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Grönland-Kreuzfahrt : An den eiskalten Rändern der Welt

  • -Aktualisiert am

Bild: David Trood - Visit Greenland

Eisbären, Eisschollen und Einsamkeit: Im Nationalpark Nordostgrönlands stößt der Mensch an seine Grenzen – selbst wenn man statt des Hundeschlittens auf einem Kreuzfahrtschiff reist.

          Auf fast achtzig Grad nördlicher Breite bahnt sich die Fram, ein Schiff der norwegischen Reederei Hurtigruten, den Weg vom Spitzbergen-Archipel zur Küste Nordostgrönlands. Der Nordpol ist nur tausend Kilometer entfernt, der Himmel wolkenverhangen. Eis treibt auf dem bleigrauen Meer. Etwa zweihundert Passagiere sind an Bord. Die 114 Meter lange Fram – benannt nach dem Expeditionsschiff, das der norwegische Polarforscher Fridtjof Nansen Ende des 19. Jahrhunderts bauen ließ – pflügt durch weiß, blau und türkis schimmernde Eisschollen entlang der Treibeisgrenze. Ein dumpfes Grollen und Krachen steigt als Antwort aus dem Meer hoch, wenn die Schollen am Bug zerbersten. Unsere Route folgt dem Seeweg, der den Nordatlantik vom Arktischen Meer trennt, der Framstraße. Ständig schwappt das wärmere Atlantikwasser ins Polarmeer, und von dort strömt kaltes Wasser zurück. In der Tiefe, so schreiben Meeresforscher, finde zurzeit eine Artenwanderung statt, weil der Atlantik wärmer werde. An der Oberfläche ist nichts davon zu sehen.

          Nationalpark-Werbevideo : Der Sommer in Grönland

          Dann ändert sich das Bild drastisch, Seenebel zieht auf, die Welt draußen schrumpft auf die Ausmaße des Schiffs, statt Weite nichts als undurchdringliches Grau. Wir haben den kalten Ostgrönlandstrom erreicht, der vor der Küste südwärts zieht. Auf dem Außendeck starren ein paar dick Vermummte erwartungsvoll in den gespenstischen Nebel, der den Horizont verschluckt hat. Aber da ist nichts, nur das unheimliche Geräusch aus dem Wasser wird lauter. Asi Aq, die Inuit-Göttin des Windes und des Wetters, hat von Norden her ein dichtes Eisfeld geschickt. Vorsichtig navigiert Kapitän Rune Andreasson durch die Schollen, er bremst, beschleunigt, weicht aus, es beginnt zu regnen. Die Fram muss einen weiten Bogen nach Süden um die Eiszunge herum schlagen, das war nicht vorgesehen. Aber die Passagiere waren vorgewarnt, eine Expeditionsreise lasse sich nun einmal nicht genau planen, sagt der Kapitän.

          Die vielleicht einsamste Küste der Welt

          Für Grönland-Fahrten wie diese bleibt nur ein schmales Zeitfenster, etwa sechs Wochen im Hochsommer. Die restlichen Monate ist die vielleicht einsamste Küste der Welt von einem dichten Packeisgürtel umschlossen. Landwege existieren hier oben gar nicht. Noch ist der 1974 gegründete Nationalpark Nordostgrönland reine arktische Wildnis, eine Fläche knapp dreimal so groß wie die Deutschlands, fast vollständig von einem mehrere Kilometer dicken Eisschild bedeckt, Relikt der letzten Eiszeit, die vor mehr als elftausend Jahren zu Ende ging.

          Erst am nächsten Tag tauchen schemenhaft flache Landzungen und dunkle Bergketten auf, manche mit vergletscherten Spitzen. Auf dem Wasser zappeln zwischen den Eisschollen Krabbentaucher als winzige dunkle Punkte. Schließlich ankern wir vor der Wetterstation Danmarkshavn bei drei Grad Außentemperatur und Nieselregen. Stabile Schlauchboote spucken uns an Land.

          Aus den Nebelschleiern schälen sich rote Container, Tanks, Stromleitungen, Wasserrohre, ein Funkmast, stählernes Zeichen von Zivilisation, daneben Landmarken wie die alte Trapperhütte, von denen es im Nationalpark mehr als dreihundert gibt, auch rot und grau gestrichene Holzhäuser neueren Datums. Eine Handvoll Menschen lebt hier, vor allem Wetterleute. Aus der auf Stelzen gebauten Station am Wasser lassen sie einen weißen Ballon aufsteigen, an dem eine Sonde baumelt. Dreißig Kilometer hoch kann er fliegen und dabei Temperatur, Wind, Luftdruck und Feuchtigkeit messen, Daten für die Wettervorhersage in Europa und für den Flugverkehr.

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