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Hundertwasser-Bauwerke Sehenswürdigkeiten in einem Rausch aus Farben und Formen

Der Künstler Friedensreich Hundertwasser, dessen Todestag sich am 19. Februar 2002 zum zweiten Mal jährt, hat der Welt nicht nur wertvolle Gemälde hinterlassen. Aufsehen erregten auch seine architektonischen Kunstwerke.

© dpa Vergrößern Kann besichtigt werden: Markthalle in Altenrhein

Sein wohl bekanntestes Objekt trägt seinen Künstler-Namen und steht mitten in Wien - das berühmte Hundertwasserhaus. Seit seiner Einweihung 1985 ist es eine der meistbesuchten Sehenswürdigkeiten der Donau-Metropole.

Mit dieser Wohnanlage legte 1985 der bis dahin vor allem durch seine Spiralenbilder bekannte Maler Fritz Stowasser alias Friedensreich Hundertwasser so etwas wie den Grundstock für zahlreiche weitere architektonische Kunstwerke. Das kreative, kurios anmutende Haus mit 50 Wohneinheiten hatte nichts mehr zu tun mit den bis dahin üblichen Normen der Architektur. Im wahrsten Sinne des Wortes hatte Hundertwasser Natur in die Stadt geholt, indem er auf die Dächer Rasen säte, Büsche und Bäume sprießen lies. Eines sucht man vergebens: gerade Linien und glatte Flächen. Stattdessen unebene Fußböden, "damit der Mensch wieder lerne, bewusst einen Fuß vor den anderen zu setzen". Mit Rücksicht auf die Bewohner des Hauses ist es nur von außen zu bestaunen.

Naive Kunst in der Möbelfabrik

Ausdrücklich erwünscht ist das Betreten hingegen in dem nicht weit entfernten "Kunst-Haus" in der Unteren Weißgerberstraße. Das in einer ehemaligen Möbelfabrik untergebrachte Museum fasziniert äußerlich ebenfalls durch grelle Farben und ähnlich bizarre Formen. Drinnen erwartet den Besucher die weltweit einzige Dauerausstellung mit Werken Hundertwassers. Gemälde und Grafiken sind ebenso zu sehen wie Jugendwerke des Künstlers und einige Modelle von diversen Architekturprojekten. In den oberen zwei Stockwerken läuft noch bis zum 3. Februar die Ausstellung "Die Naive - Aufbruch ins verlorene Paradies" mit 200 Werken naiver Kunst. Vom 14.2. bis zum 26.5. folgt die Ausstellung der Fotokünstler "Pierre & Gilles - Arrace mon coeur".

Hundertwasser versteckt Müllverbrennungsanlage

Ein Tipp für Fans: die "Hundertwassertour" (von Mitte April bis Mitte Oktober) mit dem vom Künstler persönlich umgestalteten Ausflugsschiff MS Vindobona auf dem Donau-Kanal und der Donau, bei der man ein weiteres Hundertwasser-Werk zu Gesicht bekommt: Hinter einer farbenfrohen Fassade mit vergoldetem Helm auf dem mächtigen Turm versteckte Hundertwasser die am Ufer des Donaukanals gelegene Müllverbrennungsanlage "Fernwärme Spittelau". Mittlerweile gibt es zahlreiche Hundertwasser-Bauten, die eine Reise lohnen. Die Palette architektonischer Kunstwerke reicht vom Hundertwasser-Bahnhof im niedersächsischen Uelzen über die Wohnanlagen "Wohnen unterm Regenturm" in Plochingen und "In der Wiesen" in Bad Soden am Taunus bis zur Kindertagesstätte in Heddernheim bei Frankfurt und dem Autobahnrasthaus Bad Fischau an der österreichischen Südautobahn A2 von Wien nach Italien.
Ein Kleinod unter den Hundertwasser-Objekten ist die St. Barbara-Kirche in Bärnbach in der Steiermark. Die vorher schlichte Kirche verwandelte der Künstler in ein verspieltes, märchenhaft anmutendes Gotteshaus mit kunstvollen Keramikarbeiten an Fassade und Säulen, einem mächtigen, vergoldeten Zwiebelhelm und einem bunten Dach.

Kunst auf der Beauty-Farm

Das größte Architektur-Projekt, für das Friedensreich Hundertwasser mit seinen provokanten Ideen Pate stand, ist das Rogner-Bad Blumau in der Steiermark. Ein Thermalbad und Ferienhotel als "begehbares Gesamtkunstwerk", ein "Märchenland als Feriendorf" - bei der Eröffnung im Mai 1997 überschlugen sich die Berichterstatter in ihren begeisterten Berichten. Zu Recht: Die von dem Kärntner Architekten Robert Rogner erbaute Anlage ist einzigartig. Hier konnte Hundertwasser seinen Ideen vom Bauen im Einklang mit der Natur freien Lauf und alle Elemente seines phantasiereichen Stils einfließen lassen: gewölbte Fußböden, Hausdächer, auf denen man zwischen Sträuchern im Gras spazieren kann. Glitzernde Kuppeln, goldene Bäume an weißen Wänden, knallbunte Farben wohin man schaut. "Waldhäuser", die wie Maulwurfshöhlen unter der Erde liegen, erkennbar nur an den nach außen gewölbten Fensterkuppeln. Dazu eine grandiose Badelandschaft und ein wahrer Wellness-Tempel mit Verwöhnprogrammen von der schlichten Massage bis zur Beautyfarm. Nur eines sucht man vergeblich: gerade Linien und rechtwinklige Ecken.

Weitere Informationen:
Hundertwasserhaus, Löwengasse/Kegelgasse, A-1030 Wien, Internet: www.hundertwasserhaus.at
Kunst-Haus Wien, Untere Weissgerberstrasse 13, A-1030 Wien, Tel. 0043/1/7120495, Fax 0043/1/7120496, E-Mail: information@kunsthauswien.com, Internet: www.kunsthauswien.com, geöffnet täglich 10 bis 19 Uhr
MS Vindobona, DDSG Blue Danube Schifffahrt GmbH, Friedrichstr. 7, A-1010 Wien, Tel. 0043/1/58880-0, Fax 0043/1/58880-440, E-Mail: info@ddsg-blue-danube.at, Internet: www.ddsg-blue-danube.at, Preise: große Rundfahrt 14 Euro, inkl. Museumsticket 20,50 Euro
Stadtpfarrkirche St. Barbara, Pfarramt, Biberstraße 15, A-8572 Bärnbach, Tel./Fax 0043/3142/62581, Internet: www.baernbach.at/kirche/
Rogner-Bad Blumau, Blumau 100, A-8283 Blumau/Steiermark, Tel. 0043/3383/51000, Fax 0043/3383/5100808; Internet: http://blum.rogner.com (nicht mit www. erreichbar), E-Mail; spa.blumau@rogner.com. Das Rogner-Bad wird von mehreren deutschen Reiseveranstaltern angeboten.

Quelle: srt

 
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