          Island ist als Urlaubsland zurzeit sehr in Mode, die jährlichen Übernachtungen ausländischer Touristen haben sich von rund 450 000 vor zehn Jahren auf derzeit gut anderthalb Millionen mehr als verdreifacht. Dabei interessieren sich Touristen aber vor allem für Vulkane und Gletscher. Stadturlaub in Reykjavík ist nicht unbedingt ihr Ziel. Hier fährt man durch oder schlägt sein Lager auf, und manchmal nicht einmal das, seit die Billig-Airline „Wow“ direkt am Flughafen Keflavík auch noch ein eigenes günstiges Hotel gebaut hat und dafür wirbt, bei einem „Stopover“, etwa auf dem Weg in die oder aus den Vereinigten Staaten, doch auch noch den Südwesten Islands zu entdecken. Das Problem ist nur: Für dieses Land reicht ein hektischer Stopover nicht, auch nicht für seine Hauptstadt.

          Wal-Verwandtschaften

          Tatsächlich ist die Schönheit von Islands Hauptstadt ein wenig versteckt. Klassisches Flanieren funktioniert hier nicht überall. Spaziert man durch den Laugavegur, die zentrale Einkaufsstraße, ertappt man sich immer wieder bei dem Gedanken, ob das nicht vielleicht doch Leverkusen oder Pinneberg sei, so lieblos und eckig stehen die Häuser aneinandergeklebt. Doch zwischen traurigen Boutiquen findet sich dann immer wieder ein Juwel, etwa ein Geschäft voller hölzerner Globen und gläserner Skulpturen, das aussieht wie Dumbledores Büro. Und dann kommt doch wieder so etwas Verstörendes: das Phallusmuseum, das Tierpenisse und erotische Kunst ausstellt.

          Fußgängerzonen sind vermutlich nicht die große Stärke der Isländer, aber dafür haben sie allerdings viele andere. Etwa die vielleicht größte Wal-Galerie der Welt, das „Whales of Iceland“. Eine Art Kunsthalle, die nichts anderes als Wale zeigt. Maßstabsgetreue, gigantische Pappmaché-Wale, die von der Decke hängen. Interaktive Filme über Wal-Anatomie. Glaskästen mit Walknochen. In dem beruhigenden bläulichen Licht der Ausstellung und umgeben von den bizarren Wal-Sounds kommt dann wieder dieses Gefühl zurück, man halte sich in einem äußerst seltsamen Land auf.

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