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Großbritanniens Peak District : Ein ehemals unerreichbares Sehnsuchtsland

  • -Aktualisiert am

Es sieht friedlicher aus, als es ist: Im Peak District zwischen Manchester und Sheffield hat der erbitterte Streit ums Wegerecht Tradition. Bild: Picture-Alliance

Wer nach Edale fährt, muss über steile, schmale Pässe. Nicht gerade autogerecht – was im Umkehrschluss verheißt: ein erstklassiges Wandergebiet. Dort gelten allerdings speziell britische Wandersitten.

          Noch ist es leer, am Freitagmorgen, bei Regen auf dem Campingplatz von Edale. Wolken verhüllen die Berge, nur drei Zelte stehen auf der Wiese. Aber am Abend rauchen Grillfeuer, Kinder spielen im Matsch – und nun stehen Hunderte Zelte und Autos dicht nebeneinander. Wochenende! Aus Sheffield und aus Manchester ist die „working class“ in ihr Freizeit-Wohnzimmer angereist: den Peak District – eine karge, einsame Landschaft zwischen den Industriegroßstädten, mit heideüberzogenen Hügeln und grünen Tälern, die durch das Muster von Steinmauern strukturiert sind.

          Wer nach Edale fährt, muss über Pässe, die zwar nicht alpine Höhen, aber durchaus alpine Steilheit haben. Schmale, kurvige Straßen, eine spärliche Beschilderung. Nicht gerade autogerecht. Was im Umkehrschluss verheißt: ein erstklassiges Wandergebiet. Geprägt ist es vom britischen „way of life“ des Wanderns. Da gilt: Zum Smalltalken mag das Gerede über das Wetter ganz nützlich sein, beim Wandern wird es ignoriert.

          Am nächsten Morgen, eine noch schüchterne Sonne schiebt sich zwischen dunkle Wolken, hängen sich viele den Rucksack über, nehmen die Hunde an die Leine und ihre Kinder an die Hand. Unmittelbar hinter dem Campingplatz biegen sie auf einen Plattenpfad ein. Es ist der Beginn des Pennine Way, eines der populärsten Weitwanderwege Großbritanniens. Die Tageswanderer sind auf dem Edale Horseshoe unterwegs – ein tagesfüllender Marsch über all die Hügel, die eben hufeisenförmig rund um Edale liegen.

          Eine Geschichtslektion in Sachen Wegerecht

          Very british die Orientierung: Wegweiser sind selten. Der Brite wandert mit der Karte in der Hand, durch eine Plastikfolie vor dem Regen geschützt. Am ersten Holzgatter eine große Tafel: „Zugängliches Land“. Darunter steht: „Sie sind willkommen, durch dieses offene Land zu wandern.“ Der Besucher aus Deutschland, für den das freie Betretungsrecht der Natur eine Selbstverständlichkeit ist, registriert das wahrscheinlich gar nicht groß. Doch gerade eine Wanderung in die Hügel um Edale ist eine Geschichtslektion in Sachen Wegerecht.

          Die Wege hinter Edale gehen steil in die Höhe. Die Steinstufen der Jakobsleiter, wie sie heißen, führen auf die Hochfläche Kinder Scout. Eine Menge Wanderer steigt sie bergan, und nichts wird sie an diesem Tag daran hindern. Nicht das Wetter, das bei Nebel auf der baumlosen Hochfläche mit ihrem Gewirr aus Felsbrocken und sumpfigen Wiesen auch erfahrene Wanderer vor massive Orientierungsprobleme stellt. Aber auch keine Schlägertrupps. Und nicht die Polizei.

          Das Mam Tor war schon vor dreitausend Jahren ein Siedlungsplatz der Kelten und ist heute ein perfekter Picknickplatz.
          Das Mam Tor war schon vor dreitausend Jahren ein Siedlungsplatz der Kelten und ist heute ein perfekter Picknickplatz. : Bild: Picture-Alliance

          Das war völlig anders am Sonntagmorgen des 24. April 1932, als sich Benny Rothman auf den Weg zum Kinder Scout machte. Die Hügel, das sah er schon von unten, waren voller Gruppen von Männern, die mit Schlagstöcken bewaffnet waren. Und das Dorf Hayfield am Fuß der Hochebene war vollgepackt mit Polizisten. Ein Drittel der Polizei aus Derbyshire war angerückt, ihr Chef hatte persönlich das Kommando übernommen, und schon in Manchester hatte die Polizei Sperren errichtet. Um Benny Rothman abzufangen, einen zwanzigjährigen Arbeiter, und ihn daran zu hindern, Kinder Scout zu betreten.

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