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Im hohen Norden : Alles steht Kopf

Grönland: Für solche schwimmenden Riesen ist die Diskobucht bekannt. Bild: Jim Graham/Redux/Redux/laif

Dem Winter hinterherzureisen war selten teurer, auch selten so angenehm: Im Privatjet von Lappland über Island nach Grönland.

          Rosa ist keine Farbe, die einen sofort an Eis und Schnee denken lässt. Wer aber einmal sah, wie Eisberge im Morgenlicht erglühen, wenn sie von den ersten Sonnenstrahlen erfasst werden, um dann immer heller zu leuchten, während alles andere noch im Graublau verharrt, wird Rosa für immer mit Winter assoziieren. Und sich daran erinnern, wie das Eismeer die Seele wärmt, sich die frische trockene Luft anfühlt und dass Wäsche neben Fischen auf der Leine hängt: Westgrönland bei minus 22 Grad Celsius.

          Sonja Kastilan

          Redakteurin im Ressort „Wissenschaft“der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Wer die Kälte an diesem Wintermorgen scheute, nicht gleich in den dicken Schneeanzug und die Stiefel steigen wollte, konnte das Lichtspektakel vom Hotelzimmer aus verfolgen. Mit bester Sicht auf die legendäre Diskobucht waren wir in Ilulissat im Vier-Sterne-Hotel „Arctic“ untergebracht. Hier ließ sich die Sehnsucht nach Schnee auch im Schaukelstuhl hinter Fensterglas stillen. Aber Ilulissat, mit rund 4500 Einwohnern Grönlands drittgrößte Stadt, hielt echte Abenteuer für unsere Gruppe bereit. Erlebnisse der besonderen Art, für die eine Teilnehmerin aus Rio angereist war und mit denen ein Ehepaar seinen 45. Hochzeitstag feierte, denn „aus dem Paradies der Erinnerungen“ könne einen niemand mehr vertreiben.

          So sahen wir rosig schimmern, was später per Boot und Kleinflugzeug erkundet werden sollte. Im Bewusstsein, dass jene „magische Welt aus Schnee und Eis“, die uns die Reisebroschüre versprach, auf Grönland dem Klimawandel unterworfen ist. Von dieser Vergänglichkeit ging ein Zauber aus, den wir wenige Tage zuvor bereits in Nordschweden und in Island wahrnehmen konnten. Wir hatten das Rathaus in Kiruna besichtigt, das bald durch einen Rundbau abgelöst wird, weil es der Erzmine weichen muss. Hatten bei Minustemperaturen im „Icehotel“ übernachtet, das mitsamt „Icebar“ jedes Jahr neu aus dem Flusseis des Torne entsteht. Im isländischen Þingvellir-Nationalpark waren wir durch eine verschneite Idylle geschlendert. Eine Landschaft, die vom Vulkanismus geprägt ist und sich nach wie vor verwandelt, denn dort, wo im Jahr 930 die erste Volksversammlung abgehalten wurde, treiben zwei Kontinentalplatten auseinander.

          Sechs Tage, drei Länder

          Nichts schien für die Ewigkeit bestimmt. Auch nicht jene kristallene Pracht, mit der Gullfoss, der Goldene Wasserfall, sich uns präsentiert hatte. Mitreisende schwärmten beim Lunch zwar von intensiveren Farbkontrasten im Sommer, und davon überzeugten sich 2015 vermutlich die meisten der eine Million Touristen, denn Island will diesen Boom. Für die Facetten des Winters lohnte es aber nicht minder, den Kampf gegen den schneidenden Wind aufzunehmen. Mit Handschuhen gewappnet, die Kapuze eng ums Gesicht gezurrt, ließ sich zumindest oberflächlich erfassen, welche Naturgewalten wirken. Über sie wachte ein kleiner Schneemann, den irgendjemand mitten im Weg errichtet hatte. Vielleicht als Ermahnung, trotz bitterer Kälte zu lächeln.

          Elf Hunde ziehen drei Menschen. Die Tour mit dem Schlitten ist in Ilulissat Programm.
          Elf Hunde ziehen drei Menschen. Die Tour mit dem Schlitten ist in Ilulissat Programm. : Bild: Sonja Kastilan

          Sechs Tage waren wir im Frost unterwegs. Nach Lappland und Island stand Grönland auf dem Plan, bevor es aus dem nördlichen Polargebiet wieder Richtung Hamburg gehen sollte. Von dort war unsere Gruppe nach einer Nacht im „Vier Jahreszeiten“ gestartet - im Privatjet „Albert Ballin“, auf individueller Route. Vierzig Gäste fanden in der gecharterten Boing 737 komfortabel Platz, umsorgt von einer aufmerksamen Crew, die uns nicht nur bewies, wie stilvoll Plüschtiermützen sein können. Wenn Maja, die Chefin der Kabine, zur Begrüßung Champagner oder roten Beerensaft reichte, konnte man sich entspannt zurücklehnen, anerkennend, dass nicht nur während des Fluges kleinste Details bedacht wurden. Für den Fall der Fälle war vorgesorgt, und mit von der Partie: ein Bordarzt, eine Reiseleiterin sowie zwei sogenannte Lektoren, die mit Charme, Humor und großer Erfahrung treue Fans fanden. Diese wussten nämlich fundierte Kenntnisse ebenso wie Erzähltalent zu schätzen. Ganz zu schweigen von einem reibungslosen Ablauf, schließlich ließen sie sich das Gesamtpaket rund 26 600 Euro kosten. Und man fragte sich, wofür?

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