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Flucht auf die Insel : Sylts vergessenes Tor zur Welt

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Seit der Hindenburgdamm Sylt mit dem Festland verbindet, ist Munkmarsch ein stilles Dörfchen - und das Fährhaus ein Hotel. Bild: Ydo Sol Images

Das alte Fährhaus von Munkmarsch war einst Durchgangsstation für alle Inselgäste. Heute beherbergt es ein Hotel. Und die Urlauber bleiben gern länger, um sich von Koch und Teemeisterin bewirten zu lassen.

          Munkmarsch? Hatte nie gehört von diesem Ort. Und jetzt bin ich schon vierzehn Jahre hier“, sagt der prominente Sylter Sternekoch Alexandro Pape. Neben ihm sitzt das Gäste-Kind Laurens mit einer viel zu großen Schürze in der Hightechküche neben einem Kartoffelbreitopf. „Rühren nicht vergessen“, erinnert er den kleinen Jungen, für den das Kochen ganz allein mit dem Chef bestimmt sein schönstes Ferienerlebnis ist.

          Das ehemalige Fährhaus von Munkmarsch hat sich in den letzten Jahren zu einem luxuriösen Wohlfühlhotel entwickelt. Hier, im kleinsten Ort der Insel, ist das Wirkungsfeld des mehrfach ausgezeichneten Starkochs Pape. „Hier kann ich mich austoben“, sagt er gut gelaunt.

          Siebzig Jahre Dornröschenschlaf

          Wie ein Schiff liegt das Fährhaus hinter einem kleinen Yachthafen für Segler und Surfer in einer stillen Bucht am Wattenmeer. Seitlich dehnen sich die Wiesen eines Golfplatzes, unten liegt der Strand. Eine maritime Naturidylle - mehr ist von dem Ort nicht übrig geblieben. Kaum zu glauben, dass Munkmarsch einmal Sylts Tor zur Welt war. Hier, im wichtigsten Hafen der Insel, kamen die Feriengäste per Schiff an. Das Fährhaus, ein 1868 errichteter schlichter Holzbau, war das erste, was die Reisenden nach ihrer beschwerlichen Anreise auf der Insel sahen. Doch damit war es vorbei, als 1927 der Hindenburgdamm eingeweiht wurde. Munkmarsch fiel in einen Dornröschenschlaf. Erst in den neunziger Jahren zog in das renovierte Hotel Fährhaus eines der Sylter Spitzenrestaurants ein. Mittlerweile hat das Fünf-Sterne-Superior-Haus mit seinen großzügigen Zimmern, Bibliothek, Tee und Kaffee Stuuv, der friesischen Käpt’n-Selmer-Stube und dem Starkoch Pape Kultstatus - und ist doch familienfreundlich und bodenständig geblieben.

          Morgens vorm Frühstück von Munkmarsch zu Fuß am Wattenmeer entlang Richtung Keitum zu spazieren, wenn um einen herum Möwen kreischen, klart nicht nur den Kopf, sondern löst auch die typischen Sylt-Glücksgefühle aus. Es ist nicht weit bis zum Nachbarort Keitum, zu dem Munkmarsch heute offiziell gehört, man brauchte gerade einmal eine gute halbe Stunde. Es soll das schönste Dorf von Sylt sein, sagt man uns, da nehmen wir uns lieber etwas mehr Zeit. Nach dem Frühstück schwingen wir uns aufs Rad.

          Ein Rolls-Royce für die Pastorin

          Der Gegenwind ist kräftig, als wir ins Inselinnere Richtung Wenningstedt abbiegen und durch eine flache Wiesenlandschaft radeln, wo den Sommer über Schafe grasen. Das Wegenetz auf Sylt ist bestens ausgebaut, von einem Ende bis zum anderen entlang der stillgelegten Inselbahntrasse zwischen Hörnum und List, und weit verzweigt zu den Orten im Osten. Spektakulär ist die Landschaft nicht, aber von einer fast meditativen Weite bis zum Horizont. Wir streifen die Inselhauptstadt Westerland an ihren dörflichen Rändern, strampeln dann wieder landeinwärts durch Tinnum und das Keitumer Becken und treten das letzte Stück hinauf zur Sankt-Severin-Kirche von Keitum mächtig in die Pedale.„Na, haben Sie sich ordentlich hochkämpfen müssen?“, fragt die Sylter Autorin und Gästeführerin Silke von Bremen. „Ist auch einer der höchsten Punkte um Keitum herum. Haltet euch fest - fast fünfzehn Meter!“

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