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Im hügeligen Südburgenland Das gute Leben kann ganz einfach sein

Das Südburgenland gehört zu den wenig beachteten Ecken Österreichs. Gerade deshalb haben sich hier viele Künstler und kreative Menschen niedergelassen.

© Georg Weindl Wiener Künstler flohen einst ins beschauliche Neumarkt. Wo Peter Handke schrieb, kann man heute wohnen.

Ein Gasthaus zur Burg oder zum Weinberg, ein Buschenschank mit dem entsprechenden Familiennamen der Winzer, das passte in diese ruhige und bodenständige Gegend. Aber das Lokal oben am Hügel über den Weingärten bei Zahling im österreichisch-ungarischen Grenzgebiet führt seine Besucher zunächst in die Irre und lässt sie dann ratlos zurück. An-alapanka-ma steht auf der hellen Hinweistafel - da denkt der Ortsunkundige an esoterische Befindlichkeiten, an Stadtflüchtlinge, die sich hier womöglich in der Einsamkeit des südlichen Burgenlandes auf die Suche nach sich selbst und einem neuen Lebenssinn begeben haben und in schwer nachvollziehbaren Sphären unterwegs sind.

Alles falsch. „Das ist eine Wortschöpfung von mir, und das hat nichts Indisches oder Indianisches, wie die Leute oft glauben“, sagt Sylvia Mies. „Und es ist etwas ganz Pragmatisches, auf das man leicht kommen kann“, ergänzt sie, was dann doch nicht so einfach ist und Gäste grübeln lässt. Überhaupt braucht es Zeit, bis dieses Domizil in seinen Besonderheiten verstanden ist. Sylvia Mies, eine Künstlerin und geborene Wienerin, hat zusammen mit ihrem Mann Peter, einem Stuttgarter Internisten, und dem Küchenmeister Friedrich Gutscher, den es ebenfalls von Wien ins Schwabenland verschlagen hatte, einen Platz für eine Senioren-WG gesucht. Und in der Beschaulichkeit des Südburgenlands gefunden, nachdem sie zehn Jahre lang in Portugal, Spanien, Südfrankreich und zuletzt in der Steiermark nach dem passenden Domizil gefahndet hatten. Das alte burgenländische Bauernhaus verwandelten sie in eine bunte Kombination aus Künstleratelier, Restaurant und Urlaubsresort mit Parkanlage, Gästezimmern, Uhudler-Weinlaube und Sibyllinischem Garten. Ihre Leidenschaften wollten sie in diese aktive WG einbringen. Und die waren und sind klar ersichtlich. Friedrich Gutscher ist Koch aus Passion, wurde in Deutschland einmal für das beste Bio-Gourmetrestaurant ausgezeichnet und erkochte sich einen Michelinstern. Peter Mies hatte keine Lust mehr auf Schulmedizin und als neues Betätigungsfeld energetische Behandlungsformen für sich entdeckt. Und Sylvia Mies, die sich vor allem mit metaphysischen Themen und griechischer Mythologie beschäftigt, sagt von sich selbst: „Als Künstlerin gehst du eh nie in Rente.“ Das Resultat hat seinen speziellen Charme, wirkt wie ein halbprivates Restaurant, in dem man sich wie in einem Privathaus fühlt. Das elegante Mobiliar ergänzt sich dabei mit den verspielten Kreationen der Künstlerin. Drei Jahre nach der Eröffnung gehört es zu den besten Restaurants im Burgenland und lockt auch, was Sylvia Mies besonders freut, viele Einheimische an.

Kein schlechter Wein, keine schlechten Rollen

Im südlichen Burgenland, das von der ungarischen Grenze bis hinunter zum Dreiländereck mit der Steiermark und Slowenien verläuft, mag das wie ein Exot wirken. Ganz so überraschend ist das für diese Gegend nicht, die zu den wenig bekannten Regionen Österreichs zählt, was vor allem an fehlenden hohen Bergen und großen Seen liegen dürfte. Das sanft hügelige Land hat eher den Charakter eines Mittelgebirges. Es gibt keine großen Städte und keine spektakulären Sehenswürdigkeiten. Dafür bietet es ein überdurchschnittlich mildes Klima und derzeit auch noch sehr günstige Lebenshaltungskosten. Das kann man auch an den Tafeln an den Hauptstraßen sehen, auf denen Baugrund zum Quadratmeterpreis von drei bis vier Euro ausgelobt wird.

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