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Hotel am Gardasee : Lass doch den Bademantel an

Abtauchen nicht im, sondern am Gardasee: Sechs Kilometer vom Ufer entfernt tut sich eine andere Welt auf. Bild: Lefay Gardasee Resort

Hier werden auch beinharte Spa-Skeptiker weich: Das Lefay Resort am Gardasee hat sich ganz der Entspannung gestresster Zeitgenossen verschrieben. Dahinter steht ein überzeugendes Konzept – und ein Familienbetrieb.

          Man muss diese Geschichte mit der spektakulären Aussicht beginnen, damit, wie blau und glänzend und friedlich der Gardasee in der Ferne lag, von Bergen beschützt, die Richtung Norden immer höher werden und im Süden schließlich ganz verschwinden – wobei Ferne genau genommen nicht das richtige Wort ist. Von hier oben bis hinunter nach Gargnano und ans Seeufer sind es nur sechs lächerliche, aber kurvenreiche Kilometer. Aber sechs Kilometer können umgekehrt auch bedeuten, dass am Ende der Strecke eine andere Welt liegt.

          Melanie Mühl

          Redakteurin im Feuilleton.

          Die Welt, die wir zugegebenermaßen ein wenig unterschätzt hatten, weil sie wie so viele luxuriöse, letztendlich aber einander ähnelnde Spa-Resorts mit einem Tiefenentspannungsversprechen wirbt, heißt Lefay Resort & SPA Lago di Garda. Dass dieses Versprechen indes viel mehr als nur ein dem Zeitgeist huldigender Marketingspruch ist, ahnten wir bereits beim Betreten des Hotels, in dem es so frisch und sauber und irgendwie zitronig roch, als hätte das Management eine Armee von Geruchsspezialisten eingestellt, die sich rund um die Uhr der Duftperfektionierung widmen. An der Rezeption lehnte ein Paar mittleren Alters. Die Gesichter der beiden waren von einer gesunden Röte überzogen, ihr Haar noch feucht. Wahrscheinlich kamen sie gerade aus einer der Saunen oder waren eben noch in einem der Pools geschwommen, denn sie trugen den Hotel-Bademantel und an den Füßen die blauen Hotel-Flipflops. Als sie Richtung Spa davonschlappten, hakten sie einander lächelnd unter, und später, beim Mittagessen, am Buffet, hatten sie ihren Bademantel und die Flipflops immer noch an, und sie waren bei weitem nicht die einzigen Gäste in diesem Aufzug.

          Alle Wege führen ins Spa

          Es gibt wohl kein größeres Kompliment für ein Spa-Resort als Urlauber, die ihre mitgebrachte Garderobe ganz selbstverständlich im Schrank lassen (fürs Abendessen gilt das allerdings nicht) und zum Bademantel greifen. Im Lefay, das über neunzig Suiten unterschiedlicher Kategorien verfügt, allesamt mit Seeblick, ist das Abtauchen in die Spa-Welt freilich gewünscht, zumal sich die Bedeutung des 3800 Quadratmeter großen Spas bereits in der Architektur des Resorts widerspiegelt: Alle Wege führen dorthin, es bildet das Zentrum der weitläufigen Anlage, es ist das Herzstück, jener Ort, der hinter den Panoramafenstern am hellsten strahlt und der selbst Skeptiker überzeugen dürfte.

          Abseits des Trubels und des Sehens und Gesehenwerdens kann man den Bademantel einfach anlassen.
          Abseits des Trubels und des Sehens und Gesehenwerdens kann man den Bademantel einfach anlassen. : Bild: Lefay Resort Garda

          Das Etikett „Wellnessbereich“ wäre in diesem Fall eine Beleidigung. Die Wohlfühlphilosophie beschränkt sich nicht auf oberflächliche Körperbehandlungen, sie zielt ins Innere. „Das Gesamtwohlbefinden ist für uns entscheidend. Deshalb hat ein wissenschaftliches Team für das Lefay Spa eine Methode entwickelt, die die Grundsätze der klassischen Medizin mit der westlichen Forschung vereint“, sagt Anke Hähnsen. Sie kommt aus Hamburg und leitet das Spa, eine zierliche, elegante Frau, die ihr graues Haar als Bob trägt. Sie spricht von traditionellen Massagetechniken, von Naturmedizin, von Akupunktur, Drainage, Hydro-Aromatherapien, von Ayurveda, Thalassotherapien und von Meridianen, die man sich am besten als den Körper durchziehendes, komplexes Leitungssystem vorstellt, durch das unsere Energie fließt – oder eben nicht, wenn wir zum Beispiel gestresst sind, traurig, träge und gefangen in einer negativen Gedankenwelt.

          Ein Spa-Katalog von siebzig Seiten

          „Unsere energetischen Massagen zielen darauf ab, die Energiekanäle zu reaktivieren“, sagt Anke Hähnsen. Eine klassische Massage allein könne das nicht leisten, weil erst eine Anregung der spezifischen Energiepunkte und Meridiane tiefgreifend und nachhaltig wirke. Das Lefay-Spa-Angebot, zu dem auch medizinische Fachberatungen und Therapien gehören, ist jedenfalls so umfangreich, dass es in keine Broschüre mehr passt, weshalb in den gemütlichen Zimmern ein Siebzig-Seiten-Katalog liegt, den man abends, wenn auf der gegenüberliegenden Seeseite die Lichter funkeln und durch die geöffnete Balkontür das Zirpen der Grillen dringt, entspannt lesen kann.

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