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Veröffentlicht: 06.02.2013, 15:41 Uhr

Hausbootfahren in England Die Ente bettelt schon wieder!

Zwischen eleganten Flussseglern und aufdringlichem Wassergeflügel kann man erstaunlich gut entspannen: Mit dem Hausboot unterwegs in den Norfolk Broads.

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© Andrea Diener Enten: Laut, gefräßig, aufdringlich. Uns kratzt das nicht, wir sind mit gemächlichen sechs Meilen pro Stunde unterwegs und daher tiefenentspannt. Noch etwas Tee?

Da vorne fährt ein Segelboot über die Wiese. Dann schauen wir noch mal hin, das kann ja nicht sein, aber doch: Das weiße Dreieckssegel bewegt sich langsam, aber sicher über das hohe Gras, schert ein wenig nach links oder rechts aus und verschwindet hinter einer Baumgruppe. Erst als wir mit unserem bräsigen Hausboot der Sache langsam näherkommen, sehen wir, dass sich da ein Flussarm durch das Feld windet. Dorthin könnten wir auch abbiegen. Oder doch noch ein bisschen geradeaus bis ins nächste Dorf fahren, anlegen und im Pub etwas so dermaßen Frittiertes essen, dass wir den Nachmittag entweder spazieren gehen oder faul verdauend auf dem Deck verbringen müssen.

Andrea Diener Folgen:

Flussarme gibt es nämlich viele in den Norfolk Broads, insgesamt zweihundert Kilometer ohne Schleusen. Diese ganze Gegend im Südosten Englands, unweit der Küste und dem Badeort Great Yarmouth, ist ein einziges, menschengemachtes Wasserlabyrinth. Es besteht aus natürlichen Flüssen wie dem Waveney, dem Ant, Bure und Yare und künstlichen Kanälen, die sich immer wieder zu Seen weiten, den sogenannten Broads. Einst wurde hier Torf abgebaut, der im Mittelalter als Brenn- und Baustoff diente, bis sich im vierzehnten Jahrhundert die Torfgruben mit Wasser füllten, was den Abbau derart erschwerte, dass man ihn aufgab. Es entstand in den folgenden Jahrhunderten ein unüberschaubares Geästel an Wasserflächen und Wasserarmen, das fortan Vögeln, Ottern, Schmetterlingen und anderen Tieren als Heimat diente. Und den ansässigen Bauern als Transportweg - anstelle der Kutsche oder des Pferdekarrens nutzte man hier ganz selbstverständlich das Boot.

Luxuskoje mit Schminktischchen

Immer wieder fährt man auch an Windmühlen vorbei, in denen aber kein Getreide gemahlen wird. Die Mühlensegel treiben Pumpen an, mit denen das Sumpfwasser abgeleitet wird, sodass sich die trockengelegten Felder für die Landwirtschaft nutzen lassen. Entlang der Kanäle, die regelmäßig ausgebaggert werden müssen, damit sie nicht wieder versumpfen, wächst Riedgras, das zum Decken von Hausdächern geschnitten wurde. Die Technik des Reetdachdeckens ist in England inzwischen aber nahezu ausgestorben, sodass man sich Entwicklungshilfe vom Kontinent holen muss.

Jahrhundertelang wurden die Wasserstraßen zudem mit hölzernen Frachtseglern - den Wherries - befahren. Im kleinen, privat betriebenen Museum of the Broads in Stalham kann man sehen, wie die Kapitäne und die Schiffsjungen - es waren üblicherweise zwei Männer, die ein Schiff bewirtschafteten - in ihrer engen Kabine hausten: Ein kleiner Kamin, daneben zwei Kojen, kaum lang genug, um sich auszustrecken. Unsere Hausbootkojen mit Schminktischchen und angeschlossener Toilette erscheinen uns da plötzlich sehr luxuriös und geräumig. Wir können ja sogar duschen!

Hunderte Schiffsleichen auf dem Grund

Um die Mitte des 20. Jahrhunderts herum gerieten diese großen, bunt bemalten, etwas behäbigen Lastkähne aus der Mode. Eisenbahn und Lkw waren schneller und geräumiger, und so schlug man die Wherries nach und nach leck und ließ sie sinken. Bis heute liegen wohl Hunderte dieser Schiffsleichen auf dem Grund der Broads. Nur eine einzige originale Wherry überlebte, die Albion, die von einem Förderverein liebevoll in Schuss gehalten wird und für Gruppenfahrten gemietet werden kann. Wenn sie mit ihrem knallroten Holzrumpf und dem hohen schwarzen Segel über den Fluss gleitet, ist das ein so imposanter Anblick, dass ihr alle hinterher schauen, Bootsfahrer, Segler und die Anwohner in ihren Vorgärten.

Doch auch nach dem Ende der Flussschifffahrt spielt sich ein Großteil des Lebens in den Broads auf dem Wasser ab. Gesegelt wird hier schon seit viktorianischen Zeiten zum Vergnügen, man lieferte sich im Sommer regelmäßig Regatten. Gerudert wird mit ähnlicher Begeisterung, und seit einigen Jahrzehnten tuckern gemächlich die flachen Motorschiffe übers Wasser. Eilig hat es hier keiner, die Höchstgeschwindigkeit wird streng eingehalten, denn die ganze Gegend ist Naturschutzgebiet und das Wassergeflügel geht vor.

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