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Florenz auf den Spuren Dan Browns : Eine Stadt, wie sie im Buche steht

  • -Aktualisiert am

Blick über den Arno auf den Palazzo Vecchio Bild: picture alliance / Bildagentur-o

Ein Roman als Stadtführer: Auf den Spuren von Dan Browns „Inferno“ entdeckt man Florenz von seiner mysteriösen Seite.

          „Ich bin der Schatten. Ich fliehe durch die trauernde Stadt. Durch das ewig Leid hindurch ergreife ich die Flucht.“ Er hastet entlang am Ufer des Arno, atemlos, wendet sich nach links in die Via dei Castellani, sucht seinen Weg nach Norden, drückt sich in die Schatten der Uffizien. Sie jagen ihn immer weiter.

          Wir hinterher. Einmal durch Dan Browns aktuellen Roman „Inferno“, einmal quer durch Florenz. Vom Hotel „St. Regis“, einem Palazzo aus dem 15. Jahrhundert am Ufer des Arno, dessen Zimmer mit samtenen Baldachinen und dunklen Hölzern den Prunk der Renaissance wiederbeleben, durch die Florentiner Jahrhunderte. Auf den Spuren von Dan Brown heißt auf den Spuren seiner Hauptfigur, des Harvard-Professors Robert Langdon, Symbolist und Schatzjäger, den Brown seit vier Büchern durch die Kirchen, Katakomben und Dachstühle von Rom („Illuminati“), Paris („Sakrileg“), Washington („Das verlorene Symbol“) und Sevilla („Diabolus“) scheucht, immer auf der Suche nach dem nächsten Hinweis auf eine Lösung, dessen Rätsel er meist noch gar nicht kennt. Nun also Florenz, die Blühende. Doch was er hier zu suchen hat und vor allem wer versucht, ihn umzubringen, weiß Langdon zu Beginn des Thrillers selber nicht. Deshalb heißt es: „suche und du wirst finden“. Diese Worte sind auf Italienisch in eine Abbildung von Sandro Botticellis „Mappa dell’Inferno“ hineinmontiert worden. Der erste Hinweis.

          Überall standen Statuen rum

          „Inferno“ ist wie eine Schnitzeljagd, und damit ist der Roman auch eine Anleitung zu einem Stadtrundgang durch Florenz. Aus diesem Grund hat Helena Julian den Reiseführer „Auf den Spuren von Dan Browns ,Inferno‘“ geschrieben. Heute begleitet sie uns durch Florenz und erklärt: „Dan Brown behandelt die Schauplätze des Romans wie Charaktere. Der Leser soll das Gefühl haben, mittendrin zu sein, sie wirklich kennenzulernen. Deshalb war Brown dreimal in Florenz, um die Stadt nach geeigneten Orten abzuklappern.“ Allerdings verwischen Fiktion und Wirklichkeit an vielen Stellen. Im Roman stünden da Geräteschuppen, über die man in geheime Gärten kommt, wo in Wirklichkeit Zypressen den Weg versperren. Und dann öffneten sich Türen, die Florentinern wie Besuchern verschlossen bleiben.

          Bacchino im Boboli-Garten
          Bacchino im Boboli-Garten : Bild: picture alliance / Nico Tondini/

          Der erste Hinweis „suche und du wirst finden“ bezieht sich auf eine geheime Botschaft, die Giorgio Vasari in seiner Wandmalerei im Saal der Fünfhundert im Palazzo Vecchio hinterlassen hat. Doch bevor er diese finden kann, muss Langdon im Boboli-Garten die Profikillerin Vayentha abschütteln, wobei dieses riesige Areal nur „Garten“ getauft haben kann, wer einen Palast sein Zuhause nennt - die Medici. Im 16. Jahrhundert angelegt, bietet der Garten neben atemberaubenden Sichtachsen und elliptischen Teichen vor allem Kunst. Im Roman konstatiert Langdon nur platt: „Überall standen Statuen rum.“ In der Realität hat sich eine alte Dame mit Gehstock durch die Labyrinthe des Gartens auf die Spitze seines Hügels gekämpft und blickt nun wie eine Feldherrin auf die Stadt. Noch schnell ein Foto. Und wieder runter, vorbei am Amphitheater auf der Rückseite des Palazzo Pitti, dem Wohnhaus der Medici, zur Grotta Grande.

          Zum Glück muss sich der Held nicht an Museumsregeln halten

          Die Grotte ist mit Stalaktiten geschmückt und wird von der Statue eines nackten Hofzwergs, der auf einer Schildkröte reitet, bewacht. Ein absurdes Ensemble, das von einer grauen halbhohen Tür ablenkt, die rechts der Grotte in die Mauer eingelassen ist. Es ist der Eingang zum Vasarikorridor, der das Wohnhaus der Medici, den Palazzo Pitti, über den Ponte Vecchio durch die Uffizien mit dem Regierungssitz, dem Palazzo Vecchio, verbindet.

          Innenhof der Uffizien
          Innenhof der Uffizien : Bild: picture alliance / DUMONT Bildar

          Die Medici konnten so die Stadt zu Fuß durchqueren, ohne je einem Bürger begegnen zu müssen. Praktisch. Auch für Langdon, denn Vayentha ist auf einem Motorrad unterwegs. Er stemmt die Tür auf und rennt los, dabei ist der Vasarikorridor eigentlich nur von der anderen Seite begehbar. Zum Glück muss der Held sich nicht an Museumsregeln und Öffnungszeiten halten. Dann wäre der Roman auch schon auf Seite 17 beendet. Der normale Besucher geht dagegen durch die verknoteten Gassen der Altstadt Richtung Ponte Vecchio. Jugendliche schlängeln sich auf ihren Vespas in bunten Lederloafern durch den Verkehr. In den Schaufenstern der zahlreichen Spielzeugläden scheinen die Nasen Hunderter Pinocchios gegeneinander zu kämpfen. Carlo Collodi, der Erfinder von Geppetto und seiner lügenden Puppe Pinocchio, war Florentiner.

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