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Zeit totschlagen am Flughafen : Busy waiting!

  • -Aktualisiert am

Wartezeit am Flughafen nutzt jeder anders. Bild: Picture-Alliance

Manchmal geht am Flughafen doch alles schneller als befürchtet – und man tigert durch Duty-Free-Shops, studiert Whisky-Preise oder wiegt Parfümfläschchen. Das muss nicht sein: In Korea hat man die Kunst des Wartens perfektioniert.

          Es ist nicht schwer, zu viel Zeit am Flughafen einzuplanen. Die Schlangen vor dem Check-in-Schalter, die Tücken bei der Sicherheitskontrolle – wer weiß schon, wie lange das wieder dauert. Aber dann geht doch alles viel schneller als befürchtet, und man tigert durch die Duty-Free-Shops, studiert die Preise des Whiskeys oder wiegt Parfümfläschchen in der Hand und nimmt am Ende resigniert mit einer Zeitschrift und einem überteuerten Kaffee im Plastikbecher auf einem der Hartschalenstühle am Gate Platz, weniger lesend als auf die Uhr starrend.

          Es geht natürlich auch anders. Auf jedem Flughafen. Oder fast jedem wenigstens. Im koreanischen Hauptstadtflughafen Incheon, zweiundfünfzig Kilometer westlich von Seoul gelegen, haben Asiana Airlines und Korean Air für Business-Passagiere sowie Mitglieder diverser Clubs gleich mehrere neue Lounges eröffnet. Sie könnten unterschiedlicher nicht sein. Während es bei Korean Air wirkt, als hätten ihre Innenarchitekten Inspiration für ihren modernen Minimalismus in Zahnarztpraxen gesucht, wähnt man sich bei Asiana Airlines in der Bibliothek eines englischen Landhauses – nur eben mit Blick auf die Landebahn. Schwere Sessel mit gemusterten Polstern stehen um ein Klavier herum, das darauf wartet, gespielt zu werden. Reihen von Sofas und Sesselchen sind um Tischchen ergänzt und diese wiederum, zum Thema passend, mit Leselampen garniert. Lektüre allerdings muss man selbst mitbringen: Die Shakespeares und Tolstois in den hohen Regalen sind allesamt Attrappen. Was man den Gästen vielleicht hätte sagen sollen.

          Dem Jet-Lag ein Schnippchen schlagen

          Kaum einer liest. Einige schauen auf großen Flachbildschirmen fern, andere dösen in den Kabinen mit Massagesesseln. Zum Business scheint kaum einer hier zu sein – der Arbeitsraum ist verwaist, nur an der Theke mit den Steckdosen kleben einige junge Herren mit Kopfhörern im Ohr vor ihren Laptops. Die Hauptbeschäftigung der meisten anderen hingegen ist es, zwischen Buffet und Tischen hin- und herzulaufen. Die Auswahl an Speisen ist vor einem Spiegel ausgebreitet, was sie noch üppiger erscheinen lässt, und die Gäste greifen so beherzt zu, als sei es ihre letzte Mahlzeit: Suppen, Salate und Sandwiches, Toasts, Croissants und Instant-Nudeln, bonbonbunte Süßigkeiten, Nachtisch und damit kein Ende. Noch ein Tellerchen und noch eines. Das Personal der Asiana Airlines Business Class Lounge kommt kaum damit hinterher, das Buffet neu aufzufüllen sowie Sessel und Tische von Resten zu säubern. Es kippt ja so schnell etwas vom Tellerchen.

          Und doch passiert das in der Asiana Airlines First Class Lounge sichtbar seltener bis gar nicht. Unter First-Class-Passagieren geht es unverkennbar gesitteter zu, legerer auch, dort herrscht die Atmosphäre eines Gentlemen’s Club. Trotz einiger Damen. Dabei steht dort das gleiche Klavier wie nebenan und wartet darauf, gespielt zu werden. Und auch die Sessel sind die gleichen. Doch Speisen wie Gäste wirken erlesener – erstere, weil sie fast ausschließlich als Amuse-Bouche daherkommen, Letztere, weil sich jeder so tief in die Privatheit seiner eigenen Plüschecke zurückgezogen hat, dass man hinter jedem Anwesenden einen Prominenten vermuten möchte, nur dass einem der Name im Moment nicht einfallen will.

          Und die Gäste der Economy? Die Passagiere ohne Mitgliedschaft in einem exklusiven Club? Für sie gibt es die Hub-Lounge, Eintritt sechzehn Euro, wofür warme Snacks und jede Menge Getränke, dazu Ruhezonen, ein Entertainmentcenter und ebenfalls Arbeitsbereiche in einer Business-Zone bereitgestellt werden.

          Erst wenn sich die Umsteigezeiten ins Unerträgliche dehnen, springt das koreanische Fremdenverkehrsamt ein, mit folgendem Einfall: Bei einem Aufenthalt von fünf Stunden und mehr lädt es die Fluggäste ein zu einer kostenlosen Rundfahrt durch Seoul. Wer wiederum das Gegenteil von Auf- und Anregung sucht und lieber damit beginnen mag, dem Jet-Lag ein Schnippchen zu schlagen, kann sich in den Transithotels des Flughafens einbuchen. Zwar sind die Zimmer weder schön noch geräumig, und günstig sind sie schon gar nicht, doch sind die Betten dort allemal gemütlicher als drei Hartschalenplastiksitze in Reihe am Gate. Genauer betrachtet, kann einem Schlimmeres passieren, als die Zeit an einem Flughafen totschlagen zu müssen.

          Bequemer als drei Hartschalenplastiksitze in Reihe am Gate sind Transithotels allemal.

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