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Elbphilharmonie in Hamburg : Melancholie passt in keine Kaufmannsseele

  • -Aktualisiert am

Aller Ärger ist vergessen und hanseatischem Stolz gewichen: Die Elbphilharmonie hat Hamburg jetzt schon wie kaum ein anderes Bauwerk verändert. Bild: Picture-Alliance

Wie eine Wundererscheinung thront die Elbphilharmonie als Hamburgs neues Wahrzeichen am Hafen. Und sie wird die Stadt wohl stärker verändern als jedes Gebäude zuvor.

          Da steht sie, die Elbphilharmonie, ein bisschen so, als würde sie gleich in See stechen oder abheben und wie ein riesiger, silbriger Heißluftballon aufsteigen. Vor dreißig Jahren noch wäre ein solches Gebäude – gerade im backsteinroten Hamburg – pure Science-Fiction gewesen. Und hätte es im Juli 2005 in der Machbarkeitsstudie des Senats eine realistische Einschätzung der Baukosten gegeben, die Architekten Jacques Herzog und Pierre de Meuron hätten Baupläne und Modell gleich wieder einpacken und für immer abreisen können. In dieses extravagante Abenteuer Elbphilharmonie ist Hamburg irgendwie hineingeschlittert. Aber vielleicht ist Architektur auf diesem Niveau und mit diesem Anspruch immer auch eine Überforderung. Ein Ausreizen sämtlicher Kapazitäten – künstlerischer, technischer und auch wirtschaftlicher –, bis dann endlich etwas entstehen kann, was niemand zuvor je für möglich gehalten hat.

          Es gibt beim ersten Besuch der Elbphilharmonie mehrere Momente mit Überwältigungspotential. Das ist nicht unbedingt ein Mittagessen im Restaurant „Störtebecker“, in dem ein „Elphi-Burger“ auf der Speisekarte steht und die Pommes frites dazu in einem Blumentopf aus Ton serviert werden. Es ist vielmehr – gleich als erster Moment – diese ganz und gar unglaubliche, gebogene Rolltreppe, die den Besucher langsam hinaufträgt und vor einem bodentiefen Riesenfenster sanft absetzt. Da unten liegt der Hafen mit den Landungsbrücken, der Kuppel des alten Elbtunnels und dem träge und schlammbraun wogenden Fluss, auf dem Barkassen quer durch die Wellen flitzen. Zwischen den Kränen der Containerterminals schwebt die Köhlbrandbrücke über dem Horizont. Weite, Wolken, am Himmel zeternde Möwen und mit Glück ein gerade einlaufendes Kreuzfahrtschiff. Was für ein Panorama! Man möchte meinen, in dieses sich bewegende Bild hineinfallen zu können.

          Die Hybris ist auf der Plaza schnell vergessen

          Die Plaza auf dem Dach des ehemaligen Kaispeichers ist seit November vergangenen Jahres zugänglich. Seitdem haben 2,3 Millionen Besucher von hier oben, aus siebenunddreißig Metern Höhe, auf Hamburg geschaut. Dieser Platz und der ihn umlaufende Aussichtsbalkon ist Hamburgs neue Attraktion. Vergessen sind die jahrelangen Querelen um Bauverzögerungen und die ins nahezu Unglaubliche gestiegenen Kosten. Mit der Eröffnung und dem weltweiten Jubel über das Gebäude ist ganz Hamburg euphorisiert. Endlich einmal wirkliches Weltstadtniveau, endlich einmal nicht nur das Tor zur Welt, sondern selbstbewusste Metropole mit einem leuchtenden Architekturjuwel, das den etwas bescheiden in den norddeutschen Himmel ragenden Turm der St.Michaeliskirche als bisheriges Wahrzeichen bei weitem in den Schatten stellt.

          Es ist aufschlussreich, einen Tag lang auf der Plaza herumzuschlendern und zu beobachten, was Architektur bewirken kann. Die Besucher bewegen sich hier wie in einem sakralen Raum. Vor der Rolltreppe verwandeln sich selbst coole, schwer zu beeindruckende Jungs in staunende Kinder. Und denen, die oben auf dem Aussichtsbalkon den Blick elbabwärts schweifen lassen, stehen Fernweh und Sehnsucht ins Gesicht geschrieben. Die Hybris, mit der sich Hamburg gerne zur schönsten Stadt der Welt erklärt, ist auf der Plaza schnell vergessen. Denn sie schenkt ihren Besuchern zumindest eines der schönsten Stadtpanoramen der Welt – und ist deswegen ein Ort, der glücklich macht.

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